TV statt Kino: «Rosemary's Baby» wird Mini-Serie
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TV statt Kino«Rosemary's Baby» wird Mini-Serie

Die Evolution des TV geht weiter. Nach «Hannibal» und «Psycho» wird noch ein Kinofilm fürs Fernsehen adaptiert: Roman Polanskis Horror-Klassiker «Rosemary's Baby».

von
Catharina Steiner

Roman Polanski setzte 1968 mit «Rosemary's Baby» einen Meilenstein im Horror-Genre. Die katholische Kirche verpasste dem Streifen das Prädikat «missbilligt», die Film-Kritiken waren und sind bis heute gespalten. Trotzdem wurde «Rosemary's Baby», in dem Mia Farrow mit dem Antichristen schwanger ist, zum Kassenmagneten und beeinflusste zahlreiche darauf folgende Filme über Exorzismus und Okkultismus.

45 Jahre später erfährt der Klassiker eine Neuaufnahme - nicht etwa im Kino, sondern am TV. Der US-Sender NBC gab bekannt, den Film für eine vierteilige Miniserie adaptieren zu wollen. Als Regisseurin wurde die oscarprämierte Agnieszka Holland engagiert. Ein Prestige-Projekt für den Sender.

Kino goes TV

Dass Kinofilme in TV-Formate umgemünzt werden, ist ein neuer Trend in Hollywood. Letztes Jahr ging «Hannibal» an den Start, das auf «The Silence of the Lambs» und dessen Fortsetzungen basiert. Im September startete zudem «Psycho». Die Serie thematisiert das Leben des jungen Norman Bates und seiner dominanten Mutter.

Vom Kino auf die Mattscheibe - funktioniert das? Sowohl «Hannibal» als auch «Psycho» haben bewiesen, dass das durchaus möglich ist. Beide Formate werden von der Kritik gelobt und vom Publikum goutiert. Die Charakterdarsteller Vera Farmiga («Psycho») und Mads Mikkelsen (als Hannibal Dr. Lecter) brillieren in ihren Rollen und die Qualität der Drehbücher und der technischen Mittel steht denen eines Hollywoodfilms in nichts mehr nach.

«Breaking Bad» als Oper

Diese Evolution des Fernsehens ist schon lange im Gange. Als Martin Scorsese 2005 die Pilotfolge zu «Boardwalk Empire» konzipierte, sprach ihm der Pay-TV-Sender HBO ein Budget von 18 Millionen Dollar zu - ein absoluter Rekord in der Geschichte jenes Mediums, das bis zur Jahrtausendwende - von Ausnahmen wie «Twin Peaks» abgesehen - seinen Ruf als künstlerisch minderwertig auf sicher hatte.

Mittlerweile birst der amerikanische TV-Markt vor qualitativ hochwertigen Serien. «Homeland», «Mad Men», «Game of Thrones» - um nur einige zu nennen - warten mit grossen Budgets auf. Als im September 2013 die letzte Folge von «Breaking Bad» ausgestrahlt wurde, regierten Kommentare über Walter Whites Abbleben tagelang die sozialen Medien. Der Einfluss der Show auf die Populärkultur ist so gross, dass der New Yorker Komponist Sung Jin Hong mit der Komposition einer «Breaking Bad»-Oper beauftragt wurde.

Dank der neuen finanziellen Möglichkeiten ist es nicht verwunderlich, dass Oscar-Regisseure wie Steven Spielberg, die Coen Brüder oder Jane Campion das Medium TV für sich entdeckt haben. Und dass Topstars wie Kevin Spacey, Sigourney Weaver, Laura Linney und viele andere Rollen im TV annehmen. Die Einnahmen an den Kinokassen gehen seit Jahren zurück, nur noch Grossproduktionen à la «Hunger Games» oder «The Avengers», die ein globales Mainstream-Publikum ansprechen, machen Geld. Kleinere Produktionen mit interessanten Rollen haben es in diesem Klima zunehmend schwer, überhaupt die nötige Finanzierung zugesichert zu bekommen.

Ein weiterer Grund, weshalb etablierte Filmschauspieler sich um die neuen TV-Rollen reissen, ist die Qualität der Charaktere. Dexter, Walter White, Hannibal oder Carrie Mathison sind Figuren, deren Abgründe und tragische Geschichte einer Tragödie von Shakespeare in nichts nachstehen. Die Entwicklung, die diese Figuren über den Zeitraum einer Staffel durchmachen, ist nicht mit einem 90-minütigen Film vergleichbar und bietet Schauspielern ungleich mehr Möglichkeiten, sich die Rolle zu eigen zu machen.

Auch 2014 geht der Trend zu Top-Schauspielern am Bildschirm ungebrochen weiter. Ab Januar gehen die A-Lister Matthew MacConaughey und Woody Harrelson als Detektiv-Duo in «True Detective» auf Jagd nach einem Serienkiller in Lousiana. Dass diese Show einen Mond weit entfernt von «Starsky & Hutch» sein wird, ist so sicher wie der nächste Tweet von Kim Kardashian.

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