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Schweizer StiftungRonaldinho im Visier der Schweizer Behörden

Früher half der Spitzenfussballer mit seiner Stiftung Hepatitis-C-Patienten. Wegen Organisationsmängeln hat Ronaldinho nun aber die Schweizer Behörden am Hals.

von
jab
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Der Spitzenfussballer Ronaldo de Assis Moreria, oder Ronaldinho, ist nicht nur im Visier der Justiz in Paraguay.

Der Spitzenfussballer Ronaldo de Assis Moreria, oder Ronaldinho, ist nicht nur im Visier der Justiz in Paraguay.

AP/Andre Penner
Dort sass er einen Monat lang mit seinem Bruder (rechts) in Untersuchungshaft, weil sie mit gefälschten Pässen eingereist seien.

Dort sass er einen Monat lang mit seinem Bruder (rechts) in Untersuchungshaft, weil sie mit gefälschten Pässen eingereist seien.

Nathalia Aguilar
Auch in der Schweiz rückte Ronaldinho ins Blickfeld der Behörden, wie die «SonntagsZeitung» mitteilte.

Auch in der Schweiz rückte Ronaldinho ins Blickfeld der Behörden, wie die «SonntagsZeitung» mitteilte.

Paraguay Public Prosecutor Hando

Der ehemalige Spitzenfussballer Ronaldo de Assis Moreira ist nicht nur im Visier der Justiz in Paraguay, wo er mit seinem Bruder für einen Monat in Untersuchungshaft sass. Auch bei den Schweizer Behörden steht er im Fokus, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Grund dafür ist seine 2017 gegründete Stiftung mit Sitz in den Büros einer Anwaltskanzlei an der Bahnhofstrasse in Zürich. Ronaldinhos Bruder, Roberto Assis, amtet als Präsident der «Ronaldinho Foundation».

Zweck der Stiftung ist die Förderung der Gesundheit, sowie des Zuganges zu Medizin für Bedürftige. «Ich entschied mich, diese Stiftung zu gründen, um Krankheit zu bekämpfen, Gebrochenen zu helfen und den Schmerz von so vielen Menschen wie möglich zu lindern», wird Ronaldinho auf der Website seiner Stiftung zitiert. Wie die «SonntagsZeitung» mitteilt, habe das Stiftungsvermögen zu Beginn 50'000 Franken betragen.

Ferientrip inklusive Hepatitis-C-Behandlung

Beim ersten Projekt im Juli 2017, bei dem es um die Bekämpfung von Hepatitis-C ging, habe Ronaldinho mit dem ägyptischen Unternehmer Tamer Wagih zusammengearbeitet. Zusammen mit dem argentinischen Starfussballer Lionel Messi ging Ronaldinho in Ägypten auf Werbetour.

Dort bewarben sie das Programm «Tour 'n' Cure», mit dem die ägyptische Regierung für günstige Hepatitis-C-Behandlungen hunderttausende Medizinaltouristen ins Land locken wollte. Ob das Programm ein Erfolg war, sei unklar, schreibt die Zeitung.

Im Herbst 2017 lancierte die Ronaldinho Foundation dann ihre zweite Aktion auf einer Fundraising-Plattform. Mit einer Spende ab fünf Franken war man dabei. Der Hauptgewinn: Ein Treffen mit Ronaldinho, inklusive Hin- und Rückflug nach Rio de Janeiro – mitsamt Unterkunft in einem First-Class-Hotel. So zumindest habe man die Verlosung angepriesen. Nach dieser Aktion finden sich kaum noch Hinweise auf Aktivitäten der Stiftung.

Revisionsstelle legt Amt nieder

2018 kam Ronaldinho in die Schlagzeilen: «Ronaldinho soll noch sechs Euro auf dem Konto haben». Dem ehemaligen Grossverdiener wurde nachgesagt, er solle pleite sein. Zudem erhielt er gleichzeitig noch eine Busse der brasilianischen Justiz in Höhe von 2,2 Millionen Franken, weil er bei der Bebauung eines Grundstücks mit seinem Bruder grosse Umweltschäden verursacht haben soll.

Die Revisionsstelle der Ronaldinho Stiftung legte im letzten November schliesslich ihr Amt nieder, da sie keinerlei Informationen über die Jahresrechnung oder das weitere Vorgehen der Stiftung erhalten hätte, schreibt die «SonntagsZeitung».

Auch dem Zürcher Handelsregister riss der Geduldsfaden: Ende Januar gab es der Stiftung 30 Tage Zeit, ihre Organisationsmängel zu beseitigen. Diese Frist ist jetzt jedoch abgelaufen. Das Handelsregister nahm zu Anfragen der «SonntagsZeitung» keine Stellung. Fristen nehme man jedoch sehr genau, teilte es mit. Auch beim Eidgenössischen Departement des Innern, das die Aufsicht über die Stiftung hat, und beim Sitz von Ronaldinhos Stiftung in Zürich selbst nimmt man zum Fall keine Stellung.

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