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GenfRollerprüfung verweigert – wegen Löchern in Jeans

Ein 16-jähriger Genfer wollte seine Rollerprüfung ablegen. Der Experte schickte ihn jedoch wieder nach Hause. Grund: Er trug zerrissene Hosen.

von
tab
Wegen diesen Jeans durfte ein 16-jähriger seine Rollerprüfung nicht machen.

Wegen diesen Jeans durfte ein 16-jähriger seine Rollerprüfung nicht machen.

dr.

Luc* wollte cool aussehen. Schliesslich machte er am Dienstag in Carouge GE seine praktische Rollerprüfung. Er hatte sich rausgeputzt, wie es in der Vorladung verlangt wurde: Gilet, geschlossene Schuhe und lange Hosen. Doch man schickte den 16-Jährigen nach Hause. Grund: Seine Jeans hatten an den Knien Löcher. Er verstosse damit gegen die Sicherheitsbestimmungen, sagte ihm der Experte. Luc muss nun erneut 90 Franken zahlen, um die Prüfung wiederholen zu dürfen. Ausserdem wird er wohl einen halben Tag in der Schule fehlen müssen.

Das sei absurd, sagt seine Mutter. «Wenn man weiss, wie viel es in Genf kostet, den Fahrausweis zu bekommen, und man einen Schüler dann noch zwingt, das Doppelte zu bezahlen, dann ist das ein Missbrauch.» Hier wolle sie jemand einfach abzocken.

«Es steht auch nichts von Ofenhandschuhen»

Didier Leibzig, Leiter des Strassenverkehrsamts, wehrt sich: «Hätte sich ihr Sohn während der Prüfung verletzt – und auf dem Asphalt kann das übel ins Auge gehen – wäre sie auch wütend auf uns gewesen, und zwar zu Recht.» Es stimme, in der Vorladung stehe nichts von Löchern in den Hosen. «Aber auch auf einer extrem spezifischen Liste findet man Lücken.» Es stehe schliesslich auch nirgends, dass man keine Ofenhandschuhe oder Velohelme tragen dürfe. «Hier geht es um den gesunden Menschenverstand», so Leibzig.

Jeder Fall werde vom Experten individuell beurteilt. «Bei einem kleinen Riss in den Jeans kann man ein Auge zudrücken, nicht aber, wenn der ganze Oberschenkel oder beide Knie zu sehen sind.» Im konkreten Fall habe es keine Zweifel gegeben.

Rechnung muss bezahlt werden

Leibzig will das Bewusstsein der Gesellschaft für die Gefahren im Strassenverkehr sensibilisieren. «Deswegen müssen wir mit einem guten Beispiel vorangehen.» Er wolle auch versuchen, mit Lucs Schule eine Lösung für den Prüfungstermin zu finden.

Doch die Rechnung sei nicht verhandelbar. Luc sei schuld, dass die Prüfung nicht habe durchgeführt werden können. «Wer mit kaputten Hosen auftaucht, könnte auch mit kaputten Pneus kommen, das ist dasselbe.»

«Theoretisch auch im Bikini Roller fahren»

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, bestätigt, dass im Aufgebot der Prüfung klar geregelt ist, wie sich die Person anzuziehen hat. «Dazu gehört auch abriebsichere Schutzkleidung.» Wer sich nicht daran halte, werde nicht an das Examen zugelassen.

Ist man hingegen privat mit seinem Roller unterwegs, darf man anziehen, was man will – solange man einen Helm trägt. Cortesi: «Theoretisch kann man auch im Bikini Töff fahren, aber zu empfehlen ist das natürlich nicht.»

*Name der Redaktion bekannt.

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