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Roma-Vater wird Prozess gemacht

Der Vater der Roma-Familie, die seit 1998 in Rüschlikon von Sozialhilfe lebt, muss wegen Gewalt gegen seine Familie vor Gericht. Nach dem Prozess wird er die Schweiz wahrscheinlich verlassen müssen.

Die Hauptverhandlung gegen den 38-Jährigen vor dem Bezirksgericht Horgen ist auf den 23. August anberaumt.

Auf Antrag der Frau hat das Gericht entschieden, die Öffentlichkeit nicht zuzulassen, wie der Vorsitzende Thomas Handloser. Den Prozess direkt verfolgen dürfen dagegen Gerichtsberichterstatter.

Staatsanwalt Pascal Gossner hat gegen den Mann Anklage wegen Gefährdung des Lebens, Körperverletzung und Tätlichkeiten gegen Frau und Kinder erhoben. Er soll seine Frau und die Kinder brutal geschlagen haben.

Seit November 2005 sitzt der teilweise geständige Angeklagte in Untersuchungshaft. Der Ankläger beantragt drei Jahre Gefängnis. Der Verteidiger macht verminderte Zurechnungsfähigkeit nach Alkoholkonsum geltend und verlangt eine deutlich mildere Bestrafung.

Nach Abschluss des Prozesses muss der Angeklagte mit der Rückschaffung in den Kosovo rechnen. Die Asylrekurskommission (ARK) hat im Januar entschieden, der Vater und sein volljähriger Sohn - er sitzt wegen einer anderen Gewalttat ebenfalls in Untersuchungshaft - müssten die Schweiz verlassen. Die Ehefrau, die fünf Töchter und die zwei Enkelkinder dagegen dürften bleiben.

Seit 1997 in der Schweiz

Die Bauernfamilie war 1997 aus dem kriegsgeschüttelten Kosovo in die Schweiz geflüchtet und hatte Asyl beantragt. 2000 wurde das Gesuch abgelehnt, der Familie aber vorläufige Aufnahme zugestanden. Als diese Bewilligung 2003 aufgehoben wurde, rekurrierte die Familie mit Hilfe einer Anwältin.

Im zürcherischen Rüschlikon lebt die mittlerweile zehnköpfige Roma-Familie seit 1998 von der Sozialhilfe. In die Schlagzeilen geraten war die Familie vor bald zwei Jahren vor allem wegen der Aggressivität von zwei Töchtern.

Die damals 13-Jährige war zum zweifelhaften Titel «jüngste Gewalttäterin der Schweiz» gekommen. Als Mitglied einer Mädchengang pflegte sie Gleichaltrige zu verprügeln. Im Januar 2006 wurde sie Mutter. Sie erhält wie zwei ihrer Schwestern Einzelunterricht. In der öffentlichen Schule waren die drei nicht tragbar. Auch Heimaufenthalte brachten keine Änderung.

Zur Familie gehört ein weiteres Mädchen, das die öffentliche Schule besucht, und eine 21-Jährige, die mit ihrem Kleinkind ebenfalls in der gemeindeeigenen Wohnung der Familie lebt.

Für Aufsehen gesorgt hatte allerdings nicht nur das Verhalten der Familie. Auch die ungewöhnlich lange Wartezeit von rund zwei Jahren bis zum Entscheid der ARK gab zu Diskussionen Anlass.

Das «Sündenregister» der Roma-Familie im Überblick:Vaterangeklagt wegen:- Gefährdung des Lebens (soll seine Frau gewürgt haben)- Körperverletzung- Tätlichkeiten gegen Frau und KinderSohn- hat 25-Jährigen am Bahnhof Horgen mit Messer in Gesicht und Körper gestochen- hat Geld von Jugendlichen erpresst- hat Auto des Vaters gestohlenTochter 1

- hat als 13-Jährige in einer Mädchengang Gleichaltrige verprügelt («jüngste Gewalttäterin der Schweiz»)- hat Ladendiebstähle begangenTochter 1, 2 und 3- erhalten Einzelunterricht, sind nicht tragbar an öffentlichen Schulen; Heimaufenthalte brachten keine Änderung

(sda)

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