#NoFilter in Hamburg: Rolling Stones stellen im Stadtpark den Regen ab

Aktualisiert

#NoFilter in HamburgRolling Stones stellen im Stadtpark den Regen ab

Jagger, Wood, Richards und Watts sind zusammen 63 Jahre älter als Mozarts «Kleine Nachtmusik». Doch klein ist bei den Stones nichts – sie richteten mal eben leger ein gigantisches Rock-Fest aus.

Bettina Bendiner
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Bettina Bendiner
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Für Hamburg haben The Rolling Stones das Konzert des Jahrzehnts hingelegt. Auf einer riesengrossen Wiese (vor dem Planetarium) haben Mick Jagger, Charlie Watts, Ron Wood und Keith Richards eine gigantische Konzertarena hingestellt. Am Samstag, 9. September, starteten sie ihre #NoFilter-Europa-Tour mit einem Knall vor 82'000 Zuschauern.

Für Hamburg haben The Rolling Stones das Konzert des Jahrzehnts hingelegt. Auf einer riesengrossen Wiese (vor dem Planetarium) haben Mick Jagger, Charlie Watts, Ron Wood und Keith Richards eine gigantische Konzertarena hingestellt. Am Samstag, 9. September, starteten sie ihre #NoFilter-Europa-Tour mit einem Knall vor 82'000 Zuschauern.

AP/Markus Schreiber
Und so sieht das aus, wenn die Stones mal eben ein Rock-Fest unter freiem Himmel veranstalten. Diese roten Türme sind übrigens Riesenbildschirme, die sich das Quartett selbst ausgedacht hat. Damit alle was sehen. Irgendwie süss.

Und so sieht das aus, wenn die Stones mal eben ein Rock-Fest unter freiem Himmel veranstalten. Diese roten Türme sind übrigens Riesenbildschirme, die sich das Quartett selbst ausgedacht hat. Damit alle was sehen. Irgendwie süss.

/Dave J Hogan
Voilà. Mick Jagger hatte mehr Jacken als Rihanna und Beyoncé zusammen dabei. Wir merken: Bomberjäckchen (gerne mit Glitzer) sind der letzte Schrei. Bitte beachten Sie auch die Turnschuhe. Grossartig. Mick Jagger hat darin während zweieinhalb Stunden mindestens einen Halbmarathon getanzt.

Voilà. Mick Jagger hatte mehr Jacken als Rihanna und Beyoncé zusammen dabei. Wir merken: Bomberjäckchen (gerne mit Glitzer) sind der letzte Schrei. Bitte beachten Sie auch die Turnschuhe. Grossartig. Mick Jagger hat darin während zweieinhalb Stunden mindestens einen Halbmarathon getanzt.

Carsten Rehder

82'000 Tickets gingen zum Auftakt der #NoFilter-Tour im Hamburger Stadtpark in den Verkauf. Ratzfatz waren sie weg. The Rolling Stones, die will man auch mehr als fünfzig Jahre nach ihrem internationalen Durchbruch noch sehen. Ron Wood, der jüngste Stone, dem kürzlich ein Teil eines Lungenflügels entfernt wurde, zählt immerhin ja auch schon 70 Lenze. Und die Stones machen weiter: rotzig, laut und unverwüstlich.

Die Stones müssen nicht. Sie wollen gern.

Dass man Mick Jagger, Charlie Watts, Keith Richards und Ron Wood das Leben ansieht, ist nicht neu. Das wilde Leben hat sich ins Gesicht eingefräst. Natürlich stehen da Grossväter auf der Bühne – mit Mick Jagger sogar ein Urgrossvater. Das Schöne: Sie müssten da nicht mehr stehen. Geld haben sie alle genug.

Kurz vor der Show treffen wir Produktionschef Dale Skjerseth. Er arbeitet seit 1978 für The Rolling Stones. Und wie Experten aus dem Journalisten-Trupp erzählen, soll noch bis heute jede einzelne Rechnung über Mick Jaggers Schreibtisch gehen (eine hübsche Vorstellung, wie er da so sitzt und Rechnungen visiert). Dale herrscht über 25 Trucks, koordiniert 200 Mitarbeiter, schaut, dass der Bühnenaufbau läuft. Die Stones reden da freilich mit. «Wir machen nichts, ohne dass sie es absegnen.» Die vier rund 19 Meter hohen und rund zehn Meter breiten Bildschirme haben sich die Herren selbst ausgedacht. «Sie wollten, dass alle was sehen können.» Dale baut das dann.

Rock'n'Roll gibt es erst auf der Bühne

Was die Stones heute so vor einem Konzert treiben, will ein Journalist aus Italien wissen. «Sie kommen fünf Stunden vorher. Jammen, reden, hängen zusammen ab», sagt Dale. Noch weiss er nicht, welche Songs auf dem Programm stehen. Das Glitzer-Couvert mit der Aufschrift «Set List» ist noch leer. «Damit überraschen sie uns. Sie spielen, worauf sie Lust haben.»

Pünktlich um 20.30 Uhr hat sich das Thema mit der Song-Folge geklärt. Die Riesenbildschirme flackern teuflisch rot – und vier Kerle (plus ein bisschen Zusatzband) starten mit «Sympathy For the Devil» (1968). Der Hamburger Himmel zeigt sich versöhnlich. Als hätten da oben ein paar Freunde von früher die Wolken beiseite geschoben.

