Rosé-Guide - «Rosé auf Eis ist ein No-Go»
Für viele die Trilogie des Glücks: Sommer, Sonne, Rosé. 

Für viele die Trilogie des Glücks: Sommer, Sonne, Rosé.

Pexels/Daria Shevtsova
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grosser Rosé-Guide«Rosé auf Eis ist ein No-Go»

Kaum ein Wein steht so für den Sommer wie Rosé. Doch auch über kaum einen Wein gibt es so viele Vorurteile. Ein Wein-Experte klärt auf.

von
Lucien Esseiva

Vorurteil 1: Rosé ist ein gepanschtes Gemisch aus Rot- und Weisswein und aus minderwertigen Trauben gemacht

Fertig mit Vorurteilen – jetzt müssen Fakten her!

Fertig mit Vorurteilen – jetzt müssen Fakten her!

Unsplash/Chelsea Pridham

«Mitnichten! Rosé wird in der Regel ausschliesslich aus Rotweintrauben gekeltert. Hierbei gibt es drei Methoden der Herstellung», sagt Alexander Lorenz, Wein-Experte und Geschäftsführer der Weinkellerei Mövenpick in Rotkreuz. Für alle Methoden sei die Selektion hochwertiger Trauben ein Gratmesser für die spätere Qualität auf der Flasche.

  • Bei der Mazeration hat der Most direkten Schalenkontakt. Je länger die Dauer des Schalenkontakts, desto intensiver die Farbe und die Intensität der Aromen.

  • Die Saignée-Methode bezeichnet einen wortwörtlichen Aderlass bei der Rotweinbereitung. Die Winzerin oder der Winzer lässt einen Teil des Mostes nach wenigen Stunden Schalenkontakt ab, um diesen in einem nächsten Schritt in eigenen Tanks zu vinifizieren. Auf diese Weise entstehen vergleichsweise kräftige, strukturierte Roséweine.

  • Bei der Direktpressung wird der Saft der Traube unmittelbar abgezogen. Dieser besitzt nur eine dezente Färbung und wird in den weiteren Schritten wie Weisswein vinifiziert.

Vorurteil 2: Es gibt keinen hochwertigen oder teuren Rosé

Wenn Rosé will, dann kann er auch luxuriös sein.

Wenn Rosé will, dann kann er auch luxuriös sein.

Unsplash/ AESOP. Wines

«Hierbei handelt es sich um ein wiederkehrendes Vorurteil, welches den Winzerinnen und Winzern, die ihren Roséweinen viel Hingabe und Aufmerksamkeit schenken, schlichtweg nicht gerecht wird. Gegenwärtig finden wir problemlos Exemplare, die Preise jenseits der 30 Franken erzielen, wie zum Beispiel den toskanischen Aurea Gran Rosé Ammiraglia aus dem Hause Frescobaldi, Marqués de Murrietas Primer Rosé aus dem Rioja oder die limitierte Rarität Muse de Miraval aus der Côtes de Provences.»

Vorurteil 3: Nur französischer Rosé ist echter Rosé

Rosé kommt zwar ursprünglich aus Frankreich, andere Länder machen aber auch gute Tropfen. 

Rosé kommt zwar ursprünglich aus Frankreich, andere Länder machen aber auch gute Tropfen.

Instagram/putni_kofer

«Rosé hat laut den meisten übereinstimmenden Aufzeichnungen seinen Ursprung in Frankreich, was nicht bedeutet, dass wir in den unzähligen Anbaugebieten weltweit mindere Qualitäten finden. Beispiele finden wir in Italien, mit unserem Alìe Ammiraglia, in der Schweiz, anhand des Compléo Rosé der Staatskellerei Zürich oder in Spanien mit dem Rosado 8° Lar de Maía

Vorurteil 4: Rosé ist längst kein Trend mehr – weil ihn mittlerweile alle trinken

«Nur weil viele Menschen Rosé mögen, ist der Trend noch lange nicht vorbei», findet Alexander Lorenz.

«Nur weil viele Menschen Rosé mögen, ist der Trend noch lange nicht vorbei», findet Alexander Lorenz.

