21.11.2020 17:09

Basel-StadtRoger Federers alter Tennisclub umgeht Lockdown, um zu trainieren

Um trotz des Lockdowns in Basel-Stadt trainieren zu können, verschiebt ein Tennisclub seine Kurse kurzerhand in eine Halle im Nachbarkanton Basel-Land. Der Stadtkanton verurteilt das Vorgehen.

von
Joel Probst
1 / 8
In Basel-Stadt darf ab Montag nicht mehr in Turnhallen Sport getrieben werden. Auch in der Halle Tennis zu spielen ist deshalb verboten.

In Basel-Stadt darf ab Montag nicht mehr in Turnhallen Sport getrieben werden. Auch in der Halle Tennis zu spielen ist deshalb verboten.

Getty Images/iStockphoto
Der ehemalige Juniorenverein von Roger Federer, die Old Boys Basel, wollen aber trotzdem weitertrainieren.

Der ehemalige Juniorenverein von Roger Federer, die Old Boys Basel, wollen aber trotzdem weitertrainieren.

KEYSTONE
Der Club umgeht den Lockdown in Basel-Stadt in dem er kurzerhand in einer Tennishalle ennet der Kantonsgrenze in Basel-Land trainiert.

Der Club umgeht den Lockdown in Basel-Stadt in dem er kurzerhand in einer Tennishalle ennet der Kantonsgrenze in Basel-Land trainiert.

KEYSTONE

Darum gehts

  • In der Tennishalle aufzuspielen ist in Basel-Stadt ab Montag verboten.

  • Um den Teil-Lockdown zu umgehen, verschiebt ein Tennisclub seine Kurse kurzerhand in eine Halle im Nachbarkanton Basel-Land.

  • Der Stadtkanton verurteilt das Vorgehen, ihm fehlen aber die rechtlichen Mittel dagegen.

  • Die Vereinspräsidentin kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Ab Montag ist Basel-Stadt im Teil-Lockdown: Restaurants, Erotikbetriebe und Sporthallen müssen schliessen. Davon betroffen ist auch der Tennisclub Old Boys Basel, wo Roger Federer als Junior spielte und auch heute noch Ehrenmitglied ist. Doch der Club denkt nicht daran, sich den Massnahmen des Kantons Basel-Stadt zu fügen und alle Tenniskurse abzusagen. Stattdessen sollen die Trainings rund eineinhalb Kilometer von der Tennishalle des Clubs in der Stadt entfernt, in einer Halle ennet der Kantonsgrenze in Basel-Land stattfinden – wo das Tennisspielen nach wie vor erlaubt ist.

Über die Planänderung informiert der Club seine Mitglieder in einer Mail, die 20 Minuten vorliegt. Für ein Clubmitglied, das anonym bleiben möchte, ist diese Trickserei des Tennisclubs unverständlich: «Es kann doch nicht sein, dass der Club den lokalen Lockdown einfach umgeht. Das ist sehr egoistisch und verantwortungslos.» Das Clubmitglied findet deutliche Worte: «Wir haben momentan grössere Problem, als dass alle Tennis spielen müssen.»

Basel-Stadt verurteilt Vorgehen

Auch die Baselstädtische Regierung hat gar keine Freude am Vorgehen des Tennisclubs: «Hier wird versucht, die Massnahmen zur Senkung der Infektionen zu umgehen. Das ist bedauerlich», sagt die Sprecherin der Gesundheitsdirektion, Anne Tschudin, auf Anfrage. Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger habe die Basler Bevölkerung explizit dazu aufgerufen, nicht nach Basel-Land ins Restaurant zu gehen: «Dieser Aufruf gilt sinngemäss auch für sportliche Aktivitäten.»

Dennoch hat der Kanton laut Tschudin keine rechtlichen Möglichkeiten, um gegen solche Tricksereien vorzugehen. Die Gesundheitsdirektion nimmt stattdessen den Tennisclub in die Pflicht: «Der Kanton hat einzig die Möglichkeit, an die Vernunft der Verantwortlichen zu appellieren, dass sie ihrer Mitverantwortung zur Bekämpfung der Pandemie bewusst sein müssen.»

Club kann Kritik nicht nachvollziehen

Davon will die Präsidentin des Tennisclubs, Marianne Bernet, nichts wissen. Sie kann die Kritik nicht nachvollziehen, sondern stört sich vielmehr am Tennisverbot in Basel-Stadt. «Wir versuchen unseren 300 Junioren das Tennistraining zu ermöglichen. Dafür nach Basel-Land auszuweichen, ist nicht verboten.»

Der Mindestabstand könne dabei stets eingehalten werden, betont sie: «Auf 1600 Quadratmeter kommen bei uns maximal 10 Personen.» Bernet hat sich deswegen sogar per Mail an Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger gewandt: «Damit er den Entscheid überdenkt, die Tennishallen zu schliessen.»

Basel-Land rechnet mit Sporttouristen

Der Kanton Basel-Land macht sich derweil auf Sporttouristen aus dem Nachbarkanton gefasst: Man schliesse nicht aus, dass einzelne Sportvereine «nach Trainingsmöglichkeiten im Kanton Basel-Landschaft Ausschau halten», so Thomas Beugger, Leiter des Sportamts Baselland und Mitglied im Kantonalen Krisenstab.

Doch er winkt ab: «Da in der Regel die Auslastung der Anlagen im Kanton Basel-Landschaft sehr hoch ist, dürften nur wenige Vereine temporär andere Trainingslokalitäten finden.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
143 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Jacky S.

21.11.2020, 21:05

Wir werden noch lange mit diesem Virus zu kämpfen haben. Genau wegen den Schlaumeiern in unserer Gesellschaft.

Nick

21.11.2020, 20:56

Mal abgesehen davon, dass Tennis kein Kontaktsport ist. Warum sollten sie das nicht machen? An beiden Orten stehen Plätze fürs Training zur Verfügung. An einem Ort verboten am anderen nicht, logisch kannst du dort wo es erlaubt ist auch weiter trainieren.

Peter

21.11.2020, 20:50

Ja und? Ist ja die logische Folge wenn alle paar Kilometer eine neue Regel herrscht. Tennis ist sowieso unproblematisch, daher nicht mal moralisch verwerflich.