Mitsing-Gelegenheit für alle

Ein Knaller folgt dem nächsten. Auch nicht ganz sattelfeste Fans kennen so ziemlich alles. Irgendwo läuft doch immer «(I Can't Get No) Satisfaction» (1965), «Honky Tonk Women» (1969), «Start Me Up» (1981) oder «Brown Sugar» (1971). Schön auch: «Play with Fire» aus dem Jahr 1965. Da sagt selbst Jagger: «Das haben wir vielleicht einmal erst auf der Bühne gesungen.» Schön wars. Nur «Angie» (ein 1973-Klassiker, der, wie Experten vor Ort behaupten, auf kaum einem Konzert fehlt) lassen sie aus. Immerhin wählt Deutschland bald. Und ein Schulz-Lied haben nicht einmal diese Musik-Legenden im Repertoire.

«Satisfaction» in Hamburg

Rolling Stones in Hamburg

«Satisfaction»: Sorry für die Lautstärkeschwankungen, das Handy hat zu hart gefeiert. (Video: 20min)

Sorry für die Lautstärkeschwankungen, das Handy hat zu hart gefeiert. (Video: 20 Minuten)

«Play with Fire» in Hamburg

Rolling Stones in Hamburg

«Play with Fire» im Stadtpark in Hamburg. Sorry für die Lautstärkeschwankungen, das Handy hat zu hart gefeiert. (Video: 20min)

Auch hier: Das Handy wollte sich einfach nicht beruhigen. (Video: 20 Minuten)

Während zweieinhalb Stunden (!) legt Jagger mindestens einen zappligen Halbmarathon auf der Bühne zurück. Zwischendurch krault er Ron Woods Mähne. Als würde er sagen wollen, «Kumpel, schön, dass du noch da bist». Keith Richards und sein Bandana tun das, was sie am besten können: Gitarre spielen und wahnsinnig kultig aussehen. Charlie Watts hat sein weisses Bürohemd bis oben zugeknöpft – und jagt seine alten Freunde wie ein gut kalibriertes Metronom durchs Programm. Erst ganz am Schluss stützt er sich kurz ab und holt sich eine Jacke. Mit 76 auf Europa-Tour käme eine Erkältung sicher ungelegen.

Da glitzern Bomberjäckchen, Seidenblusen und Funkel-Turnschuhe. Und Freude. Da wird kein Programm lustlos runtergerödelt. Es scheint, als würde die Band ihren Fans tatsächlich was für die wirklich teuren Tickets bieten wollen. Das Beste: Die haben da selbst noch Freude dran. Und 82'000 Leute auf dem Gelände plus zehntausende Zaungäste mit ihnen. #NoFilter heisst hier: Falten, Schweiss, ein paar falsche Töne, Spass und vier Steine, an denen kein Moos wächst.

Und jetzt noch ein Supplement. Wer war auch dabei? Chris von Rohr von Krokus. Sein Fazit: «Diese Rockblues-Desperados lassen viele junge Bands uralt aussehen. Da stimmt einfach alles: Songs, Groove, Charisma und Spielfreude. Das perfekte Gegengift zum blutleeren, antiseptischen Reissbrettpop-Sound der heutigen Zeit.»

Chris von Rohr über die Rolling Stones

Chris von Rohr tauchte am #NoFilter-Tourauftakt im Hamburger Stadtpark auf. Wie er die Rolling Stones findet, erzählt er im Video. (Video: 20min)

Von Rohr über die Stones. (Video: 20 Minuten)

Am 20. September spielen die Rolling Stones ihr einziges Schweiz-Konzert im Zürcher Letzigrund-Stadion. Resttickets sind via ticketcorner.ch erhältlich. WICHTIG: Das mit der maximal A5-grossen Tasche ist ernst gemeint. Bitte bringen Sie weder Rucksäcke noch andere grössere Behältnisse mit. Sie müssten Sie abgeben, das nervt. Und mehr als etwas Geld, Schlüssel und vielleicht noch das Mobiltelefon braucht man am Konzert ja nicht, oder?

Am 20. September spielen die Rolling Stones ihr einziges Schweiz-Konzert im Zürcher Letzigrund-Stadion. Resttickets sind via ticketcorner.ch erhältlich. WICHTIG: Das mit der maximal A5-grossen Tasche ist ernst gemeint. Bitte bringen Sie weder Rucksäcke noch andere grössere Behältnisse mit. Sie müssten Sie abgeben, das nervt. Und mehr als etwas Geld, Schlüssel und vielleicht noch das Mobiltelefon braucht man am Konzert ja nicht, oder?

Am 20. September spielen die Rolling Stones ihr einziges Schweiz-Konzert im Zürcher Letzigrund-Stadion. Resttickets sind via ticketcorner.ch erhältlich. WICHTIG: Das mit der maximal A5-grossen Tasche ist ernst gemeint. Bitte bringen Sie weder Rucksäcke noch andere grössere Behältnisse mit. Sie müssten Sie abgeben, das nervt. Und mehr als etwas Geld, Schlüssel und vielleicht noch das Mobiltelefon braucht man am Konzert ja nicht, oder?

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