Roter Kristall nach umstrittener Abstimmung beschlossen
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Roter Kristall nach umstrittener Abstimmung beschlossen

Die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung hat ein neues Logo: Israel wird unter dem Emblem des «Roten Kristalls» und nach einer Abstimmungsniederlage der arabischen Länder Mitglied der humanitären Organisation.

An der Rotkreuz-Konferenz in Genf stimmten die Vertragsstaaten in der Nacht auf Donnerstag der Aufnahme des dritten Emblems zu.

Damit ermöglichen sie die Aufnahme Israels in die Rotkreuz- Bewegung. 98 Staaten stimmten zu, 27 dagegen und 10 enthielten sich der Stimme. Nein gestimmt hatten neben arabischen Ländern auch Iran, China, Nordkorea und Kuba.

Mit dem nun angenommenen dritten Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen gibt es fortan nebem dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond als drittes Emblem den Roten Kristall.

Kein Konsens

Die Schweiz, welche den Konferenzvorsitz innehatte, sah sich zur Abstimmung gezwungen, da sich kein Konsens unter allen Vertragsstaaten abgezeichnet hatte. Zur Annahme war eine Zwei- Drittel-Mehrheit nötig.

Die am Montag eröffnete Konferenz war durch den Widerstand Syriens blockiert worden. Damaskus forderte, dass die 25 000 Syrer auf den Golan-Höhen von der Hilfe des Syrischen Halbmondes erreicht werden. Dieses Gebiet wurde 1981 von Israel annektiert. Israel lehnte dies ab.

Syrien kritisiert Schweiz

Syrien kritisierte denn auch, dass es zu einer Abstimmung kam. Zum ersten Mal sei ein humanitäres Abkommen nicht im Konsens verabschiedet worden, sagte der syrische UNO-Botschafter Baschar Jaafari. Er warf der Schweiz vor, die Konferenz schlecht geleitet zu haben.

Der Konferenzleiter, der Schweizer Botschafter Blaise Godet, seinerseits sprach aber von einer Krönung monatelanger Anstrengungen. Eine Konsenslösung wäre klar vorzuziehen gewesen. Dies sei aber nicht möglich gewesen, sagte Godet in Genf nach der Abstimmung gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Schweiz habe alles versucht um eine Einigung zu erzielen, ergänzte Botschafter Didier Pfirter. Es habe aber nicht zugelassen werden können, dass die Konferenz «Geisel eines bilateralen Konflikts» werde, sagte Pfirter, der seit März Gespräche zwischen den verschiedenen Parteien zum dritten Emblem geführt hatte.

IKRK-Präsident Jakob Kellenberger sprach von einer Stärkung des humanitären Rechts und der Universalität des Roten Kreuzes. Er wies auch auf die klare Stimmenmehrheit für den Roten Kristall hin.

Den Ausschlag für das dritte Emblem gab Israel. Es forderte bei der Revision der Rotkreuz-Konventionen 1949 vergeblich, den Roten Davidstern als offizielles Symbol anzuerkennen. Widerstand kam vor allem von arabischen Staaten. Sie forderten ein Emblem, das frei von religiösen oder politischen Inhalten ist.

Konferenz für Statutenänderung

Im Anschluss an die Abstimmung beschloss die Ständige Kommission des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds, für 2006 eine internationale Konferenz einzuberufen. Dann sollen die Statuten geändert werden, wie die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung in einem Communiqué mitteilte.

Daran teilnehmen werden die Vertragsstaaten der Genfer Abkommen, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die 183 nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.

Notiz: Die Meldung bsd008 ist in den Abschnitten 6, 7 und 8 mit Reaktionen der Schweizer Delegation ergänzt worden. Neu sind die letzten zwei Abschnitte.

(sda)

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