Aktualisiert 31.01.2012 12:56

Republikaner-Vorwahl

Romney vor wichtigem Sieg in Florida

Mitt Romney steigt mit einem klaren Umfrage-Vorsprung in die wichtige Vorwahl in Florida. Mit viel Geld und Negativwerbung hat er seinen Rivalen Newt Gingrich ausmanövriert.

von
pbl
Mitt Romney am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Dunedin.

Mitt Romney am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Dunedin.

Nach drei republikanischen Vorwahlen in kleineren Bundesstaaten ist am Dienstag mit Florida erstmals ein «grosser Brocken» an der Reihe. Im «Sunshine State» wird nach dem Majorzprinzip gewählt, der Gewinner kann alle 50 Delegiertenstimmen für sich verbuchen. Wer das sein wird, steht so gut wie fest: Mitt Romney. Mehrere Erhebungen sagten einen klaren Sieg des Ex-Gouverneurs von Massachusetts voraus.

Nachdem er sich lange vornehm zurückgehalten und seine Angriffe auf Präsident Barack Obama konzentriert hatte, schoss sich Mitt Romney in den vergangenen Tagen mit voller Wucht auf seinen Hauptrivalen Newt Gingrich ein. Der ehemalige Vorsitzende des Repräsentantenhauses hatte vor zehn Tagen die Vorwahl in South Carolina gewonnen und sich für Romney auch in Florida zu einem gefährlichen Herausforderer entwickelt.

Davon ist keine Rede mehr. Während es unmittelbar nach South Carolina noch nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aussah, gaben die letzten Umfragen Romney einen Vorsprung im zweistelligen Bereich. Die Zeitung «Miami Herald» sah den ehemaligen Finanzinvestor elf Prozentpunkte vor Gingrich. Eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage für den TV-Sender NBC ermittelte für Romney sogar 42 Prozent, während Gingrich nur auf 27 Prozent kam.

Fehlende Führungsqualitäten

In den beiden Fernsehdebatten von letzter Woche attackierte Mitt Romney die vielen Schwachstellen von Gingrich und liess diesen ziemlich alt aussehen. Mit einer Flut an negativen TV- und Radiospots rief Romney den Wählern ins Gedächtnis, dass Gingrich wegen Verstössen gegen Ethikrichtlinien des Kongresses verurteilt worden war. Ausserdem hielt er dem Rivalen vor, ein Millionenhonorar von der Hypothekarbank Freddie Mac kassiert zu haben, während in Florida viele Menschen ihre Häuser verloren hätten.

Am Montag warf Romney Gingrich zudem fehlende Führungsqualitäten vor. Als Chef des Repräsentantenhauses in den 90er Jahren habe Gingrich mit «hunderten Leuten» zusammengearbeitet, sagte Romney dem Sender NBC. Es sei «aufschlussreich», dass nun nur «eine Handvoll» bereit sei, Gingrich zu unterstützen. «Seine Führungsqualitäten werden von den Leuten in Frage gestellt, die mit ihm gearbeitet haben.»

Fünfmal mehr Geld ausgegeben

Mitt Romney hat auch finanziell einen deutlichen Vorteil. Er hat in Florida mindestens fünf Mal so viel Geld ausgegeben wie sein Gegner – allein für Fernsehwerbung in der Woche vor der Vorwahl zahlten er und sein Unterstützerkomitee «Restore Our Future» 6,8 Millionen Dollar. Newt Gingrich beschwerte sich am Sonntag über die Taktiken Romneys. «Nur wenn er genug Geld für ein Flächenbombardement mit Negativwerbung sammeln kann, gewinnt er überhaupt an Zugkraft.»

Gingrich, der ebenfalls eine Reihe negativer Wahlspots schalten liess, wies die Attacken als Lügen zurück. Zugleich kündigte er einen langen Kampf um die Kandidatur an. Der Wahlausgang werde «wesentlich knapper» sein als in den Umfragen, sagte er am Sonntag. Er sei überzeugt, dass die Republikaner für die Präsidentschaftswahl im November keinen «Moderaten aus Massachusetts» nominieren würden, der in der Vergangenheit für Abtreibung, Steuererhöhungen und striktere Waffengesetze eingetreten sei.

Für und gegen Gingrich

Unterstützung erhielt Gingrich von dem im Dezember aus dem Rennen ausgestiegenen Herman Cain, einem Liebling der Tea-Party-Bewegung. Auch die Ex-Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, hat sich auf Gingrichs Seite geschlagen. Gleichzeitig warnen prominente Republikaner wie John McCain, der Präsidentschaftskandidat von 2008, dezidiert vor dem Ex-Speaker, der mit seinen Altlasten und seiner Sprunghaftigkeit kaum eine Chance gegen Barack Obama haben dürfte.

Wenig zu bestellen haben in Florida der christlich-konservative Ex-Senator Rick Santorum aus Pennsylvania und der texanische Abgeordnete Ron Paul. Santorum hatte seinen Wahlkampf am Sonntag wegen einer Erkrankung seiner Tochter unterbrochen, er liegt in den Umfragen deutlich zurück. Paul hat Florida sogar weitgehend ausgelassen, denn der Bundesstaat ist ein steiniger Boden für den libertär-konservativen Aussenseiter. Die vielen Senioren im «Sunshine State» können mit seinen Attacken auf den Sozialstaat nichts anfangen. (pbl/sda)

Komponist verklagt Gingrich

Der Komponist des Rocksongs «Eye of the Tiger» will Newt Gingrich die Verwendung seines Werks bei Wahlkampfauftritten verbieten. Der Politiker schmücke sich seit 2009 ohne Genehmigung mit der Titelmelodie des Films «Rocky III», hiess es in einer am Montag in Chicago eingereichten Klage des Unternehmens Rude Music. Der Rechteinhaber Frank Sullivan, der den Song gemeinsam mit Jim Peterik geschrieben habe, sei nie um Erlaubnis gefragt worden. Gefordert werden eine einstweilige Verfügung, die Gingrich die weitere Nutzung verbietet, sowie Schadensersatz und Anwaltskosten. «Eye of the Tiger», gesungen von der Band Survivor, wird von US-Politikern gerne als Werbemittel eingesetzt. (dapd)

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