Doppelsieg: Romney wendet Desaster ab

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DoppelsiegRomney wendet Desaster ab

Siege in Arizona und Michigan verleihen dem Republikaner Mitt Romney Schwung für den «Super Tuesday» vom nächsten Dienstag. Dennoch bleibt er ein schwacher Präsidentschaftskandidat.

von
Martin Suter

Noch nie ist Mitt Romney um drei Prozentpunkte so froh gewesen. Dieser geringe Abstand trennte in den Vorwahlen von Michigan am Dienstag den Ex-Gouverneur von Massachusetts von Rick Santorum, dem Ex-Senator von Pennsylvania. Hätte der in Michigan geborene Romney verloren, wäre seine Position als Spitzenreiter im Rennen um die Nomination als republikanischer Präsidentschaftskandidat womöglich verloren gewesen.

Doch Romney gewann mit 41 Prozent der Primärwahlstimmen vor Santorum mit 38 Prozent. Abgeschlagen auf dem dritten Platz landete mit zwölf Prozent der libertäre Repräsentant Ron Paul vor dem früheren Kongressführer Newt Gingrich, der lediglich auf sieben Prozent der Stimmen kam. In Arizona gewann Romney am gleichen Tag die Primärwahlen mit 48 Prozent vor Santorum (26 Prozent), Gingrich (16 Prozent) und Paul (8 Prozent).

Romney darf nun einen Seufzer der Erleichterung ausstossen, aber zurücklehnen kann er sich noch lange nicht. Nach dem Doppelsieg kommt der Mormone und Geschäftsmann auf mindestens 157 Delegierte für den Parteikonvent vom August. Das sind in etwa doppelt so viele wie Santorum, aber ein Bruchteil der für einen Sieg erforderlichen 1440 Delegierten.

Santorums Fehltritten sei Dank

Stolz auf seine Siege darf Romney vor allem deshalb nicht sein, weil er sie in erster Linie Santorums Fehltritten verdankt. Der extrem konservative Ex-Senator hatte drei Wochen vorher in Parteiversammlungen dreier Gliedstaaten gewonnen und in der Folge in Umfragen die Führung übernommen – sowohl national als auch in Michigan. Doch dann manövrierte er sich mit kontroversen Aussagen ins Offside.

Einmal behauptete er, die berühmte Rede John F. Kennedys über die Trennung von Kirche und Staat habe bei ihm Brechreiz ausgelöst. Dann bezeichnete er Präsident Barack Obama als Snob, weil dieser allen Heranwachsenden empfohlen hatte, nach Möglichkeit ein College zu besuchen. Auch beim Thema der Empfängnisverhütung positionierte sich der radikale Abtreibungsgegner Santorum auf der falschen Seite.

Im Ergebnis verlor er den Zuspruch selbst konservativer Wählergruppen und vor allem vieler Frauen. Santorum gab die Fehler in seiner Rede am Dienstagabend indirekt zu: Fast penetrant hofierte er die weibliche Wählerschaft, indem er ein Loblied auf seine 93-jährige Mutter, seine Gattin und seine Tochter sang. Anstatt von sozialen Fragen sprach er ausschliesslich von wirtschaftlichen Themen, die in dem mittelwestlichen Industriestaat eine höhere Priorität geniessen.

Mit wirtschaftspolitischen Argumenten will Santorum am nächsten Dienstag im wichtigen Gliedstaat Ohio seine vielleicht letzte Chance ausnützen. Doch Ohio ist nur einer von insgesamt zehn Bundesstaaten, wo an diesem «Super Tuesday» Ausmarchungen stattfinden. Im Südstaat Georgia hofft Newt Gingrich auf einen Sieg, weil er dort geboren ist. In Gliedstaaten mit Parteiversammlungen will Ron Paul punkten. Insgesamt hat an dem Mammut-Vorwahltag jedoch Romney dank seiner dickeren Brieftasche und seiner vielen Helfer aus dem Parteiestablishment die besten Aussichten, den Löwenanteil an Delegierten zu sammeln.

(Quelle: YouTube/AP)

Romney ohne Vision

In seiner Siegesrede wirkte Romney überaus locker und zuversichtlich. Wie immer seit Beginn des Vorwahlkampf gelang es ihm indes nicht, eine zwingende Vision für seine Kandidatur zu artikulieren. Der frühere Chef einer Private-Equity-Firma und Manager der olympischen Spiele von Salt Lake City versprach bloss, das Land wieder auf Wachstumskurs zu trimmen. Er schwieg sich darüber aus, welches persönliche Bild von Amerika ihm vorschwebt.

Falls Romney nominiert wird und im Herbst gegen Obama antritt, könnte ihm in der Endrunde das Visionsdefizit schwer schaden. Er muss zu verhindern suchen, dass man ihn ausschliesslich als Technokraten wahrnimmt, der immer wieder mit verbalen Ausrutschern das Vorurteil bestätigt, er sei ein vom Volk abgehobener, schwerreicher Patrizier. Gelingt ihm keine Neudefinition seiner selbst, besteht die Gefahr, dass die sogenannten «Reagan-Demokraten» – männliche Mitglieder der weissen Arbeiterklasse – abtrünnig werden. Dann hätte Romney am Schluss womöglich nicht ausreichend viele parteiungebundene Wähler auf seiner Seite, um gewinnen zu können.

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