Aktualisiert 14.06.2011 15:12

Derivate-Handel

Rohstoffmärkte sind «ein Witz»

Präsidiale Kritik an die Adresse der Rohstoffhändler. Sowohl Nicolas Sarkozy als auch José Manuel Barroso gingen mit den Spekulanten hart ins Gericht.

Nicolas Sarkozy und José Manuel Barroso.

Nicolas Sarkozy und José Manuel Barroso.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will eine Kontrolle der internationalen Rohstoffmärkte. Vor allem müsse die Spekulation mit Agrarprodukten an den Finanzmärkten reguliert werden, sagte er am Dienstag bei einer Konferenz über Rohstoffmärkte in Brüssel.

«Diese Märkte sind ein Witz», fügte Sarkozy an. Der französische Präsident, derzeit Vorsitzender der G20-Gruppe führender Wirtschaftsnationen, sieht in den zunehmenden Schwankungen von Rohstoffpreisen eine akute Gefahr für das neue Wirtschaftswachstum nach der globalen Finanzkrise.

Zunehmende Verflechtung

«Die Deregulierung der Finanzmärkte hat die Welt an den Abgrund geführt. Ein Markt ohne Regeln ist kein Markt mehr.» Er werde die G20-Staaten bitten, Berichte über die Lage auf ihren Agrarmärkten zu erstellen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso beklagte ebenfalls eine «zunehmende Verflechtung» zwischen klassischen Märkten von Agrarprodukten und Finanzmärkten: «Natur und Umfang dieser Verbindungen sind wegen Mangels an Transparenz schwer abzuschätzen.»

Eine bessere Regulierung sei zweifellos nötig, doch müsse dies so geschehen, dass die Händler nicht auf weniger regulierte Märkte abwanderten. Sarkozy sagte zudem, die weltweite Agrarproduktion müsse bis 2050 um 70 Prozent steigen, um die dann neun Milliarden Bewohner der Erde zu ernähren.

Unverständliche Preisschwankungen

Wie auch auf anderen Märkten seien gerade im Agrarbereich gewisse Preisschwankungen unverständlich. «Wenn Preisveränderungen auf dem Wetter oder anderen nachvollziehbaren Entwicklungen beruhen, dann kann man das akzeptieren - aber nicht, wenn sie Folge der Spekulation an den Finanzmärkten sind.»

An den Finanzmärkten werde im Handel mit sogenannten Derivaten ein Vielfaches des tatsächlichen Warenwertes umgesetzt. Niemand wisse, wer an den Märkten die Preise bestimme.

Erhebliche Gewinne ohne Investitionen

Es sei inakzeptabel, dass ein einziger Händler den gesamten verfügbaren Kakao aufkaufe, «ohne auch nur einen einzigen Cent dafür auszugeben», und anschliessend mit erheblichem Gewinn und immer noch ohne Investition eines einzigen Cent wieder verkaufe.

Europa habe die Pflicht, ein Modell für die Regulierung der Rohstoffmärkte zu entwickeln. Entsprechende Register von Handelstransaktionen könnten beispielsweise bei der UNO- Ernährungsorganisation FAO geführt werden.

(sda)

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