Aktualisiert 10.01.2020 11:18

Federer zur Klimadebatte

«Ich weiss, dass ich kein Vorbild sein kann»

Der Schweizer Tenniscrack, von der Klimaaktivistin Greta Thunberg an den Pranger gestellt, räumt ein, dass er nicht als Vorbild dienen kann.

von
erh
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Roger Federer wird von der Klimajugend kritisiert. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Schweizer Tennisstar unter anderem von der Credit Suisse gesponsert wird.

Roger Federer wird von der Klimajugend kritisiert. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Schweizer Tennisstar unter anderem von der Credit Suisse gesponsert wird.

Keystone
Ihren Ärger machen die Aktivisten auf Twitter kund. Unter dem Hashtag #RogerWakeUpNow (Roger wach jetzt auf) sind unzählige Tweets zu finden, die auf den Schweizer zielen.

Ihren Ärger machen die Aktivisten auf Twitter kund. Unter dem Hashtag #RogerWakeUpNow (Roger wach jetzt auf) sind unzählige Tweets zu finden, die auf den Schweizer zielen.

Keystone
Selbst Klimastreik-Ikone Greta Thunberg mischt sich ein und prangert mit ihren über vier Millionen Followern Federer an.

Selbst Klimastreik-Ikone Greta Thunberg mischt sich ein und prangert mit ihren über vier Millionen Followern Federer an.

AFP/Twitter

Vier Grand-Slam-Turniere über die halbe Welt verteilt, dazu zahlreiche Turniere und auch noch Showkämpfe auf entfernten Kontinenten: Ein Tennisspieler kommt um das Reisen nicht herum, auch nicht Roger Federer, der inzwischen in Australien angekommen ist, wo in Melbourne ab dem 20. Januar das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres stattfindet.

In Zeiten, in denen freitags die Klimajugend auf die Strassen geht und gegen den Klimawandel protestiert, gerät jetzt auch die Ikone des Schweizer Sports in den Mittelpunkt der Kritik. Während der 20-fache Grand-Slam-Sieger auf Twitter attackiert und dazu aufgefordert wird, sein Sponsoring mit der Credit Suisse zu kündigen, äusserte sich der 38-Jährige an einem Pressetermin im Dezember in Dubai zur Klimadebatte.

«Das Thema ist für mich als guter Tennisspieler, der viel reist, sehr heikel», sagt der Baselbieter im «Blick». «Wir leben ein völlig abnormales Leben, ich weiss, dass ich diesbezüglich kein normales Vorbild sein kann. Ich kann ja schlecht allen sagen ‹Seid aufmerksam!› und dann gleich wieder nach Australien fliegen. Gleichzeitig kann ich kaum alle Grand Slams nach Basel holen.»

Bis Februar werden es 100'000 km sein

Seit Oktober letzten Jahres und dem ATP-1000-Turnier in Shanghai hat Federer schon rund 80'000 km im Flugzeug zurückgelegt. Das Masters-Turnier am Huangpo war für den Weltranglistendritten die erste Station einer ausgedehnten Weltreise, die ihn bis Mitte Februar durch alle Erdteile und in über ein Dutzend Metropolen geführt haben wird. Die Strecke von rund 100'000 Flugkilometern, die er dabei zurücklegt, würde reichen, um den Globus mehr als zweimal am Äquator zu umrunden. Verantwortlich für diese Strecke waren unter anderem auch Schaukämpfe gegen den Deutschen Alexander Zverev in Mittel- und Südamerika.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Kennt Vielflieger Federer so etwas wie Flugscham? «Ja und nein», sagt er. «Wenn ich mich für Ja entscheide, muss ich meine Karriere sofort beenden.» Wie er auch sagt, versuchen seine Frau Mirka und er auf jeden Fall zu Hause und auf Reisen Umwelt-Prinzipien zu respektieren und ihre Kinder damit vertraut zu machen.

Vorderhand geht es der Klimajugend und ihren Aktivisten jedoch darum, weniger Federers zahlreiche Flugmeilen anzuprangern, als ihn vielmehr davon zu überzeugen, sich von der Credit Suisse zu trennen. Im Moment stehe das positive Image des Tennisspielers in einem krassen Gegensatz zu den Investitionen der Bank in fossile Brennstoffe fördernde Firmen.

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