Tag des Kusses - Roter Lippenstift hat eine erstaunliche Geschichte
Roter Lippenstift hat eine lange Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich.

Roter Lippenstift hat eine lange Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich.

Pexels/Sam Lion
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Tag des KussesRoter Lippenstift hat eine erstaunliche Geschichte

Zum Tag des Kusses roten Lippenstift auftragen? Heute geht das – doch das war nicht immer so. Wir haben mal recherchiert und die Geschichte der wohl populärsten Lippenfarbe zusammengetragen.

von
Malin Mueller

Audrey Hepburn sagte einmal «Es gibt für jede Frau den richtigen Rotton», Cliff Richards besang die küssenswürdigen roten Lippen seiner Partnerin. Die Farbe der Liebe auf dem Kussmund hat eine lange Tradition und ist bis heute populär. Für viele ihrer Trägerinnen ist sie zum Markenzeichen geworden. Dabei hat sie schon einiges mitgemacht – Tausende von Jahren Geschichte hinterlassen ihre Spuren.

Gestein vs. Insektenpaste

Wer genau damit anfing, seine Lippen in verführerisches Rot zu tauchen, ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Einige Forschende tippen auf die Sumerer, ein Volk, das im dritten Jahrtausend v. Chr. im südlichen Mesopotamien lebte. Sie nutzten rotes Gestein, das sie zu Puder verarbeiteten, um verschiedene Stellen am Körper zu färben.

Andere geben den Ägyptern, etwa 2500 v. Chr. den Credit. Ihr Beauty-Secret für tolle Lippen: Eine rote Paste aus Schildläusen – das berühmt-berüchtigte Karmin, das bis heute in einigen Lippenstiften zu finden ist. Auch die Han-Dynastie und die alten Römer feiern den Trend, als er aufkommt. So weit, so unspektakulär.

Hexenwerk oder einfach schön?

Das wilde Auf und Ab um Lippenrot nimmt in der westlichen Welt seinen Lauf, als die Kirche mehr und mehr an Bedeutung gewinnt und Make-up als Form der Teufelsanbetung abtut. Mit etwas Pech kann man mit einem gefärbten Kussmund also schonmal auf dem Scheiterhaufen landen. Zumindest, bis die Influencer von damals – die Adligen – entscheiden, dass Lippenstift jetzt in ist. Queen Elizabeth die Erste ist ein bekennender Fan.

Mitte des 17. Jahrhunderts folgt: der Puritanismus (du weisst schon, das «American Gothic»-Gemälde mit der Heugabel, die abgebildeten Bauern gelten als Sinnbild für die Bewegung), Make-up ist out. Einige Jahre später kommt die Monarchie nach dem Bürgerkrieg in England wieder zurück an die Macht, Make-up ist wieder in.

Gute 100 Jahre danach verliert mit Marie Antoinette eine Make-up-Liebhaberin ihren Kopf durch die Guillotine und die Begeisterung geht merklich zurück. Noch mehr, als Queen Victoria Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Platz als frühe Influencerin antritt – und so gar nicht auf roten Lippenstift steht. Also tut es auch sonst niemand. Die Ausnahmen, die vom auffälligen Look profitieren und dem Lippenstift treu bleiben, sind Prostituierte und Schauspielerinnen.

Aufschwung durch den Film

Übrigens: Von einem tatsächlichen Stift, wie wir ihn heute kennen, sind wir noch weit entfernt. Dosen mit Wachs und Puder halten her, bis Guerlain 1870 den ersten festen Stift erfindet und seinen Luxuskunden damit eine Freude macht. Mit den Jahren holen andere Beautyhäuser auf, der Stift wird günstiger und die Schauspielerinnen wechseln von der Bühne auf die Leinwand. Siehe da, eine neue Generation an Influencern ist geboren. Und anders als die Königin steht diese extrem auf die roten Beautywunder.

Rot wird massentauglich

Von da an läuft es langsam etwas smoother für unseren Freund, den roten Lippenstift: Neben den Filmstars und ihren Fans greifen 1912 auch amerikanische Frauenrechtlerinnen den Trend auf. Sie wollen damit ein Zeichen des Protestes setzen, als sie für ihr Stimmrecht auf die Strasse gehen. Die Nachfrage lässt auch das Angebot steigen: Lippenstifte kommen plötzlich edel verpackt und zum Herausschieben aus Metallhülsen. Sie können bedenkenlos in die Handtasche wandern und damit sogar in der Öffentlichkeit aufgetragen werden. Dazu kommt der wachsende Einfluss von Hollywood, Werbeanzeigen, die plötzlich in Farbe gedruckt werden können und eine Industrie, die eine Chance wittert, viel Geld zu machen. Die 1920er sind das goldene Zeitalter des Lippenstifts.

Der Lippenstift-Effekt

Danach kann nicht einmal mehr der Weltkrieg seinen Siegeszug stoppen. Als das Geld knapp wird, versuchen viele, sich mit dem Kauf des verhältnismässig günstigen Luxus-Gegenstands etwas Normalität zurückzukaufen – das Phänomen trägt den Namen Lippenstift-Effekt.

In den USA gehört das knallige Rot ausserdem fix zur Ausrüstung der weiblichen Marine-Mitglieder (Fun Fact: Sie bekommen ein standardisiertes Make-up-Set von Elizabeth Arden) und steht für Patriotismus. Danach geht es nur weiter aufwärts. Bis zur Corona-Krise wechseln zwar die Texturen, Formulierungen und Finishes – die Farbe Rot lässt sich aber nie ganz aus den Regalen verdrängen. Bis im letzten Jahr die Maske kam.

Und auch, wenn sie noch nicht ganz aus unserem Leben wegzudenken ist: Heute am Tag des Kusses wäre doch eine gute Gelegenheit, mal wieder etwas Rot aufzulegen, oder?

Welche Lippenstift-Farbe ist dein Favorit? Verrate es uns in den Kommentaren!

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