Acht Jahre Gefängnis: «Rolf Erb hat wohl mit dieser Strafe gerechnet»

Aktualisiert

Acht Jahre Gefängnis«Rolf Erb hat wohl mit dieser Strafe gerechnet»

Keiner kennt den Fall Erb so gut wie Thomas Buomberger. Der Historiker über das Strafmass, Erbs Strategie und warum ihn sein ehemaliger Schulkamerad keines Blickes würdigte.

von
Sandro Spaeth
Thomas Buomberger (rechts) ist einer der besten Kenner der Erb-Affäre. Er ist Autor des Buches «Die Erb-Pleite», das 2005 erschien. Buomberger ist promovierter Historiker und Journalist.

Thomas Buomberger (rechts) ist einer der besten Kenner der Erb-Affäre. Er ist Autor des Buches «Die Erb-Pleite», das 2005 erschien. Buomberger ist promovierter Historiker und Journalist.

Rolf Erb hat eine Freiheitsstrafe von acht Jahren erhalten. Ist dieses Urteil gerecht?

Thomas Buomberger: Ja, ich finde das Urteil gerecht. Der Gerichtspräsident meinte, es wären auch zehn Jahre nachvollziehbar gewesen. Dieses Strafmass steht für vorsätzliche Tötung. Erbs Vergehen ist klar weniger schwer. Die Deliktsumme wurde im Gericht aber auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert. Das rechtfertigt acht Jahre Haft.

Noch wohnt Erb im Schloss Eugensberg im Kanton Thurgau. Können Sie sich den ehemaligen Milliardär hinter Gittern vorstellen?

Für den ehemaligen Milliardär und Schlossherrn wäre der Gang in eine Gefängniszelle ein Abstieg, der grösser nicht sein könnte. Die Verteidigung hat zwar bereits Berufung angekündigt. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren vor Bundesgericht endet. Letztlich wird sich der Pleitier einer Gefängnisstrafe aber nicht entziehen können.

Sie waren bei der Urteilsverkündung dabei. Wie hat Rolf Erb gewirkt?

Rolf Erb wirkte schon beim Betreten des Gerichtssaals gefasst. Während der Urteilsverkündung habe ich ihn von meinem Platz aus aber nur von hinten gesehen. Er wirkte aber so, als hätte er mit einer derartigen Strafe gerechnet. Erb trug das Verdikt mit Fassung.

Erbs Anwälte versuchten die Urteilsverkündung am Vormittag noch zu stören. Weshalb?

Es war die typische Verzögerungstaktik der Verteidigung. Es ging ums Einziehen von Vermögenswerten, die Erb vor dem Zusammenbruch des Imperiums seiner Partnerin und den Kindern übertragen hatte. Sie sind Gegenstand in einem zivilrechtlichen Verfahren vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen. Es geht darum, ob sie in die Konkursmasse fallen. Letztlich wollte die Vereidigung mit dem Scharmützel wohl nur die Urteilsverkündung platzen lassen.

Hat Erb einen fairen Prozess erhalten? Er hatte ja im Vorfeld das Gegenteil behauptet.

Das war schon von Anfang an eine Schutzbehauptung. Der Prozess war fair. Erb hätte während des Prozesses genügend Zeit gehabt, um sich zu äussern. Er hat es aber vorgezogen, zu schweigen. Sich stumm zu stellen war Teil seiner Taktik. Er hatte gehofft, eine Verjährung zu erreichen. Das hat sich durch den Schuldspruch erledigt.

Erbs Verteidiger monierten, der Angeklagte hätte im Unternehmen keine Schlüsselfunktion gehabt und sei fürs Debakel nicht verantwortlich…

Das wurde durch das Gericht klar widerlegt. Er selbst hat die Anweisungen zur Manipulation der Bilanzen gegeben. Zudem hatte Erb die führende Rolle im Konglomerat und die Entscheidungsgewalt. Es wurde vom Gerichtspräsidenten stark kritisiert, dass Erb die Schuld stets auf seinen verstorbenen Vater und auf den ebenfalls verstorbenen Revisor Albert Manser schob.

Sie kennen Rolf Erb aus Ihrer Schulzeit persönlich. Wie hat er Sie während des Prozesses beachtet?

Rolf Erb hat mich gar nicht beachtet. Er ignorierte mich, so wie immer. Ich versuchte schon während der Recherchen für mein Buch, ihn mehrmals zu kontaktieren, damit er seine Sicht der Dinge darlegen könnte. Er verweigerte sich aber immer und wollte mich nicht kennen, obwohl wir einst zusammen die Schulbank gedrückt haben. Vermutlich glaubte er, ich würde nur Falsches über ihn schreiben und bestrafte mich mit Nichtbeachtung.

Werden Sie Ihrem Buch nun noch ein weiteres Kapitel hinzufügen?

Man könnte sogar einige Kapitel schreiben, obwohl ich das eher nicht machen werde – ausser vielleicht, der Verlag würde mich darum ersuchen.

Die Strafe:

Rolf Erb ist am Donnerstag zu acht Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Winterthurer Bezirksgericht sprach dem Ex-Chef der Erb-Gruppe des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung und der mehrfachen Gläubigerschädigung schuldig. Es folgte damit in weiten Teilen der Forderungen der Staatsanwaltschaft, die für den 60-Jährigen zehn Jahren gefordert hatte.

Die Erb-Pleite:

Der Untergang des Erb-Imperiums ist nach dem Swissair-Konkurs die die zweitgrössten Firmenpleite der Schweiz. Autos hatten die Erbs reich gemacht, Aus einer Tankstelle und einem Garagenbetrieb in Winterthur wurde ein Milliarden-Imperium. Die Erb-Gruppe amtete als Alleinimporteur für Suzuki, Mitsubishi und Hyundai, war im Immobilien-Geschäft tätig und hatte ein Standbein im Kaffeehandel. 4,5 Milliarden Umsatz machte das undurchschaubare Unternehmenskonglomerat jährlich. Dem Aufstieg folgte ein tiefer Fall: Im Dezember 2003 brach die Gruppe zusammen. Die Banken kündigten die Kredite, nachdem sie Wind von massiven Mittelabflüssen in Offshore-Gesellschaften erhalten hatten. 2003 war die Erb-Gruppe, rund 5000 Angestellte

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