Aktualisiert 14.03.2013 16:20

Ieng SaryRote-Khmer-Führer stirbt vor Schuldspruch

Ieng Sary war Aussenminister in der Regierung der Roten Khmer in Kambodscha. Eine Mittäterschaft an dem begangenen Völkermord stritt er stets ab. Jetzt ist er tot - und Kritiker entsetzt.

Der Ex-Aussenminister der Rote-Khmer-Regierung, Ieng Sary, früher und vor Gericht.

Der Ex-Aussenminister der Rote-Khmer-Regierung, Ieng Sary, früher und vor Gericht.

Der wegen Völkermords in Kambodscha angeklagte Ex-Aussenminister der Rote-Khmer-Regierung, Ieng Sary, ist tot. Der 87-Jährige musste sich seit 2011 mit drei weiteren Angeklagten wegen der Gräueltaten des Regimes verantworten, dem zwischen 1975 und 1979 bis zu zwei Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren.

Ieng Sary sei nach einem zehntägigen Spitalaufenthalt gestorben, teilte am Donnerstag das von den Vereinten Nationen unterstützte Sondertribunal zur Schreckensherrschaft der Roten Khmer mit. Unter den Roten Khmer waren zwei Millionen Menschen getötet worden.

Der Verstorbene war eines der wenigen öffentlichen «Gesichter» der Roten Khmer. Er musste sich vor dem Sondertribunal wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords verantworten.

Der Prozess gegen ihn sei mit dem Tod eingestellt, erklärte ein Gerichtssprecher in der Hauptstadt Phnom Penh. Angesichts des Tods von Ieng Sary verstärkten Opferverbände ihre Kritik an der ihrer Meinung nach zu langsamen Arbeit des Gerichtes und erklärten: «Gerechtigkeit zu verschleppen, bedeutet, Gerechtigkeit zu verweigern.»

Auch für Chum Mey, der das berüchtigte Tuol-Sleng-Gefängnis in Phnom Penh überlebte, bedeutet der Tod von Sary vor allem, dass keine Gerechtigkeit hergestellt wurde. Der Ex-Aussenminister sei gestorben, ohne seine Schuld anzuerkennen und seine Taten zu gestehen.

Mitwisserschaft stets bestritten

Ieng Sary wurde als Sohn einer armen Familie in Vietnam geboren und entwickelte sich zu einem radikalen Studenten. Er bestritt stets, von den Massenhinrichtungen unter den Roten Khmer gewusst zu haben.

Seine Frau Ieng Thirith wurde ebenfalls angeklagt, sie war Sozialministerin der Roten Khmer. Wegen ihrer im vergangenen Jahr diagnostizierten Alzheimer-Erkrankung blieb ihr ein Prozess aber erspart.

Angeklagt vor Gericht sind nun noch «Bruder Nummer Zwei» der Roten Khmer, Nuon Chea, der 86 Jahre alt ist, und der inzwischen 81-jährige einstige Staatschef Khieu Samphan. Auch sie haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.

Angesichts ihres ebenfalls hohen Alters forderte Mitankläger Bill Smith, die Verfahren zu beschleunigen. Der Prozess gegen Nuon Chea und Khieu Samphan sollte «innerhalb von vier oder fünf Monaten» beendet werden.

Erst ein Urteil

Das Regime der Roten Khmer wurde von «Bruder Nummer Eins» Pol Pot angeführt, der 1998 starb. Unter seiner Herrschaft wurden von 1975 bis 1979 zwei Millionen Menschen in dem südostasiatischen Land durch Zwangsarbeit, Hungersnöte und Hinrichtungen getötet - ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung.

Die Roten Khmer wollten einen kommunistischen Agrarstaat errichten und zwangen dafür die Bevölkerung, aus den Städten aufs Land zu ziehen. Beendet wurde die Schreckensherrschaft der Roten Khmer durch einen Truppeneinmarsch aus dem benachbarten und ebenfalls kommunistischen Vietnam.

Verurteilt wurde bisher nur der einstige Folterchef der Roten Khmer, Kaing Guek Eav alias Duch. Der einstige Chef des Tuol-Sleng-Gefängnisses wurde Anfang vergangenen Jahres von dem Sondertribunal zu lebenslanger Haft verurteilt. (sda)

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