Politiker fordern: Rollerfahrer sollen fürs Parkieren blechen
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Politiker fordernRollerfahrer sollen fürs Parkieren blechen

Ab Herbst können Roller- und Motorradfahrer in Basel nicht mehr gratis parkieren. Auch in anderen Städten wird über das Thema diskutiert. Gegner der Parkgebühren reden von Abzocke.

von
Arno Meili
In Basel bald nicht mehr gratis: Parkierte Roller und Motorräder am Hauptbahnhof Zürich.

In Basel bald nicht mehr gratis: Parkierte Roller und Motorräder am Hauptbahnhof Zürich.

Bisher konnten Töfffahrer in allen Deutschschweizer Städten gebührenfrei parken – doch damit ist jetzt Schluss. Ab Herbst bezahlen sie in der Stadt Basel 50 Rappen pro Stunde fürs Parkieren.

Bei der IG Motorrad ist man tief verärgert: «Anstatt die verkehrsentlastende Wirkung von motorisierten Zweirädern zu fördern, versucht die Politik die Fahrt mit dem Bike ins Zentrum unattraktiv zu machen.» Zudem prangert die IG die Tatsache an, dass E-Bikes und Mofas weiterhin gebührenfrei parkieren dürfen, während Töfffahrer mit dem Griff an den Geldbeutel bestraft werden.

Gregor Rutz, Präsident der IG Freiheit, ist ebenfalls empört. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den Parkgebühren um einen weiteren Versuch der öffentlichen Hand, den Bürgern Geld abzunehmen: «Diese Idee ist ziemlich unnötig und absurd. Bussen sollten zur Verkehrssicherheit dienen, nicht zum Geldmachen.» Kritik kommt auch vom TCS. Einzelne Sektionen haben sich bereits klar gegen die Parkgebühren ausgesprochen.

VCS unterstützt das Projekt

Unterstützung erhält die Stadt Basel vom VCS. Laut dessen Sprecher Gerhard Tubandt müssen die Parkgebühren dabei aber auf das Stadtzentrum beschränkt bleiben. Denn im innerstädtischen Verkehr sorgen auch Roller und Motorräder für Lärm und vor allem für Smog. «In puncto Partikelfilter besteht bei den motorisierten Zweirädern Nachholbedarf. Sie produzieren mehr Luftschadstoffe als Autos. Darum sollten auch Roller und Motorräder Gebühren fürs Parkieren zahlen», so Tubandt. Für Elektroroller bleibt das Parken in der Stadt Basel deshalb auch in Zukunft gratis.

Doch nicht nur in Basel wird über Parkgebühren diskutiert. In Genf sind bereits zwei öffentliche Parkhäuser für Rollerfahrer nicht mehr gratis. Wie die «Tribune de Genève» berichtet, überlegt man sich bei der Stadt Genf ausserdem, noch weitere Töffparkplätze gebührenpflichtig zu machen. In Luzern wollen SP und Grüne die Zweiradfahrer ebenfalls zur Kasse bitten. Laut NZZ soll der entsprechende Vorstoss aber erst Ende Jahr im Luzerner Stadtparlament behandelt werden.

Andere Städte noch abwartend

Im Gemeinderat der Stadt Bern steht indes ein anderes Rollerthema im Vordergrund. Stéphanie Penher, Fraktionspräsidentin des Grünen Bündnisses Bern, stört sich daran, dass Rollerfahrer, die auf klar gekennzeichneten Veloparkplätzen parkieren, nicht konsequent genug gebüsst werden. Erst wenn dieses Problem gelöst ist, will man sich anderen Themen widmen. «Es ist aber denkbar, dass wir das Thema noch intensiver diskutieren», so Penher.

Gar nicht über das Thema gesprochen wird im Gemeinderat der Stadt Zürich. Trotzdem kann sich Markus Knauss, Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat und Mitglied der Verkehrskommission, durchaus vorstellen, sich des Themas in näherer Zukunft anzunehmen. Auch bei der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich ist das Thema momentan nicht aktuell. Sprecher Heiko Ciceri zu 20 Minuten: «Wir werden mit hohem Interesse verfolgen, wie sich das System in anderen Städten entwickelt.»

Billigroller-Angebote oft unseriös und gefährlich

Internetanbieter, Discounter und Fachmärkte wie Jumbo und Landi bieten laut einer Mitteilung der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen immer wieder Billigroller an. Das Problem dabei: Beim Kauf werden die Kunden oft nicht ausreichend beraten. Roland Fuchs, Leiter der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen, ärgert sich: «Vielfach haben Verkäufer in Discountern und Fachmärkten nur eine pro Forma Ausbildung und sind nur angelehrt.» Auch die unzureichenden Service- und Reparaturmöglichkeiten werden angeprangert. So müssen kaputte Roller oft zu weit entfernten Servicestellen gebracht werden. Ausserdem raten die Billiganbieter teilweise zu Selbstreparaturen ohne Garantieverlust - aus Sicht der Verkehrssicherheit unhaltbar.

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