Erb-Pleite: Rolf Erb des Betrugs angeklagt

Aktualisiert

Erb-PleiteRolf Erb des Betrugs angeklagt

Beim Zusammenbruch der Winterthurer Erb-Gruppe im Jahr 2003 soll der Sohn des Firmengründers Vermögenswerte beiseite geschafft haben.

Im Zusammenhang mit dem Konkurs der Erb-Gruppe hat die Zürcher Staatsanwaltschaft Anklage erhoben gegen Rolf Erb, Sohn des verstorbenen Firmengründers Hugo Erb. Vorgeworfen werden ihm gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung.

Für die Jahre 1998 bis 2002 soll Rolf Erb Banken und anderen Kreditgebern «inhaltlich falsche Einzel- und Gruppenabschlüsse sowie unwahre Revisionsberichte» abgegeben haben, wie die Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte am Donnerstag mitteilte. Damit wollte er - immer laut Anklage - die finanzielle Lage und damit Kreditwürdigkeit der Gruppe beschönigen.

Vermögen übertragen

Zudem soll Rolf Erb 2002 und 2003 «namhafte Vermögenswerte» aus dem Gesellschafts- und seinem privaten Vermögen seinen damals sehr kleinen Kindern und seiner Lebenspartnerin übertragen haben. Damit habe er sie dem Zugriff der Gläubiger entzogen und diese damit geschädigt. Um welche Summen es geht, war von der zuständigen Staatsanwältin Susanne Leu nicht zu erfahren.

Mit dem Fall wird sich das Bezirksgericht Winterthur befassen. Wann dies sein wird, konnte Leu auf Anfrage nicht sagen. Die Strafanträge wird sie erst an der Hauptverhandlung stellen.

Rolf Erb hatte im Sommer 2006 eingeräumt, er trage durchaus eine Mitschuld am Zusammenbruch des Erb-Imperiums, habe er doch bei den Töchtern Volcafé, Uniwood und im Autoimportgeschäft operativ eine leitende Funktion ausgeübt. Dass er sich strafbar gemacht habe, bestreitet er aber laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Verfahren gegen Christian Erb eingestellt

Eingestellt wird das Verfahren gegen den Bruder von Rolf Erb, Christian Erb. Ihm habe eine Mitwirkung bei den Bilanzmanipulationen nicht nachgewiesen werden können, heisst es in der Mitteilung. Trotz der Einstellung habe er aber die Verfahrenskosten zu tragen, sagte Leu.

Ein Ende 2003 im Auftrag von Erb-Sanierer Hans Ziegler erstelltes Fachgutachten war zum Schluss gekommen, die Überschuldung der Gruppe wäre bereits Mitte der 1990er-Jahre eingetreten, wären die Banken nicht jahrelang getäuscht worden.

1920 gegründetes Imperium

Die 1920 gegründete Erb-Gruppe umfasste 82 Firmen in vier Holdingsgesellschaften. Sie beschäftigte 4900 Angestellte, 2500 davon in der Schweiz. Anfang Dezember 2003 brach die Gruppe zusammen. Firmengründer Hugo er war kurz zuvor, Mitte 2003 verstorben.

Wichtige Unternehmensteile konnten herausgelöst und gerettet werden. So etwa der Fenster- und Türenhersteller EgoKiefer und der Küchengfabrikant Bruno Piatti. Der grösste Brocken, das Autogeschäft, ging noch Ende 2003 an die belgische Firma Alcopa.

(sda)

Deine Meinung