Aktualisiert 25.02.2014 08:10

«Scheinehe»

Rosenkavalier muss die Schweiz verlassen

Kubeysi Genoglu ist der beliebteste Rosenverkäufer der Stadt Zürich. Seit zehn Jahren verkauft er seine Ware, zieht durch Bars und Pubs. Seine letzte Hoffnung: eine Petition.

von
Roman Neumann

Wer sich in Zürichs Nachtleben bewegt, kommt an ihm nicht vorbei: Kubeysi Genoglu (51) trägt einen Bund roter Rosen mit sich und versucht, diese am Abend und in der Nacht in Bars und Pubs zu verkaufen. Dabei bleibt der in Anzug und Krawatte gekleidete Kurde stets höflich und zuvorkommend – und gewinnt so die Herzen der Nachtschwärmer.

Jetzt der Schock: Genoglu muss die Schweiz verlassen – und zwar schon bald. Im Entscheid des Migrationsamtes des Kantons Zürich heisst es: «Wir setzen hiermit die Frist zum Verlassen der Schweiz neu auf den 24. Februar 2014 an.» Genoglu zog den Entscheid bis vors Bundesgericht – und verlor.

Vorwurf Scheinehe

Die Begründung: Er habe eine Scheinehe geführt. Drei Jahre lang lebte er mit seiner Schweizer Frau zusammen – trotzdem glaubte ihm das Gericht nicht. Genoglus Anwalt Willy Blättler präzisiert: «Die Frau war drogenabhängig und sass einige Zeit im Gefängnis ein – dennoch hat er sie stets unterstützt, auch wenn es schwierig mit ihr wurde.»

Genoglu sagt zu 20 Minuten: «Ich bin enttäuscht. Ich liege dem Staat nicht auf der Tasche, beziehe keine Sozialleistungen.» Er habe das Gefühl gehabt, in Zürich geschätzt und willkommen zu sein. Sein Leben finde hier statt: «Ich habe hier meine Wurzeln geschlagen und fühle mich sehr wohl.»

Seine letzte Hoffnung: Regierungsrat Mario Fehr. Die ehemalige Gemeinderätin Rose Zschokke hat eine Petition für Genoglu gestartet. Die Unterschriftensammlung wird sie am Samstag in der Bar Daniel H. abholen und am Montag Mario Fehr übergeben. Auf Facebook wird der Aufruf zur Unterschrift bereits fleissig geteilt.

«Chancen stehen schlecht»

Rose Zschokke sagt: «Ich kenne Herrn Genoglu schon lange. Er ist einer der anständigsten und höflichsten Menschen, der mir je begegnet ist.» Die Petition zu lancieren, sei ein reiner Bauchentscheid gewesen. «Jemand, der zehn Jahre hier gelebt hat und stets auf eigenen Füssen unterwegs war, kann dem Land nicht schaden.»

Genoglus Anwalt Willy Blättler ist skeptisch, ob die Petition etwas nützt. «Die Chancen stehen sehr schlecht für ihn.» Wenn sich Mario Fehr jedoch überzeugen liesse, könne er dies mit einem wohlwollenden Vermerk an die Härtefallkommission übergeben.

In der Türkei hätte Genoglu zwar noch Familie. Eine Schwester und seine Mutter sind noch in seinem Heimatland. Doch er würde viel lieber hier bleiben. Kubeysi Genoglu ist traurig: «Ich bin doch keine Last für die Schweiz.»

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