UBS-Rekordverlust: Rohner: «Wir haben grosse Fortschritte erzielt»
Aktualisiert

UBS-RekordverlustRohner: «Wir haben grosse Fortschritte erzielt»

20 Milliarden Franken Jahresverlust, massiver Abfluss von Kundengeldern - die UBS hat ein Annus horribilis hinter sich. Trotzdem verteidigt Konzernchef Marcel Rohner das Bonussystem. Die Verantwortlichen stellten sich in Zürich den Medien.

Marcel Rohner, Konzernchef der UBS, dankt zu Beginn der Medienkonferenz nochmals der Eidgenossenschaft und der Nationalbank für die Staatshilfe über maximal 68 Milliarden Franken. Er bezeichnet das vergangene Geschäftsjahr als das «schlimmste der Geschichte». Es sei dies Ausdruck der weltweiten Finanzkrise, die sich derzeit auf ihrem Höhepunkt befindet.

Allein im vierten Quartal musste die UBS einen Netto-Geldabfluss von 86 Milliarden Franken hinnehmen, alle Regionen und Geschäftsbereiche waren von der Negativentwicklung betroffen.

Trotz des Jahresverlustes von 20 Milliarden Franken sieht der UBS-Chef positive Signale seitens der Kunden: So sei im letzten Quartal 2008 der Trend der Kundengeldzuflüsse bei der UBS wieder positiv, im Januar 2009 seien sogar die Nettozuflüsse wieder positiv gewesen.

Viel Geld verlor die grösste Schweizer Bank im Bereich Investment Banking. Der Chef dieser Geschäftseinheit, Jerker Johansson, erläutert: «Wir wurden früh von der Krise getroffen - und reagierten früh.»

Rohner verteidigt Boni

Es sei nicht legitim, die Komplexität der Entlöhnung für fast 78 000 UBS-Angestellte mit einem einzigen Wort und einer Zahl zu erfassen, meint Rohner zur Bonusfrage. Ein variables Kompensationsmodell sehe vor, dass die Fixlöhne tief seien - und einfach entsprechend mehr variable Anteile geboten würden. Damit könne man in der Finanzindustrie die Schwankungen ausgleichen.

Zum Schluss der Medienkonferenz dankt CEO Marcel Rohner allen UBS-Mitarbeitern für ihr Engagement und Bekenntnis zur Bank. «Wir haben grosse Fortschritte gemacht», die schlimmsten Probleme seien behoben. Rohner warnt aber, dass auf die reale Wirtschaft die schlimmsten Zeiten erst noch zukämen.

Im Vorfeld der Pressekonferenz

Der mit Spannung erwartete Verlustausweis der staatlich gestützten Grossbank fiel am Dienstagmorgen etwas höher aus, als die Finanzanalysten im Schnitt vorausgesagt hatten. Im vierten Quartal kam ein Reinverlust von 8,1 Milliarden Franken hinzu. Für das ganze Jahr resultierte ein Reinverlust von 19,697 Milliarden Franken, verglichen mit 2,547 Milliarden im Vorjahr.

Im vierten Quartal, in das die Bekanntgabe der Staatshilfe von maximal 68 Milliarden Franken fiel, war die UBS nochmals mit einem massiven Abzug von Kundengeldern konfrontiert. Der Netto-Neugeldabfluss belief sich auf 85,8 Milliarden Franken und war damit noch etwas höher als im Vorquartal (83,6 Milliarden). Beim Vermögensverwaltungsgeschäft mit Privaten und Geschäftskunden machte der Abfluss 58,2 Milliarden Franken aus, beim Geschäft mit institutionellen Anlegern 27,6 Milliarden Franken.

UBS zahlt 2,2 Milliarden Franken variable Löhne

Zu den in den vergangenen Wochen heftig diskutierten Bonuszahlungen gab die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma die von ihr genehmigten Gesamtbeträge bekannt. Demnach zahlt die UBS für das vergangene Jahr variable Löhne in der Höhe von 2,2 Milliarden Franken. Hinzu kommen 1,6 Milliarden Franken an aufgeschobenen Lohnzahlungen, die ab 2010 zur Auszahlung kommen, wenn bestimmte Bedingungen wie Verzicht auf weitere Staatshilfe und Rückkehr in die Gewinnzone erfüllt sind.

Von den 2,2 Milliarden Franken an variablen Vergütungen werden nur 1,8 Milliarden Franken in der Jahresrechnung 2008 wirksam, weil Bewertungskorrekturen bei laufenden Aktien- und Optionsprogrammen die Erfolgsrechnung um 0,4 Milliarden Franken entlasten. Die frei zuteilbaren Barvergütungen betragen 1,2 Milliarden Franken. Sie sollen mehrheitlich an Beschäftigte der unteren und mittleren Hierarchieebene verteilt werden. Zu Zahlungen von 1,0 Milliarden Franken ist die UBS laut FINMA wegen früher eingegangener Zusicherungen rechtlich verpflichtet.

Rettungspaket wird nicht voll ausgeschöpft

Die Nationalbank gab gleichentags bekannt, dass der beim staatlichen Rettungspaket im letzten Oktober vereinbarte Maximalbetrag von 60 Milliarden Dollar für die Auslagerung von toxischen Aktiven der UBS nur zu knapp zwei Dritteln oder maximal 39,1 Milliarden Dollar ausgeschöpft wird. Nationalbank und UBS kamen überein, dass gewisse Finanzinstrumente - mit Studiendarlehen unterlegte Instrumente und Monoline-versicherte Wertschriften - bei der UBS bleiben sollen. Das maximale Risiko der Notenbank sinkt so auf 35 Milliarden Dollar.

Bank wird teilweise neu ausgerichtet

Die UBS gab ausserdem weitere Einzelheiten zur Neuausrichtung der Bank bekannt. Dabei sollen bei der Investmentbank bis Ende Jahr nochmals rund 2000 Stellen gestrichen werden. Durch die Schaffung zweier neuer Unternehmensbereiche unterstreicht die Bank die Konzentration auf die Schweizer Kerngeschäfte sowie auf die Stärken im weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft. Es handelt sich um den Bereich Wealth Management & Swiss Bank unter der Leitung von Franco Morra und Jürg Zeltner sowie um den Bereich Wealth Management Americas unter der Leitung von Marten Hoekstra.

Rohner will zurück in die Gewinnzone

Konzernchef Marcel Rohner bekräftigte an einer Telefonkonferenz das Ziel, 2009 in die Gewinnzone zurückzukehren. Der UBS sei «ein ermutigender Start ins neue Jahr» gelungen. Dies gelte sowohl für den Neugeldzufluss wie auch für das Handelsgeschäft und die Investmentbank.

600 bis 800 UBS-Stellen in der Schweiz betroffen

Vom Stellenabbau bei der UBS ist auch die Schweiz betroffen. Wie UBS-Chef Marcel Rohner am Dienstag am Rande der Bilanzmedienkonferenz vor deutschsprachigen Journalisten in Zürich sagte, fallen hier bis Ende Jahr 600 bis 800 Arbeitsplätze weg. Der Abbau beschränke sich nicht nur auf die Investmentbank. Vielmehr seien alle Geschäftsbereiche betroffen. Ende 2008 beschäftigte die UBS in der Schweiz rund 26.400 Angestellte.

(dapd)

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