Einschätzung: Rohner holt Kapital statt neue Köpfe
Aktualisiert

EinschätzungRohner holt Kapital statt neue Köpfe

Was die CS-Spitze als Befreiungsschlag sieht, löst in Tat und Wahrheit die fundamentalen Probleme der Bank nicht. Weder ein neuer CEO noch eine richtige Strategie sind in Sicht.

von
Lukas Hässig
Credit-Suisse-CEO Brady Dougan (links) und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Credit-Suisse-CEO Brady Dougan (links) und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Urs Rohner lässt die Fanfaren hell schmettern. Er sieht für seine Credit Suisse eine «unangefochtene Kapitalstärke» als wichtiges Gut. Entsprechend beabsichtigt der Verwaltungsratspräsident das Eigenkapital der Bank zu verdoppeln. 15 Milliarden Franken will Rohner beschaffen.

Applaus gabs für die Ankündigung des obersten Chefs von den Investoren. Sie stürzten sich auf die billige CS-Aktie. Das ändert aber nichts daran, dass die CS-Führung weiter keine Lösungen für die Zukunft parat hat.

Kniefall vor der SNB

Was Rohner und sein Konzernchef Brady Dougan am Mittwochmorgen verkünden, ist exakt das Gegenteil dessen, was die zwei obersten Chefs noch vor einem Monat lauthals behauptet hatten; dass die CS nämlich kein frisches Kapital benötige.

Die Spitzkehre ist gefährlich. «Wer heute das Gegenteil von dem macht, was er gestern behauptet hat, dem glaubt man morgen nicht mehr», schreibt der Chefredaktor der Wirtschaftsseite cash.ch.

Klar ist: Die Massnahme der Grossbank ist richtig. Die CS braucht mehr Kapital, so wie viele andere globale Banken auch. Ebenso klar ist: Die CS musste aber von der Nationalbank quasi dazu gezwungen werden.

CS verliert Marktanteile

Das Kapitel damit einfach zu schliessen, wäre zu einfach. Mit der Kapitalstärkung allein ist es nämlich nicht getan. Die CS hat neben dem Kapitalproblem auch ein Businessproblem. Die Bank verliert Marktanteile und weiss nicht, wohin sie will.

Den Ton geben nach wie vor die Investmentbanker aus den USA und aus England an. Ihr persönliches Ziel bleibt ein grosses Handels- und Beratungsgeschäft. Nur so können sie weiter einen stolzen Bonus kassieren.

Die Schere geht auf, als ob keine Krise an den Weltmärkten herrschen würde. Während der Gewinn vor Steuern in der Investmentbank im zweiten Quartal im Vergleich zum Jahr um 62 Prozent einbrach, nahm der Personalaufwand in der von den Angelsachsen dominierten Sparte lediglich um 30 Prozent ab.

Amis profitieren - Schweizer bluten

Anders sind die Zahlen in der Schweizer Kerndisziplin Vermögensverwaltung. Hier stieg der Vorsteuergewinn um 28 Prozent, die Löhne und Boni sanken hingegen um 7 Prozent. Mit anderen Worten: Die Amerikaner und Engländer profitieren, die Schweizer bluten. In Zukunft wohl noch mehr.

Weil die CS mit einem Quartalsgewinn von 800 Millionen immer noch viel zu wenig verdient, will die operative Führung unter dem Amerikaner Brady Dougan weiter sparen. Das neue, jährliche Kosteneinsparungsziel steigt von zwei Milliarden auf drei Milliarden. Ein stolzer Teil der Kürzungen soll aus dem Schweizer Geschäft stammen.

Die Zeche bezahlt die Belegschaft. Die Leute an der Basis müssen mit Stellenverschiebungen, Jobverlust und Outsourcing ins billige Ausland rechnen. Gleichzeitig zeichnet sich die CS dadurch aus, ihre ausgemusterten Topleute weiter auf der Lohnliste zu behalten.

Kultur auf Abwegen

Das Problem ist die Führungscrew und ihre Kultur. Konzernchef Dougan und sein Finanzchef David Mathers markierten an der Telefonkonferenz am Mittwochmorgen Stärke. Sie bombardierten die Zuhörer mit Zahlen, sprachen schnell, laut und markig. Die CS sei gut aufgestellt für die Zukunft, lautete Dougans Botschaft. «Die Bank hat bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell auch für schwierige Zeiten taugt», meinte der CS-Chef selbstsicher.

Doch hinter der betont soliden Fassade brennt es. Die Schweizer Belegschaft beschuldigt ihre angelsächsische Führung, den schmerzvollen Abbau einseitig auf das hiesige Personal abzuschieben, ohne sich selbst genügend daran zu beteiligen. Viele CS-Banker sehen keine Zukunft. Sie fragen sich, welchen Weg ihre Spitze gehen will.

Die Antworten bleiben auch heute aus. CS-Präsident Rohner und CEO Dougan verlieren kein Wort über den bisherigen Misserfolg ihrer One-Bank-Strategie, welche die Investmentbank und die Vermögensverwaltung vereinigen will.

Chefs halten sich gegenseitig an der Macht

Statt das Steuer herumzureissen und einen neuen Konzernchef mit der Umsetzung einer angepassten Strategie zu beauftragen, klammert sich Präsident Rohner an seinen CEO Dougan. Die beiden bilden heute eine Art «Duo infernale», das sich gegenseitig an der Macht hält.

Ein fähiges Banken-Schwergewicht von aussen ist offenbar nicht bereit, unter dem bisher wenig überzeugenden Präsidenten Rohner die zweite Geige zu spielen. Ebenso wenig will Präsident Rohner das Risiko eingehen, einem starken CEO freie Bahn zu lassen. Ein solcher könnte zur Gefahr für die eigene Position innerhalb der Bank werden.

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