Rote Moschee von Islamisten gesäubert

Aktualisiert

Rote Moschee von Islamisten gesäubert

Nach fast zweitägigen Kämpfen haben pakistanische Sicherheitskräfte die Rote Moschee in Islamabad vollständig unter ihre Kontrolle gebracht.

Es befänden sich keine militanten Islamisten mehr in der Moschee, erklärte ein Militärsprecher am Mittwochnachmittag. «Die Operation ist vorbei», sagte Ministerpräsident Shaukat Aziz. Bis kurz zuvor erschütterten noch einzelne Schüsse und Explosionen das Gelände in der pakistanischen Hauptstadt.

Die Leichen von 73 mutmasslichen Islamisten seien geborgen worden, erklärte Armeesprecher Waheed Arshad. Leichen von Frauen und Kindern seien nicht in dem Komplex gefunden worden, allerdings seien einige der Toten bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Alle Getöteten seien den Zivilbehörden übergeben worden. Das Gelände werde nun nach Sprengfallen und Minen durchsucht.

Die Streitkräfte hatten keine Angaben dazu gemacht, wie viele Menschen sich in der Moschee und den angrenzenden Koranschulen aufhielten. Es hiess lediglich, seit dem 3. Juli seien 1.300 Menschen aus dem Gebäude geflüchtet. Aber auch bei Beginn der Erstürmung, der «Operation Stille», in der Nacht zum Dienstag hielten die Islamisten offenbar noch Frauen und Kinder sowie junge Männer fest. Verwandte warteten am Mittag verzweifelt auf Informationen über den Verbleib ihrer Angehörigen.

Unter den getöteten Aufständischen ist auch der radikale Geistliche Abdul Rashid Ghazi. Er galt als ein Anführer der Bewegung, die in Pakistan ein islamistisches System nach dem Vorbild der gestürzten Taliban in Afghanistan errichten will. Sein Leichnam wurde nach Angaben des Innenministeriums im Kellergeschoss der Koranschule für Frauen gefunden. Der Tote sei dem Innenministerium übergeben worden, sagte Generalmajor Arshad. Ghazi hatte sich bis zuletzt geweigert aufzugeben. Bei der Erstürmung der Moschee wurden nach Militärangaben auch zehn Soldaten getötet.

Den Unruhen, die mit Strassenschlachten vor der Moschee am 3. Juli begannen und zur Belagerung seitens der Streitkräfte führten, sind insgesamt mehr als 100 Menschen zum Opfer gefallen. Die Rote Moschee gilt als Hochburg des Widerstands gegen den USA-freundlichen Kurs des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf.

Aus Protest gegen die Militäraktion gingen bereits am Dienstag zahlreiche Pakistaner auf die Strasse. In Peshawar kam es am Mittwoch erneut zu islamistischen Protesten. «Tod für Musharraf», riefen die Teilnehmer.

Im benachbarten Afghanistan forderte der ranghohe Taliban-Kommandeur Mansur Dadullah die Muslime auf, Selbstmordanschläge auf die pakistanischen Sicherheitskräfte zu verüben. Die Erstürmung der Moschee sei ein grausamer Akt, sagte er der Nachrichtenagentur AP. «Ich hätte 10.000 Mudschahedin geschickt, um die Schüler (in der Roten Moschee) zu unterstützen.»

Die USA stellten sich hinter die Entscheidung Musharrafs, die Moschee zu stürmen. Den Extremisten sei genug Zeit eingeräumt worden, erklärte das Aussenministerium in Washington. Präsident George W. Bush bekräftigte sein Vertrauen in den Kampf Musharrafs gegen Extremisten. (dapd)

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