Roger Federer: «Zum Abschied zusammen mit Rafa zu spielen, wäre einzigartig»

Roger Federer«Zum Abschied zusammen mit Rafa zu spielen, wäre einzigartig»

Roger Federer gab letzten Donnerstag seinen Rücktritt bekannt. Im Vorfeld des Laver Cups sprach der 41-Jährige in London während 30 Minuten zu den Medien.

von
Florian Gnägi
(aus London)

Spielt Roger Federer nochmals oder nicht? Das ist die grosse Frage vor dem Start des Laver Cup in London. Der Maestro verkündete bereits am Dienstag, dass er nicht bei einem Einzel antreten wird. Am Mittwoch stellte sich der abtretende Tennis-Superstar der internationalen Presse in einer Medienrunde und verkündete, dass er liebend gerne seinen Fans zum Abschied ein Doppel mit Nadal schenken würde.

«Mit Rafa zu spielen, wäre einzigartig. Natürlich würde ich gerne nochmals mit ihm spielen», erklärte Federer, stellte aber gleichzeitig fest: «Ich weiss noch nicht, ob es klappt mit dem Doppel am Freitag. Aber das wäre super und eine tolle Message für die ganze Tennis-Welt und darüberhinaus.»

Kein Regelbruch

Gemäss den Regeln des Laver Cups müsste eigentlich jeder teilnehmende Spieler sowohl ein Doppel als auch ein Einzel absolvieren. Für Laver-Cup-Mitgründer Federer aber kein Problem: «Das war auch mein Bedenken, aber ich habe unseren Teamcaptain Björn Borg gefragt, ob es okay ist, wenn ich einfach ein Doppel spiele. Er gab grünes Licht und hat es mit der ATP abgeklärt.»

Neben der Aussicht auf den wohl letzten Auftritt als aktiver Tennis-Profi, sprach Federer bei der Medienkonferenz auch ausführlich über seine Karriere und die letzten Tage. Der Maestro betonte, dass er sehr zufrieden sei über das Erreichte und habe keine Bedauern. «Ich bin ich sehr stolz darauf, dass ich so lange an der Spitze bleiben konnte», betonte der 41-Jährige.

Was Federer nach seinem letzten Turnier als Erstes machen wird, was er zu der GOAT-Debatte sagt und alle weitere Aussagen von ihm, findest du unten im Ticker.

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Mittwoch, 21.09.2022

Das wars von der PK

Game, Set and Match hier in London. Die Presserunde mit Federer ist vorüber. Wir halten Sie auf dem Laufenden, wie es für den Maestro weitergeht. Aller Voraussicht nach wird er am Freitag im Doppel mit Rafa Nadal antreten, entschieden ist aber noch nichts.

Federer freut sich auf die kommenden Tage

Was sagen Sie zu der GOAT-Debatte?

«Ich bin sehr zufrieden mit meinen Erfolgen. Alles, was nach dem Brechen des Rekords von Pete Sampras mit den meisten Grand-Slam-Titeln folgte, war ein Bonus für mich. Ich bin sehr happy, dass ich nach 2015 noch fünf weitere Majors gewinnen konnte. Ich brauche nicht jeden Rekord, um happy zu sein.»

Wie sieht die Zukunft im Tennis aus?

«Die Spieler, die sich am besten bewegen, sind die besten Tennis-Spieler. Medwedew, Rublew, Tsitsipas, die nächste Generation ist schon da. Vielleicht fehlt ein wenig das Serve-and-Volley-Spiel, aber die Spieler heute sind alle sehr athletisch.»

Bedauern Sie etwas in Ihrer Karriere?

«Ich werde vor allem auf die tollen Momente zurückschauen. Auf die ganzen Trophäen, die ich gewonnen habe und auf die vielen schönen Augenblicke mit meinem Team und auf dem Court. Ich habe keine Bedauern. Wenn ich als junger Spieler noch mehr investiert hätte, wäre ich vielleicht zum Ende hin ausgebrannt gewesen.»

Wie schafften Sie es, so normal zu bleiben trotz des Erfolgs?

«Am Anfang war es nicht einfach, aber ich versuchte, einfach normal und authentisch zu bleiben. Darüber bin ich sehr happy, dass ich mit den Spielern auf der Tour, den Fans und allen anderen Leuten im Tennis so eine gute Beziehung hatte.»

«Ihr werdet mich bald wiedersehen»

Werden Sie von der Bild-Fläche verschwinden?

«Ich werde kein Geist sein. Ich habe zuvor mit Björn Borg gesprochen, er kehrte 25 Jahre nicht nach Wimbledon zurück. Das wird mir nicht passieren. Ich liebe Tennis und sage allen Fans: Ihr werdet mich bald wiedersehen. Wie genau das aussehen wird, weiss ich noch nicht.»

