Gas-Explosion Viareggio: Rostige Achse Grund für Flammen-Inferno
Aktualisiert

Gas-Explosion ViareggioRostige Achse Grund für Flammen-Inferno

Italien sucht nach den Ursachen des Bahnunglücks in Viareggio, während die Zahl der Todesopfer weiterhin steigt. Mindestens 16 Personen kamen bei dem Flammeninferno im toskanischen Badeort ums Leben. Ein Achsenbruch steht als mögliche Ursache im Vordergrund.

Sechs der Todesopfer sind noch nicht identifiziert, ein DNA-Test soll dabei helfen. Bei den anderen Todesopfern gibt es zwar Vermutungen über die Identität, diese konnte jedoch offiziell nicht bestätigt werden, weil es an Dokumenten fehlt und die Leichen von keinem Angehörigen erkannt wurden.

Die Behörden vermuten gemäss Angaben vom Mittwoch, dass sich rund um den Bahnhof einige Obdachlose aufhielten, die bei der Explosion ums Leben gekommen sein könnten.

Gerätselt wird auch über die Identität eines dreijährigen Mädchens, das ohne Angehörige in ein römisches Kinderspital eingeliefert wurde und in der Nacht auf Mittwoch seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Sie könnte die Tochter eines marokkanisches Ehepaares sein, das bei der Explosion getötet wurde.

«Noch nie so etwas gesehen»

Auch am Tag danach konnten selbst routinierte Helfer noch nicht fassen, was sie in der nächtlichen Feuersbrunst am Bahnhof von Viareggio mitansehen mussten: Riesige Flammen, in Schutt und Asche gelegte Häuser, verkohlte Leichen.

«In 29 Jahren Ambulanzdienst habe ich so etwas noch nicht gesehen», berichtete etwa der Sanitäter Massimo von den dramatischen Stunden nach dem Unglück.

Nach der gewaltigen Explosion eines Flüssiggas-Wagen im Bahnhof des westtoskanischen Urlaubsortes in der Nacht zum Dienstag schwebten mindestens noch zwölf Menschen in Lebensgefahr. Insgesamt gebe es 26 Schwerverletzte, erklärte der italienische Verkehrsminister Altero Matteoli.

Da bei einigen Schwerverletzten mehr als 90 Prozent der Körperoberfläche verbrannt sind, ist es nach Meinung der Helfer sehr wahrscheinlich, dass das Unglück noch mehr Menschenleben fordert.

Die wuchtige Druckwelle legte mehrere Häuser in der Umgebung in Schutt und Asche. Etliche Gebäude wurden schwer beschädigt. Etwa 1000 Menschen können deshalb wahrscheinlich erst am Donnerstag in ihre Häuser zurückkehren.

Ursache Achsenbruch

Am Tag nach dem Flammeninferno schob sich die Frage in den Vordergrund, wie das folgenschwere Bahnunglück überhaupt möglich war und ob solche Unfälle vermieden werden könnten. Es werde geprüft, ob es neue Sicherheitsmassnahmen bei Kesselwagen für gefährliche Flüssigkeiten geben müsse, sagte der Verkehrsminister.

Experten nehmen an, dass ein Achsenbruch zu der Katastrophe geführt hat: Die Vorderachse des ersten von 14 Flüssiggas- Güterwagens habe nachgegeben.

«Infolge des Schadens ist der Waggon entgleist und Flüssiggas ausgetreten, das dann im Kontakt mit der Luft zu einer Gaswolke geworden ist. Ein Funke könnte die Explosion verursacht haben», erläuterte Sergio Basti, Ingenieur der Feuerwehrzentrale.

Flüssiggas abtransportieren

Das gefährliche Flüssiggas muss nun aus den übrigen Wagen vorsichtig umgefüllt und abtransportiert werden. Sechs Gas-Wagen konnten von Einsatzkräften der Feuerwehr und des Zivilschutzes bereits in der Nacht geleert werden.

Ministerpräsident Berlusconi versprach am Vortag, der Region Lucca so schnell wie möglich den Ausnahmezustand zu gewähren, um «die zerstörten Häuser zügig wieder aufzubauen». Seine für Mittwoch vorgesehene Teilnahme an einem Treffen der Afrikanischen Union in Libyen sagte er angesichts der Katastrophe ab.

(sda)

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