Zürcher Kreis 4: Roma-Clan macht sich auf Kinderspielplatz breit
Aktualisiert

Zürcher Kreis 4Roma-Clan macht sich auf Kinderspielplatz breit

Anwohner und Gewerbler rund um den Stauffacher sind besorgt: Ein Roma-Clan hält sich seit Monaten in einem Pärkli auf und bettelt Passanten an. Nun handelt die Polizei.

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jen/rom
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Die Lutherwiese hinter der St.-Jakob-Kirche am Stauffacher ist ein Kinderspielplatz fürs Quartier.

Die Lutherwiese hinter der St.-Jakob-Kirche am Stauffacher ist ein Kinderspielplatz fürs Quartier.

jen
Seit rund drei Monaten hält sich hier vor allem tagsüber und zum Teil auch nachts ein Roma-Clan auf. Laut Anwohnern waschen sie im Brunnen ihre Wäsche, vor allem aber würden sie Passanten anbetteln.

Seit rund drei Monaten hält sich hier vor allem tagsüber und zum Teil auch nachts ein Roma-Clan auf. Laut Anwohnern waschen sie im Brunnen ihre Wäsche, vor allem aber würden sie Passanten anbetteln.

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Laut einem Anwohner handelt es sich um bis zu 15 Leute.

Laut einem Anwohner handelt es sich um bis zu 15 Leute.

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Hinter der St.-Jakobs-Kirche auf der Lutherwiese nahe dem Stauffacher befindet sich ein Kinderspielplatz. Normalerweise treffen sich hier Familien aus dem Quartier. Doch seit rund drei Monaten haben sie Gesellschaft erhalten von einem Roma-Clan. Laut einem Anwohner handelt es sich um bis zu 15 Leute.

«Die Roma nehmen den Spielplatz ein, so dass der Park von immer weniger Anwohnern genutzt werden kann», sagt ein Anwohner. Die Leute würden auch im Park schlafen und ihre Wäsche im nahen Brunnen waschen. «Uns ist durchaus bewusst, unter welch schwierigen Verhältnissen die Roma in Südosteuropa leben. Dennoch bin ich der Meinung, dass der öffentliche Raum nicht so in Beschlag genommen werden kann.»

Geld in der Haarbürste

Es gibt laut dem Anwohner aber noch ein weiteres Problem: Mitglieder des Clans gingen Leute anbetteln. «Einmal habe ich gesehen, wie eine Frau eine Haarbürste, in der Geld drin war, dem Chef übergeben hat», sagt der Anwohner weiter. Dieser habe die Haarbürste aufgemacht und das Geld gezählt.

«Dass so etwas in unserem Quartier passiert, macht mir Angst», sagt eine weitere Anwohnerin. Früher sei sie viel mit ihrem Kind auf den Spielplatz gegangen. Heute traue sie sich das nicht mehr: «Ich habe Angst.»

Kiosk von Diebstahl betroffen

Nicht nur die Bewohner, auch die Ladenbetreiber in der Nähe sind betroffen: «Jeden Tag kommen diese Leute bei mir in den Laden», sagt ein Kioskbetreiber. Glücklicherweise sei die Polizei an einem Tag vor Ort gewesen und habe eine Frau erwischt, die Ware geklaut habe. Meist seien es Süssigkeiten oder Getränke.

«Sie kommen gruppenweise in den Laden, mit viel Münz und wollen das Geld wechseln,» sagt der Kioskbetreiber weiter. In dieser Zeit würden sie Sachen stehlen. Mittlerweile hat er die Leute durchschaut und lässt sie nicht mehr in den Laden. «Falls sie aber einen Kaffee wollen, bekommen sie den günstiger, weil ich Mitleid mit ihnen habe.»

Auch ein Coiffeurgeschäft hat solche Erfahrungen machen müssen: «Sie kommen in Gruppen in den Laden, wollen sich gratis schminken lassen oder nehmen sich die Produkte.» Bisher hätten sie aber nichts geklaut. «Ich habe sie sofort aus dem Laden gewiesen.» Man müsse bestimmt auftreten und keine Angst zeigen, sagt die Besitzerin.

Mehr Verzeigungen wegen Bettelns

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Eingang mehrerer ähnlicher Meldungen aus dem Stauffacher-Gebiet: «Unsere Patrouillen werden dort vermehrt Kontrollen durchführen», sagt Medienchef Marco Cortesi. Sich im Park aufzuhalten sei an sich kein Problem. «Doch was nicht geht, ist dort seine Wäsche zu waschen und dort quasi zu wohnen.» In solchen Fällen würden die Personen weggewiesen. Ähnliche Probleme aus anderen Grünanlagen auf Stadtgebiet sind der Polizei nicht bekannt.

Ob die Personen von der Lutherwiese dieselben sind, die am Stauffacher seit einigen Wochen um Geld betteln, ist unklar. Laut Cortesi haben auf Stadtgebiet Verzeigungen wegen Bettelns aber generell zugenommen. 2014 hatte die Stadtpolizei insgesamt 340 Verzeigungen ausgesprochen, ein Jahr später waren es bereits 680. Und im laufenden Jahr sind es bis Mitte Juli bereits 420. Cortesi: «Deshalb verstärken unsere Patrouillen ihr Augenmerk darauf in der ganzen Stadt.»

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