Wieso treten Sie hier beim Laver Cup ab?

«London ist ein spezieller Ort für mich mit meiner ganzen Historie in Wimbledon und auch bei den ATP-Finals. Das passt sehr gut. Ich wollte nicht diesen ganzen Event für mich einnehmen, deswegen habe ich die Nachricht über den Rücktritt schon am Donnerstag in der letzten Woche verkündet».

«Ich bin happy mit meiner Entscheidung»

Was machen Sie als Erstes nach dieser Woche?

«Zuerst: Ich bin happy, dass diese Rücktrittsmeldung nicht geleakt wurde und so sauber über die Bühne ging. Ich bin zufrieden, dass die Meldung endlich raus ist. Nächste Woche werde ich dann erstmal all die Medienberichte in den Zeitungen und TV-Sendern über mich anschauen. Dafür hatte ich noch keine Zeit. Danach werde ich sicher Ferien machen mit Mirka und den Kindern. Darauf freue ich mich jetzt schon».

Schade, dass Sie nie gegen Carlos Alcaraz gespielt zu haben?

«Ich bin schon ein wenig traurig, nicht gegen ihn gespielt zu haben. Er ist ein toller Spieler und einer von möglichen Superstars der Zukunft. Trainiert habe ich schon mit ihm, er ist super. Geahnt habe ich schon damals, dass er einmal ein ganz Grosser werden kann.»

Mit wem spielen Sie denn jetzt Doppel am Freitag?

«Mit Rafa zu spielen, wäre einzigartig. So lange, wie wir uns gebattlet haben. Wir sind immer gut miteinander ausgekommen, obwohl wir grosse Rivalen sind. Ich weiss noch nicht, ob es klappt mit dem Doppel am Freitag. Aber das wäre super und eine tolle Message für die ganze Tennis-Welt und darüberhinaus.»

Was werden Sie am meisten vermissen?

«Ich liebte es, mich auf die Spiele vorzubereiten. Am Morgen beim Frühstück schon daran zu denken, dass am Abend ein Match ansteht. Die Anspannung zuvor, die sich nach dem Spiel legt. Die Abendessen mit den anderen Spielern nach den Partien. Die Fans. Es sind viele kleine Dinge, die ich vermissen werde.»

Am Freitag nochmals mit Rafa?

Auf was sind Sie am stolzesten in Ihrer Karriere?

«Ich war am Anfang meiner Karriere berüchtigt dafür, dass ich nicht so konstant war. Am Ende war ich einer der konstantesten. Da bin ich sehr stolz darauf, dass ich so lange an der Spitze bleiben konnte. Das ist ein grosses Privileg. Ich habe früher immer zu Leuten wie Michael Schumacher oder Michael Jordan hochgeschaut, die so konstant waren.»

Wie haben Sie den Entscheid mit Ihrer Familie besprochen?

«In den Ferien habe ich mit meiner Familie über den Entscheid des Rücktritts gesprochen. Die ganzen Einzelheiten zu regeln, war dann etwas stressig. Man will für immer spielen, aber das ist nicht möglich. Am Ende bin ich dankbar für die Karriere, die ich hatte.»

Was ist der bitterste Teil Ihres Rücktritt-Entscheids?

«Es war ein Prozess, der im Sommer begonnen hat. Ich wusste, dass es in der Reha immer wieder Rückschläge geben kann, aber ich mochte diese Challenge. Herauszufinden, wie weit ich gehen kann. Am Ende mussten wir sehr vorsichtig sein. Ich wurde auch langsam müde von dem Ganzen und an einem Punkt wusste ich, dass es nicht mehr weitergeht. Für mich war es bis 2016 immer klar, dass ich ohne Operationen zurücktreten will. Dann hatte ich einige Verletzungen. Tennis ist ein harter Sport. Zurückzukommen von diesen Verletzungen ist noch härter.»

Wie war die ganze letzte Zeit mit der Reha?

«Die meiste Zeit habe ich zuhause genossen. Die Reha war okay. Die schlimmsten Momente waren jeweils vor den Operationen. Das war nicht einfach.»

Ist das regelkonform, dass Sie hier nur ein Doppel spielen am Laver Cup?

«Das war auch mein Bedenken. Es ist ein ATP-Event, bei dem ich nicht rumspielen will. Ich habe Björn Borg gefragt, ob es okay ist, wenn ich einfach ein Doppel spiele. Er sagte, es sei okay und hat es mit der ATP abgeklärt. Berretini wird für mich beim Einzel einspringen.»

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