«King of Oil»: Rohstoffhändler Marc Rich ist tot
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«King of Oil»Rohstoffhändler Marc Rich ist tot

Der berühmte Investor Marc Rich ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren an einem Hirnschlag. Der Milliardär legte den Grundstein für die Rohstoffhandelsfirma Glencore.

von
sas

Der legendäre Rohstoffhändler Marc Rich ist tot. Das vermeldet Blick.ch unter Verweis auf Radio 1. Er starb in einem Spital in der Region Luzern im Alter von 78 Jahren an einem Hirnschlag. Der Milliardär legte den Grundstein des späteren Rohstoffkonzerns Glencore und gilt als Förderer des heutigen Glencore-Xstrata-Chefs Ivan Glasenberg. Rich und seine Partner revolutionierten den internationalen Ölhandel. Ihnen gelang es, das Kartell der Ölkonzerne zu durchbrechen.

Den Tod des Rohstoffhändlers bestätigte auch die Jüdische Liberale Gemeinde Zürich. Rich soll am Donnerstag in Tel Aviv beerdigt werden.

Flucht in die USA

Rich wurde am 18. Dezember 1934 in Antwerpen geboren. Nach dem Einmarsch der Nazis in Belgien floh die jüdische Familie 1941 in die USA, wo sie sich zunächst in New York niederliess. 1954 begann Marc Rich eine Lehre beim Handelshaus Philipp Brothers, das von einer Gruppe deutsch-jüdischer Immigranten gegründet worden war.

Später stieg er zum Verantwortlichen für den Rohstoffhandel von Philipp Brothers auf. Von 1964 bis 1974 war er Leiter der Geschäfte in Madrid.

Machtkampf verloren

Legendär wurde Rich, als er sich zusammen mit seinem Arbeitskollegen Pincus Green selbstständig machte und 1974 in Zug die Rohstoffhandelsfirma Marc Rich Co. AG gründete. Das Unternehmen erlebte einen steilen Aufstieg und wuchs zu einem Rohstoffimperium an.

1992 musste Rich nach einem verlorenen Machtkampf sein Unternehmen verlassen. Seine Anteile verkaufte er ans Management und leitende Mitarbeiter. Die neuen Besitzer tauften die Firma in Glencore um. Glencore fusionierte im Mai mit dem Bergbaugiganten Xstrata.

Staatsfeind der USA

Marc Rich führte ein äusserst bewegtes Leben, verdiente mit heiklen Deals Milliarden und wurde dadurch zu Amerikas Staatsfeind. Er verstiess gegen das Iran-Ölembargo und soll Steuern hinterzogen haben. Fast 20 Jahre lang stand Richs Name auf der Liste der meistgesuchten Personen der Vereinigten Staaten – bis ihn US-Präsident Clinton an seinem letzten Amtstag 2001 begnadigte.

Kein Schweizer Pass

Wenn es um Geld ging, soll Rich keine Skrupel gekannt haben. Er machte neben denjenigen mit dem Iran auch Geschäfte mit dem Apartheid-Regime in Südafrika, mit Che Guevara, Fidel Castro und dem Regime von Augusto Pinochet in Chile.

Obwohl Rich viele Jahre im luzernischen Meggen und in St. Moritz wohnhaft war, besass er die spanische Staatsbürgerschaft. «Ich habe keinen Schweizer Pass, aber ich fühle mich sehr glücklich und absolut zu Hause in der Schweiz», sagte Rich einst zu Weltwoche-Autor Daniel Ammann. Der Journalist schrieb 2009 die Rich-Biografie mit dem Titel «King of Oil».

USA wollten Rich aus der Schweiz entführen

Wie Ammann in seinem Buch schreibt, war Rich zeitweilig eine der meistgesuchten Personen der USA. 1984 wollten US-Beamte den Rohstoffhändler in Geheimdienstmanier in Zug überwältigen und heimlich ausser Landes schaffen. Die Schweizer Polizei bekam aber Wind vom Vorhaben und drohte die amerikanischen Beamten zu verhaften. Die US-Behörden versuchten Rich auch während seiner Reisen im Ausland zu verhaften, verpassten ihn aber immer wieder.

Scheidungkrieg

Rich heiratete zweimal. Schlagzeilen machte vor allem die millionenschwere Scheidung von seiner ersten Frau Denise, von der er 1996 nach einem Rosenkrieg geschieden wurde. Rich, der bis zuletzt in der luzernischen Gemeinde Meggen als Einwohner gemeldet war, hinterlässt die beiden Töchter Ilona Schachter-Rich und Danielle Kilstock-Rich. Die dritte Tochter Gabrielle starb an Krebs. (sda)

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