Pexels/Mathilde Langevin

«Ein Trend endet nicht mit der Anzahl der Konsumierenden. Der Markt befindet sich weiterhin im Wachstum und wird stetig durch weitere Neuheiten aufgefrischt. So haben die steigenden Qualitäten der vergangenen Jahre auch dazu geführt, dass Rosé sich auch im Jahr 2021 immer grösserer Beliebtheit und Akzeptanz erfreuen darf. Auch bei Männern.»

Vorurteil 5: Rosé ist für Menschen, die sich nicht zwischen Rot- und Weisswein entscheiden können

Tatsächlich ist Rosé eine gute Wahl, wenn man sich nicht zwischen Rot- und Weisswein entscheiden kann. 

Tatsächlich ist Rosé eine gute Wahl, wenn man sich nicht zwischen Rot- und Weisswein entscheiden kann.

Unsplash/Lefteris kallergis

«Rosé geniesst dank seiner einzigartigen Aromen heute die gleiche Daseinsberechtigung wie Rot- und Weissweine. Gerne darf er aber auch die Lösung für Menschen darstellen, welche sich für keinen der anderen Weintypen entscheiden können.»

Vorurteil 6: Es ist legitim, Rosé auf Eis zu trinken

Rosé auf Eis ist laut Alexander Lorenz tatsächlich ein No-Go. 

Rosé auf Eis ist laut Alexander Lorenz tatsächlich ein No-Go.

«On the Rocks sehe ich ausschliesslich die Flasche, Eiswürfel sind eher ein No-Go. Es ist sicherlich legitim, einen Roséwein an einem heissen Sommertag eisgekühlt zu servieren. Über Vorlieben lässt sich schliesslich nicht diskutieren. Bewusst sollte man sich darüber sein, dass wir jedem Wein durch Kühlung die Aromatik rauben. Die optimale Trinktemperatur liegt in den meisten Fällen, ähnlich einem jungen Weisswein, bei 9-11° Celsius.»

Vorurteil 7: Rosé im Winter ist ein No-Go

Rosé ist schon eher ein Sommer-Getränk – es gibt aber auch welche, die sehr gut in die kalte Jahreszeit passen. 

Rosé ist schon eher ein Sommer-Getränk – es gibt aber auch welche, die sehr gut in die kalte Jahreszeit passen.

Pexels/Jep Gambardella

«Die unterschiedlichen Stilistiken der heutigen Rosés lassen es durchaus zu, auch an einem kühlen Wintertag einen genussreichen Moment zu erleben. Das Aromenspektrum einiger Rosés erfüllt alle Komponenten, sie auch speisenbegleitend in der kühleren Jahreszeit einzusetzen. So harmoniert der Sancerre Grande Réserve Rosé aus dem Hause Henri Bourgeois an der Loire mit seinen filigranen Aromen von roten Beeren und Sauerkirsch sowie seiner Mineralität und Salinität zum Beispiel hervorragend mit dem beliebten Winterkabeljau, dem Skrei. Ein geschmortes Kräuter-Poulet kann ebenso von einem kräftigen Rosé aus der Tempranillo-Traube begleitet werden und ein Kalbstagliata von einem würzig-rotbeerigen Rosé auf Grenache- und Cinsaultbasis, wie dem Tavel Vielles Vignes aus dem Hause Tardieu-Laurent.»

Vorurteil 8: Rosé kann man nicht lagern, man trinkt ihn immer jung

Rosé kann man gut bis zu fünf Jahre lagern. 

Rosé kann man gut bis zu fünf Jahre lagern.

Unsplash/Jim Harris

«Es gibt nur eine erlesene Auswahl an Roséweinen weltweit, welche für die Lagerung geeignet ist. Für den Grossteil aller Rosés empfiehlt sich eine Trinkreife von bis zu fünf Jahren. Gleichwohl gewinnt auch ein Rosé in den ersten Monaten auf der Flasche an Harmonie und Ausdrucksstärke. Die zurückliegenden Jahrgänge 2018 und vor allem 2019 befinden sich aktuell in einer wunderbaren Verfassung.»

Der Rosé-Experte

Alexander Lorenz ist Geschäftsführer der Weinkellerei Mövenpick in Rotkreuz.

Alexander Lorenz ist Geschäftsführer der Weinkellerei Mövenpick in Rotkreuz.

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