Interview: «Rote Flaggen» bei Amok-Gefahr
Aktualisiert

Interview«Rote Flaggen» bei Amok-Gefahr

Kriminalpsycholge Dr. Jens Hoffmann vom Institut für Pychologie und Sicherheit in Aschaffenburg hat eine Webseite aufgebaut, die helfen soll, potenzielle Amokläufer zu erkennen. 20 Minuten Online sprach mit dem Entwickler.

von
Henning Steier

Immer wieder kündigen Attentäter ihre Pläne im Internet an. Auch der Attentäter, der am Dienstag in einer Schule im finnischen Kauhajoki zehn Menschen und sich selbst erschoss, hatte mehrere Droh-Videos ins Netz gestellt. Eine Lösung, Amokläufer in spe zu erkennen, soll ein Online-Programm eines deutschen Wissenschaftlers bieten.

Wie funktioniert Ihr Dynamisches Risiko-Analyse-System, kurz Dyrias?

Nutzer loggen sich auf einer kostenpflichtigen Homepage ein. Sie müssen 30 Fragen zum Kandidaten beantworten.

Zum Beispiel?

Hat der Schüler etwas Grosses angekündigt? Spricht er häufig von Selbstmord?

Und dann?

Am Ende erhält man einen Wert von 1 bis 9, der etwas über die Gefährlichkeit des möglichen Attentäters aussagt. Ausserdem bekommt man einen ausführlichen Bericht. Bei akuter Gefahr werden rote Flaggen angezeigt.

Wer erhält einen Zugang?

Wir vergeben nur Login-Daten an Nutzer, die vorher einen zweitägigen Kurs bei uns besucht haben.

Warum?

Wir möchten verhindern, dass Jugendliche sich Anregungen für eigene Taten holen.

Inwiefern?

Das Programm basiert auf Ermittlungsakten und Behördenaufzeichnungen zu rund 20 Fällen. Da stecken viele Insiderinformationen drin.

Was kostet ein Zugang?

Das wird erst beim Start im Januar 2009 feststehen.

Kann Dyrias Amokläufe verhindern?

Nein. Aber auf Kandidaten hinweisen, von denen man nie denken würde, dass sie etwas Derartiges vorhaben.

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