Überraschende Beobachtung - Rottet die verhasste Aga-Kröte sich nun selbst aus?
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Überraschende BeobachtungRottet die verhasste Aga-Kröte sich nun selbst aus?

Die Aga-Kröte kommt ursprünglich aus Südamerika, wurde jedoch nach Australien gebracht, wo sie zur Plage wurde. Jetzt greif sie sich selbst an.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Aga-Kröten sind gross, sehen garstig aus und sind es auch.

Die Aga-Kröten sind gross, sehen garstig aus und sind es auch.

Flickr.com/Sam Fraser-Smith/CC BY 2.0
Die ursprünglich vom amerikanischen Kontinent stammenden Aga-Kröten breiten sich in Australien unkontrolliert aus und gefährden dort die einheimischen Tierarten. Wo sie auftauchen, sterben mehr als 90 Prozent der einheimischen krötenfressenden Säugetiere und Reptilien.

Die ursprünglich vom amerikanischen Kontinent stammenden Aga-Kröten breiten sich in Australien unkontrolliert aus und gefährden dort die einheimischen Tierarten. Wo sie auftauchen, sterben mehr als 90 Prozent der einheimischen krötenfressenden Säugetiere und Reptilien.

Wikimedia Commons/LiquidGhoul/CC BY-SA 3.0
Nun könnte sich das Problem auf natürliche Weise lösen: Australische Forscher haben nachgewiesen, dass die Tiere sich zu Kannibalen entwickelt haben. 

Nun könnte sich das Problem auf natürliche Weise lösen: Australische Forscher haben nachgewiesen, dass die Tiere sich zu Kannibalen entwickelt haben.

Getty Images/imageBROKER RF

Darum gehts

  • Die ursprünglich aus Südamerika stammende Aga-Kröte ist sich in Australien selbst zum grössten Feind geworden.

  • Zu diesem Schluss kommen Forschende der University of Sydney.

  • Der Grund: Die Tiere haben sich zu Kannibalen entwickelt.

  • Doch das ist nicht die einzige Überraschung.

Die Aga-Kröte (Rhinella marina) ist in Australien regelrecht verhasst. Denn die im letzten Jahrhundert zur Bekämpfung von Zuckerrohrkäfern aus Südamerika importierte Amphibie breitet sich dort unkontrolliert aus (siehe Bildstrecke) und gefährdet so die einheimischen Tiere.

Kleinere Arten werden von den bis zu 22 Zentimeter grossen Kröten verputzt, grössere Tiere wie Krokodile sterben an dem Gift, das die Agas bei drohender Gefahr absondern. Ausserdem sterben dort, wo sie auftauchen, mehr als 90 Prozent der krötenfressenden Säugetiere und Reptilien. Doch alle Versuche des Menschen, die eingeschleppte Art wieder loszuwerden, schlugen fehl. Auch der Ansatz, sie zu verwursten, war nicht von Erfolg gekrönt. Ebensowenig wir der, sie mithilfe von Fleischameisen loszuwerden.

Plötzlich Kannibalen

Doch möglicherweise löst sich das Problem auch ohne Zutun des Menschen: Denn die Aga-Kröten haben sich zu Kannibalen entwickelt und sind damit für sich selbst zum grössten Feind geworden, wie Forschende um Jayna DeVore von der University of Sydney im Fachjournal «Pnas» berichten. Besonders die jungen Tiere würden einander fressen. Einige ihrer Kaulquappen können ausreichen, um mehr als 99 Prozent der Individuen aus einem Gelege zu töten – das sind Zehntausende Eier.

DeVore und ihre Kollegen untersuchten, ob dieses kannibalische Verhalten bei allen Agas üblich ist oder ob diese Verhaltensweise den eingeführten australischen Kröten eigen ist. Dazu haben die Forscher Kaulquappen aus Australien mit solchen aus Südamerika verglichen. Es zeigte sich, dass australische Exemplare 2,6-mal häufiger Jungtiere fressen als südamerikanische.

Der Schlüssel für dieses Verhalten liegt im Geruch der Haut: «Durch die giftigen Bufotoxine werden australische Kaulquappen viel stärker vom Geruch ihrer Artgenossen angezogen», zitiert «Nature» den Evolutionsbiologen und Studien-Co-Autor Rick Shine. «Es kommt zu einer riesigen Lawine abertausender winziger Kaulquappen, die sich auf diese Chemikalie stürzen.»

Schnellere Entwicklung als Abwehrmechanismus

Überraschend sei vor allem das Tempo, in dem die Tiere das kannibalistische Verhalten entwickelt haben, schreiben die Forschenden. Denn normalerweise sollte sich die Verhaltensweise einer Art in einem Zeitraum von knapp 100 Jahren nicht wesentlich ändern. Dass das bei den Agas in Australien deutlich schneller ablief dürfte dem grossen evolutionären Druck geschuldet sein, dem die Tiere dort ausgesetzt sind. Die australischen Exemplare sind laut DeVore so zahlreich geworden, dass der Wettbewerb um Ressourcen merklich an ihnen nagt.

Doch nicht nur das Tempo, mit dem sich die Kröten zu Kannibalen entwickelt haben, ist laut dem Forschungsteam beeindruckend, sondern auch wie schnell die Tiere eine Gegenstrategie entwickelt haben: So verkürzen sie offenbar ihre Entwicklungsperiode, um möglichst schnell zu den fortgeschrittenen Kaulquappen zu gehören und nicht mehr wie frisch geschlüpfte Tiere zu wirken. Der Grund: Ältere Kaulquappen neigen nicht dazu, ältere Kaulquappen zu fressen. Entsprechend verkürzt sich die Phase, die sie anfällig für Kannibalismus macht.

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