Aktualisiert 18.03.2020 09:46

TerminproblemeFederer-Turnier bietet French Open die Stirn

Die Franzosen verlegen ihr Grand Slam in den September. Konflikte sind programmiert, dem Laver-Cup droht das Aus.

von
Simon Graf
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Der Centre Court Wimbledons wird dieses Jahr wohl keine Zuschauer empfangen dürfen.

Der Centre Court Wimbledons wird dieses Jahr wohl keine Zuschauer empfangen dürfen.

Getty Images/Simon Bruty
Bereits das French Open musste verschoben werden: Das Grand-Slam-Turnier wird voraussichtlich im Herbst stattfinden.

Bereits das French Open musste verschoben werden: Das Grand-Slam-Turnier wird voraussichtlich im Herbst stattfinden.

Getty Images
Sollte sich die Coronavirus-Lage bis da verbessert haben, wird vom 20. September bis 4. Oktober um den Titel gespielt.

Sollte sich die Coronavirus-Lage bis da verbessert haben, wird vom 20. September bis 4. Oktober um den Titel gespielt.

Die Chancen, dass das nächste Grand-Slam-Turnier plangemäss stattfinden würde, schienen wegen des Coronavirus gering. Denn bereits am 24. Mai hätte an der Porte d'Auteuil zu Roland Garros aufgeschlagen werden sollen. Nun haben die Organisatoren reagiert: Sie schoben ihr Turnier vier Monate nach hinten. Neu soll es vom 20. September bis zum 4. Oktober stattfinden. Es dürfte dann nicht mehr so sonnig sein, aber neu hat man am French Open ja erstmals ein schliessbares Dach über dem Court Philippe Chatrier.

Nicht alle haben Freude am neuen Termin. So würde sich das French Open mit mehreren Turnieren überschneiden – auch mit dem Laver Cup, der vom 25. bis 27. September in Boston stattfinden soll. Dies ist also ein Frontalangriff auf das Event, an dem Roger Federer und seine Managementagentur «Team8» beteiligt ist. Am Tag nach der Bekanntgabe des French Open meldeten sich die Verantwortlichen des Laver Cups zu Wort. Man sei überrascht, heisst es in einem Statement, es seien nun viele Fragen offen. Das Turnier soll aber so wie geplant durchgeführt werden, es ist bereits ausverkauft.

Es kündigt sich ein äusserst gedrängter Tennisherbst an. Gemäss Plan würde das US Open am 13. September zu Ende gehen – eine Woche danach würde das French Open beginnen. Noch auf den ursprünglichen Termin vom 29. Juni bis zum 12. Juli ist Wimbledon angesetzt. In New York sind sie sich noch nicht sicher, ob sie das US Open doch auch verschieben wollen. Das Ringen um Termine hat begonnen.

Die Spieler wurden von der Ankündigung von Roland Garros überrascht. So twitterte Vasek Pospisil, Mitglied des Spielerrats: «Das ist der Wahnsinn. Keine Kommunikation mit den Spielern oder der ATP. Wie haben nichts zu sagen in diesem Sport.» Später löschte er seine Botschaft und verfasste eine etwas differenziertere, in der er daran appellierte, in diesen schwierigen Zeiten doch zusammenzuarbeiten.

René Stammbach, der Vizepräsident des Weltverbands ITF, hatte vom französischen Verbandspräsidenten Bernard Giudicelli kürzlich erfahren, dass eine Verschiebung des French Open diskutiert wurde. Über die Details war er aber nicht informiert. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie man alle Turniere in den Herbst reinbringt», sagt der Aargauer. «Paris erdrückt andere Veranstaltungen. Sicher ist der Laver-Cup an seinem ursprünglichen Datum höchst gefährdet.»

Das Recht des Stärkeren

Er gehe davon aus, dass die Pariser Veranstalter zumindest mit der ATP und der WTA Kontakt gehabt hätten, sagt Stammbach. Sonst könnte es problematisch werden. Gemäss englischen Quellen sollen sich Männer- und Frauentour heute in einem gemeinsamen Statement äussern. Schliesslich werden ihre Turniere torpediert: bei der ATP Sankt Petersburg, Metz, Chengdu, Zhuhai, Sofia, Peking und Tokio, bei der WTA Tokio, Guangzhou, Seoul, Wuhan und Peking.

Der Alleingang von Roland Garros passt zur Entwicklung des Welttennis in den letzten Monaten, ja Jahren. Jeder versucht, sein Event so gut wie möglich zu positionieren, ohne Rücksicht auf die anderen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Und niemand ist so stark wie die vier Grand Slams.

Stammbach sieht Probleme für Wimbledon, das ja nicht im Winter stattfinden könne. Da gibt man sich noch ruhig. In einem Statement verlieh CEO Richard Lewis der Hoffnung Ausdruck, das Turnier möge plangemäss gespielt werden. Momentan sei er stundenlang am Telefon, sagt Stammbach. «Wir müssen unzählige Szenarien wälzen.» Offen ist etwa, was mit dem Fed-Cup-Final passiert, der Mitte April in Budapest hätte stattfinden sollen. Denkbar ist, dass er um ein Jahr geschoben wird.

Auch Swiss Tennis leidet

Schwierig ist es auch für Swiss Tennis, das Stammbach ja präsidiert. Gespielt werden kann derzeit nicht, auch in Biel im Leistungszentrum steht der Betrieb still. Die Interclub-Saison steht in den Sternen, rund 2000 wollen deshalb ihre Lizenz nicht lösen. «Wir rechnen mit einem Verlust von mindestens zwei Millionen Franken», sagt Stammbach, der als Schatzmeister des ITF mit Zahlen umzugehen weiss.

Diese drohen derzeit überall tiefrot zu werden. Ausser, möglicherweise, bei den Grand Slams.

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