07.04.2020 09:22

Corona-Sünder

Romands sind wütend auf Deutschschweizer

Deutschschweizer wagen trotz Corona Ausflüge ins Welschland – zum Unmut der lokalen Bevölkerung. Einige Kantone wollen nun Touristen-Hotspots abriegeln.

von
lub
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Am Wochenende sind besonders viele Deutschschweizer in die Westschweiz gereist. Besonders im jurassischen Etang de la Gruère wimmelte es von ausserkantonalen Besuchern.

Am Wochenende sind besonders viele Deutschschweizer in die Westschweiz gereist. Besonders im jurassischen Etang de la Gruère wimmelte es von ausserkantonalen Besuchern.

Keystone/Jean-christophe Bott
Etang de la Gruère im Jura ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen – ob lokal oder ausserkantonal.  Der See und das ihn umgebende Moor sind ein geschütztes Naturreservat. (Symbolbild)

Etang de la Gruère im Jura ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen – ob lokal oder ausserkantonal. Der See und das ihn umgebende Moor sind ein geschütztes Naturreservat. (Symbolbild)

Keystone/Martin Ruetschi
Gemäss Erhebungen der Polizei hatten 80 Prozent der Autos ausserkantonale Nummernschilder.

Gemäss Erhebungen der Polizei hatten 80 Prozent der Autos ausserkantonale Nummernschilder.

Keystone/Jean-christophe Bott

Trotz Appell des Bundesrats, zu Hause zu bleiben, lockte das frühlingshafte Wetter letztes Wochenende viele Schweizer in die Natur. Der Lockdown wurde zwar laut den Kantonspolizeien mehrheitlich eingehalten, doch zeigt sich in der Westschweiz ein anderes Bild: In den Jurahügeln wurden von der Polizei fast ausschliesslich Nummernschilder aus Deutschschweizer Kantonen ausgemacht.

Die Kantone Neuenburg und Jura wollen nun auf den ausserkantonalen Besucheransturm reagieren und – voraussichtlich noch vor Ostern – die beliebtesten Ausflugsziele für den Freizeitverkehr sperren.

«Die Deutschschweizer haben die Message offenbar nicht alle verstanden», sagt Alain Ribaux, Sicherheitsvorsteher des Kantons Neuenburg. Die lokale Bevölkerung habe sich laut einem Beitrag der NZZ am letzten Wochenende diszipliniert gezeigt.

Deutschschweizer Nummernschilder

Das zeigten auch die Erhebungen der Polizei, wo 80 Prozent der Autos der Besucher ausserkantonale Nummernschilder hatten. Überwiegend stammten sie aus der Deutschschweiz, darunter auch einige aus dem Tessin.

Auch der Jura wurde rege besucht. Laut Innenministerin Nathalie Barthoulot stand auf den Parkplätzen «kein einziges jurassisches Nummernschild», aber dafür sehr viele Deutschschweizer Autos.

Röstigraben wird zum Corona-Graben

Obwohl der Bundesrat häufig davon abrät, am Osterwochenende ins Tessin zu verreisen, werden Ausflüge in die welschen Kantone nicht deutlich untersagt – oder gar erwähnt. Die welschen Kantone wünschen sich darum, dass auch ihr Landesteil in der Kommunikation des Bundesrats vermehrt miteinbezogen wird.

Bis es so weit ist, nehmen sie das Ganze aber selbst in die Hand: In Neuenburg und im Jura planen die Behörden nun «aller Voraussicht nach», die neuralgischen Punkte für den Freizeitverkehr abzuriegeln. Die Regierung wird das Traktandum am Mittwoch behandeln.

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