Werbe-Fail bei Barilla?: Roger isst italienisch – zu griechischer Folklore
Aktualisiert

Werbe-Fail bei Barilla?Roger isst italienisch – zu griechischer Folklore

Der aktuelle Werbespot des Pasta-Herstellers Barilla ist im Netz der Hit. Doch viele Zuschauer reagieren irritiert. Grund ist die musikalische Untermalung.

von
Dominic Benz
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Im aktuellen Werbespot des italienischen Pasta-Herstellers Barilla spielt Roger Federer die Hauptrolle.

Im aktuellen Werbespot des italienischen Pasta-Herstellers Barilla spielt Roger Federer die Hauptrolle.

Der italienische Sternekoch Davide Oldani zeigt dem Tennisstar, wie man in Italien richtig Spaghetti kocht.

Der italienische Sternekoch Davide Oldani zeigt dem Tennisstar, wie man in Italien richtig Spaghetti kocht.

Eigentlich ist alles im Spot so richtig schön italienisch – ausser der Musik.

Eigentlich ist alles im Spot so richtig schön italienisch – ausser der Musik.

Der neuste Werbespot des italienischen Pasta-Herstellers Barilla läuft derzeit im TV in der Dauerschlaufe mit Roger Federer in der Hauptrolle. «Ciao, Roger», begrüsst ihn der Sternekoch Davide Oldani in der Küche. Der Italiener zeigt Federer, wie man in seinem Land richtig Spaghetti kocht.

Alles typisch italienisch – könnte man meinen. Wenn da nicht diese Musik wäre. Denn die beiden Protagonisten schnetzeln und werkeln eifrig zu typisch griechischer Musik. Unterlegt ist der Spot mit dem weltberühmten Sirtakistück «Zorba's Dance» aus dem Film-Klassiker «Zorba the Greek».

Nutzer schütteln den Kopf

Die Musikwahl von Barilla verwirrt die Internet-Gemeinde. Auf Youtube ist der Spot mit 32 Millionen Klicks ein Hit. Dennoch schütteln Hunderte Nutzer den Kopf. «Griechische Musik für ein italienisches Produkt zu spielen ist nicht besonders klug», kommentiert einer den Clip. «Und bald kommt Werbung für ein griechisches Joghurt mit der Musik aus ‹Der Pate›?», fragt ein anderer zynisch.

Auch bei Barilla selber melden sich wegen der Musik viele Kunden, wie der Konzern auf Anfrage bestätigt. Ist der Sirtaki also ein klassischer Fehlgriff? «Es war eine instinktive Entscheidung, die eher aus dem Herzen kam als aus dem Kopf», sagt eine Sprecherin. Die Musik repräsentiere die sonnige und fröhliche Atmosphäre am Mittelmeer perfekt. Man wolle die eigene Marke mit dem Geist Italiens und der mediterranen Lebensart in Verbindung setzten. Der Spot mache das, «ohne allzu viele italienische Stereotype zu bedienen», so die Sprecherin.

«Das Lied hat jetzt seine Unschuld verloren»

Für Roland Grieder, Werbeexperte an der Hochschule Luzern, müssen vor allem Bild und Ton eine Einheit bilden. Das sei beim Barilla-Clip der Fall. «Die immer schneller werdende Musik ist das bindende Element: Schnelligkeit und Präzision als Merkmal für das erfolgreiche Tennisspiel, aber auch für eine erfolgreiche Küche unter der Führung zweier Meister ihres Fachs», sagt Grieder. Dass dafür griechische Musik eingesetzt wurde, ist für ihn kein Problem. Aber: «Das Lied hat jetzt seine Unschuld verloren: Es wird von den jüngeren Zuschauern nicht mehr mit dem Film konnotiert, sondern mit Barilla.»

Erfahrungen mit Musik und Federer haben die Zürcher Geschwister Baldenweg von Great Garbo. Als Komponisten für Werbung und Film haben sie bereits die Musik für einen Sunrise-Spot mit dem Tennisstar beigesteuert. Auch sie stört die griechische Folklore im Barilla-Clip nicht. «Der Rhythmus unterstreicht das Storytelling optimal – von den kleinen Anfängen bis zum fertigen Gericht», sagen die Geschwister. «Zorba's Dance» sei schliesslich ein weltbekanntes Lied, und sowohl Federer als auch Barilla seien gleichwohl weltbekannt. «Man kann konzeptuell die griechische Musik für eine italienische Pasta in Frage stellen, aber letztlich macht der Spot Spass und wird mit Erfolg geteilt», so die Baldenwegs.

Alles andere wäre für Barilla auch ein Schlag ins Gesicht gewesen. Denn für den Konzern ist die neue Werbekampagne «Masters of Pasta» mit Federer ein dicker Fisch. Im letzten Jahr unterschrieb der 36-Jährige einen Vertrag über fünf Jahre. Dafür zahlen die Italiener Federer geschätzte 40 Millionen Franken.

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