Aktualisiert 17.04.2019 12:58

RS-Entlassungen«RS-Kommandant verhält sich unwürdig»

Ein RS-Kommandant entlässt mehrere Soldaten, weil sich diese für den Zivildienst interessierten. Sicherheitspolitiker sind erstaunt.

von
daw
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A. D.* (20) war Soldat in der Rekrutenschule Elektronische Kriegsführung in Jassbach BE – bis  Donnerstagmorgen. Dann wurden er und vier andere Soldaten per sofort entlassen.

A. D.* (20) war Soldat in der Rekrutenschule Elektronische Kriegsführung in Jassbach BE – bis Donnerstagmorgen. Dann wurden er und vier andere Soldaten per sofort entlassen.

Keystone/Peter Schneider
Sie hatten sich für den Zivildienst angemeldet. Im Schreiben begründet der Schulkommandant die Entlassung damit, dass er einen weiteren Einsatz nicht verantworten könne. (Symbolbild)

Sie hatten sich für den Zivildienst angemeldet. Im Schreiben begründet der Schulkommandant die Entlassung damit, dass er einen weiteren Einsatz nicht verantworten könne. (Symbolbild)

Keystone/Christian Beutler
Dabei sollten die Soldaten die Ausbildung zum Wachtmeister absolvieren. Sie schickten ein Gesuch zur Zulassung zum Zivildienst ab, weil sie damit nicht einverstanden waren. (Symbolbild)

Dabei sollten die Soldaten die Ausbildung zum Wachtmeister absolvieren. Sie schickten ein Gesuch zur Zulassung zum Zivildienst ab, weil sie damit nicht einverstanden waren. (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally

Fünf Soldaten in der Funkaufklärer-Rekrutenschule der Armee schienen zu Höherem berufen: Sie sollten weitermachen und Wachtmeister werden. Am Dienstag wurden sie vom Schulkommandanten aber per sofort entlassen. Das schludrige Entlassungsschreiben an einen der Soldaten – es ist voller Rechtschreibfehler – liegt 20 Minuten vor. Die Begründung: Die Anmeldung zum Zivildienst-Infotag zeige offensichtlich, dass der Armeeangehörige den Dienst nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne.

Klar ist: Die Armee hat ein Problem damit, genügend Soldaten für Kaderpositionen zu gewinnen. Der Bundesrat will darum das «Abschleichen» in den Zivildienst erschweren (siehe Box). Das Problem zeigt sich auch in Zahlen: Allein im 1. Quartal 2019 wechselten 896 Armeeangehörige vor oder nach bestandener RS in den Zivildienst.

«Strafaktionen sind der falsche Weg»

Für Sicherheitspolitiker wirft die Entlassung der Soldaten kurz vor Ende der RS Fragen auf. Scharfe Kritik übt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, die auch Vorstandsmitglied des Zivildienstverbandes Civiva ist. «Die Armee hat nur eine Chance, die Leute bei der Stange zu halten, wenn sie diese für den Dienst motivieren kann. Dafür braucht es gute Vorgesetzte.» «Zwang und fragwürdige Strafaktionen» wie die Entlassungen seien hingegen der völlig falsche Weg.

Die Teilnahme am Zivildienst-Einführungstag müsse auch für Soldaten möglich sein. «Die Armee will ja mündige Leute in den Kaderpositionen. Dazu zählt, dass sie sich ein eigenes Bild machen können.» Das Verhalten des Kommandanten sei darum «unsinnig, unprofessionell und unwürdig».

SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf überrascht die Reaktion des Kommandanten. «Er scheint brüskiert zu sein, weil die Soldaten nicht weitermachen wollen.» Möglicherweise habe er mit den Entlassungen weitere Wechselwillige abschrecken wollen. «Ich verstehe die Armee, dass es ärgerlich ist, wenn man Leute verliert, die man mühsam ausgebildet hat.» Die Armee müsse aber selbst attraktiver für junge Männer werden, um das Problem zu lösen.

«Wehrpflicht wird zunehmend unterlaufen»

FDP-Nationalrat Walter Müller will den Fall nicht kommentieren, da er die Hintergründe nicht kenne. Er sagt aber: «In der Schweiz gilt immer noch die allgemeine Wehrpflicht. Leider wird diese zunehmend unterlaufen.»

Für ihn zeige der Vorfall, dass die Revision des Zivildienstgesetz nottue, um «Klarheit zu schaffen». Dieses sieht höhere Hürden für einen Wechsel von der Armee in den Zivildienst vor.

Armee-Sprecher Daniel Reist nimmt im Interview Stellung zum Fall.

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