US-Wahlkampf: «Romney wirkt für viele Leute verkrampft»
Aktualisiert

US-Wahlkampf«Romney wirkt für viele Leute verkrampft»

Der US-Wahlkampf geht mit der Nominierung von Mitt Romney als Präsidentschaftskandidat in die entscheidende Phase. Politologe Louis Perron über die wohl teuersten Wahlen der Geschichte.

von
Simona Marty
Ein Wahlkampf, der schon über eine Milliarde Dollar gekostet haben dürfte: Der Republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney spricht am 27. August an der Parteiversammlung in Tampa, Florida.

Ein Wahlkampf, der schon über eine Milliarde Dollar gekostet haben dürfte: Der Republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney spricht am 27. August an der Parteiversammlung in Tampa, Florida.

Herr Perron, Mitt Romney wird dieser Tage zum Präsidentschaftskandidaten nominiert. Gibt der defensive Republikaner nun endlich Vollgas?

Louis Perron: Romney ist vom Handwerk her ein schlechter Wahlkämpfer und zeigt sich deshalb defensiv. Er hat damit gerechnet, dass Barack Obama wegen seiner durchzogenen Amtszeit-Bilanz verletzlich ist und sich selbst zerstören wird. Für ihn ist es wichtig, dass er die Bevölkerung von sich und einem Wechsel an der politischen Spitze überzeugen kann.

Wird ihm das gelingen?

Dadurch, dass er bei der Bevölkerung weniger bekannt ist als Obama, steht für Romney am Parteitag mehr auf dem Spiel. Die Rede im Rahmen des Parteitages am Donnerstag wird eine zentrale Rolle spielen. Neben dem, dass er die eigenen Reihen schliessen und seine Basis überzeugen muss, wird er versuchen auf persönlicher Ebene zu punkten. Romney wirkt für viele Leute verkrampft. Es ist entscheidend, dass er hier Sympathien gewinnt.

Er ist nicht für sein charismatisches Auftreten bekannt...

In der Vergangenheit haben auch schon mittelmässig begabte Rhetoriker aus ihren Reden viel heraus geholt. George Bush Senior etwa galt als hölzernen Redner. Als er damals 1988 das Rednerpult betrat, lag er bei Umfragen im zweistelligen Prozentbereich hinter seinem Konkurrenten – am Schluss wurde er trotzdem gewählt. Auf der anderen Seite erhielt der gute Rhetoriker Bill Clinton bei einer Rede den ersten Applaus als er sagte, dass er nun zum Schluss komme.

Der Wahlkampf verlief bisher ziemlich bissig. Obama scheint hier die Überhand zu haben ...

Es ist eine Schlammschlacht, bei der es den Demokraten gelungen ist, eine emotionale Geschichte über Romney als kalten Kapitalisten zu kreieren – angefangen von seinen versteckten Schweizer Konti über das Geheimhalten seiner Steuererklärung. Alliierte Organisationen von Obama kauften sich Werbezeit im Fernsehen und schalteten emotionale Spots. So zeigte einer den verzweifelten Kampf eines Stahlarbeiters. Die Stahlfabrik wurde auf Romneys Anweisung geschlossen und der Arbeiter hat dadurch seine ganze Lebensexistenz verloren.

In der Schweiz sorgte vielmehr der Heidi-Spot für Aufsehen ...

Ich denke nicht, dass dieser Spot Romney gross schaden wird. Genau wie auch der Anti-Obama Film «2016: Obamas America», müssen sich die Leute bewusst entscheiden diese Filme zu schauen. Häufig sind das diejenigen, welche sich bereits für eine Seite entschieden haben. Bezahlte Fernsehwerbung aber ist viel einflussreicher, weil sie auch politikverdrossene Leute erreichten. In diesem Sinn ist Fernsehwerbung ein unwillkommener Gast. Die Erfahrung zeigt, dass es genau diese weniger interessierten Wähler sind, die eine Wahl häufig entscheiden.

Neben den Wählern nehmen in diesem Jahr vor allem hohe Wirtschaftsvertreter finanziell grossen Einfluss ...

Mit insgesamt wahrscheinlich über einer Milliarde Ausgaben, werden die diesjährigen Wahlen wohl als die teuersten in die Geschichte eingehen. Die sogennanten Super-PACs sind Kampagnen-Vehikel, welche unbegrenzt Spenden annehmen und ausgeben können. Das Geld hat in den USA schon immer einen Weg in die Politik gefunden.

Wer wird aus Ihrer Sicht die Wahl am Ende gewinnen?

Obwohl die beiden bei den neusten Umfragen etwa gleichauf liegen, hat Obama in den entscheidenden einzelnen Staaten, den sogenannten «Swing States», momentan den besseren Stand. Ich gehe aber davon aus, dass es bis zum Schluss spannend bleibt. Im Oktober folgen drei Fernsehduelle, die nochmals viel verändern können. Die Entscheidung wird sich am Wahltag, dem 6. November zeigen.

Clooney sammelt Spenden in Genf

George Clooney füllt mit einem exklusiven Abend in der Genfer Altstadt die Wahlkampfkasse von US-Präsident Barack Obama. Für 1000 US-Dollar durften Ausland-Amerikaner einen Empfang des Hollywood-Charmeurs erleben, für weitere 5000 Dollar gab es ausserdem ein Foto mit dem Star. Wer 15 000 Dollar spendete, durfte mit dem Oscar-Preisträger

gar ein exklusives Abendessen verbringen. Erwartet werden Einnahmen von 500 000 Dollar.

Bei einer Gala in Clooneys Villa in Los Angeles kamen kürzlich fast 15 Millionen Dollar zusammen. (sda)

Dr. Louis Perron ist Politologe und Politberater mit Kunden im In- und Ausland. Während der letzten Jahre hat er mitgeholfen, mehr als ein Dutzend Wahlkämpfe zu gewinnen. Er ist Autor des Buches «How to Overcome the Power of Incumbency in Election Campaigns».

Deine Meinung