Aktualisiert 13.01.2014 13:25

WeltfussballerRonaldo oder Ribéry – wer beerbt Messi?

Im Duell bei der Wahl zum Weltfussballer zwischen Franck Ribéry (Fra) und Cristiano Ronaldo (Por) geht es auch um zwei unterschiedliche Fussball-Philosophien.

von
Oliver Fischer

Die Fifa-Gala heute Abend im Zürcher Kongresshaus (Liveticker 20 Minuten ab 18.30 Uhr) steht ganz im Zeichen des Duells der beiden dominierenden Spieler des Jahres 2013: Cristiano Ronaldo und Franck Ribéry - der ebenfalls nominierte Argentinier Lionel Messi hatte 2013 zu oft mit Verletzungen zu kämpfen, verpasste zu viele Spiele bei Barcelona und konnte darum nicht mehr so brillieren und dominieren wie in den vorangegangenen Jahren, als dass er nach zuletzt vier Trophäen erneut gewählt werden dürfte.

Ronaldo oder Ribéry lautet also die Frage, über die in den vergangenen Wochen oft und emotional diskutiert wurde. Zahlreiche Spieler, Trainer und vor allem Vereinsvertreter von Real Madrid und dem FC Bayern München haben sich zu Wort gemeldet. Immer wieder ging es dabei auch um die Frage, ob der individuell herausragendste Spieler (Ronaldo) oder der beste Akteur der erfolgreichsten Mannschaft (Ribéry) den Preis erhalten müsste.

Überragender Individualist gegen grandiosen Teamplayer

Fakt ist: Der Franzose hat mit Bayern jeden Klubtitel gewonnen, den man in einem Jahr gewinnen kann - Landesmeister, Landescupsieger, Champions-League-Titel, europäischer Supercup und zuletzt auch die Klub-WM.

Fakt ist auch: Ronaldo hat in 50 Pflichtspielen für Real Madrid 59 Tore erzielt und Portugal in der Barrage gegen Schweden mit 4 Treffern im Alleingang an die WM gebracht - wobei diese Leistung nachträglich durch die Fifa überhaupt erst in die Bewertungsperiode aufgenommen wurde (was bei einigen Bayern-Vertretern für hochrote Köpfe sorgte).

Das heiss diskutierte Thema war: Der Ballon d'Or sei eine Auszeichnung des besten Individualisten und nicht der besten Mannschaft. Doch die These hinkt: Ja, beim Ballon d'Or wird ein einzelner Spieler ausgezeichnet - aber es wird der beste Spieler in einer Mannschaftssportart ausgezeichnet. Das alles entscheidende Bewertungskriterium darf darum nicht einfach die individuelle Ausstrahlung eines Spielers sein, es muss vielmehr der Wert des Spielers für seine Mannschaft und deren Erfolg sein.

Ronaldo fällt auf. Sein Antritt ist so kraftvoll wie kein zweiter, sein Schuss hart und präzis, seine Ausstrahlung bis zur Arroganz selbstbewusst (zu Recht). Aber bei Ronaldos Spiel hat man den Eindruck, als gingen ihn andere Spieler auf dem Feld nicht wirklich etwas an, weder Gegner noch Mitspieler, er braucht sie nicht, um zu brillieren - er ist oft mehr Einzelsportler als Teamspieler.

Ribérys Antritt ist nicht ganz so schmetternd, dafür eleganter; als Zuschauer rechnet man stets mit etwas Überraschendem. Seine Mitspieler suchen ihn auf dem Feld, weil sie wissen, dass er sie auch sucht, sie gezielt einsetzen kann und nicht jede Aktion selbst abschliesst. Ribéry besitzt jene Eigenschaft, die ihm von vielen Trainern bei Bayern - Hitzfeld, Heynckes und Guardiola - stets grosses Lob eingetragen hat: Er macht seine Mitspieler besser! Er lässt die anderen im Team glänzen - und das macht in einem Teamsport den herausragenden Akteur aus, diese Fähigkeit sich selbst auch mal zurückzunehmen, damit andere von der eigenen Klasse profitieren können.

Internationale Wahrnehmung ist für die Vergabe wichtig

Die Entscheidung über die Vergabe des Ballon d'Or hängt aber auch von ganz anderen Kriterien als der fussballerischen Klasse der nominierten Spieler ab: Die Wahl des Weltfussballers wird durch die Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften sowie durch eine Auswahl an Medienvertretern vorgenommen, entsprechend spielt die öffentliche Wahrnehmung der Spieler bei der Punktevergabe eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die verschiedenen europäischen Ligen und einzelne Vereine werden weltweit unterschiedlich intensiv verfolgt. Die spanische Primera División wird zum Beispiel in Asien weit mehr vermarktet und verfolgt als die deutsche Bundesliga, Ronaldo könnte durchaus davon profitieren.

Fussballstars in Zürich

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