Aktualisiert 18.11.2019 10:04

Defizit

Ruag baut Flieger, jetzt will sie die Sparte verkaufen

Der bundeseigene Rüstungskonzern Ruag ist 2003 in den Flugzeugbau eingestiegen. Nun will das Unternehmen die deutsche Tochterfirma Ruag Aerospace Services loswerden.

von
rab
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Der staatliche Rüstungskonzern Ruag ist 2003 in den Flugzeugbau eingestiegen.

Der staatliche Rüstungskonzern Ruag ist 2003 in den Flugzeugbau eingestiegen.

Keystone/Thomas Delley
Nun will der Konzern «unnötigen Ballast» loswerden. Zu diesem zählt nun offenbar auch die zweimotorige Propellermaschine Dornier 228...

Nun will der Konzern «unnötigen Ballast» loswerden. Zu diesem zählt nun offenbar auch die zweimotorige Propellermaschine Dornier 228...

epa/Etienne Laurent
...und mit ihr die in Deutschland ansässige Tochterfirma Ruag Aerospace Services, die 450 Mitarbeiter beschäftigt.

...und mit ihr die in Deutschland ansässige Tochterfirma Ruag Aerospace Services, die 450 Mitarbeiter beschäftigt.

Vergangenen Frühling hat der Bundesrat entschieden, den bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag in die Freiheit zu entlassen. Dazu spaltet er ihn ab 2020 in zwei Unternehmen auf. Das eine (genannt MRO Schweiz) soll wie bisher Leistungen für das VBS erbringen, dazu gehören etwa Wartungen und Reparaturen sowie die Instandhaltung der Kampfjets.

Die privatisierte Ruag International dagegen bündelt die Aerospace-Aktivitäten sowie die Bereiche Cyber oder die Ruag Ammotec. Die Munitionsfabrik Ruag Ammotec soll mittelfristig ganz verkauft werden. Wie die NZZ schreibt, will der Konzern basierend auf diesem Entscheid nun «unnötigen Ballast» loswerden.

Zu diesem zählt offenbar auch die zweimotorige Propellermaschine Dornier 228, die in Luftfahrtkreisen Legendenstatus geniesst. Sie wird durch die in Deutschland ansässige Tochterfirma Ruag Aerospace Services gebaut, die 450 Mitarbeiter beschäftigt. «Der Verkaufsprozess für das Werk ist initiiert», bestätigt Ruag-Sprecher Clemens Gähwiler gegenüber der Zeitung. Unter den Projektnamen «Mars» und «Dragon» bietet der Bundesbetrieb derzeit die Wartungs- und Flugzeugbausparte des Unternehmens an.

Fast ausnahmslos rote Zahlen geschrieben

Seit Aufnahme der Produktion der Dornier 228 soll Ruag Aerospace Services fast ausnahmslos rote Zahlen geschrieben haben. Insgesamt hat das Unternehmen gemäss der «Handelszeitung» so von 2008 bis 2017 nicht weniger als 72 Millionen Franken Verlust angehäuft.

Wie die NZZ weiter schreibt, habe diese Rechnung nur aufgehen können, weil diese Verluste querfinanziert worden seien. So soll die Ruag der Schweizer Armee über Jahre hinweg überhöhte Rechnungen für den Unterhalt des Flugparks der Schweizer Luftfahrt ausgestellt, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) diesen Sommer feststellte.

Deshalb ist die Ruag in den Flugzeugbau eingestiegen

Weil das VBS und somit die Schweizer Armee immer weniger Leistungen bei der Ruag bezogen hat, ist das Unternehmen 2003 schliesslich in den Flugzeugbau eingestiegen. Als der deutsch-amerikanische Flugzeugbauer Fairchild-Dornier Insolvenz anmeldete, soll sich der Rüstungskonzern die Rechte am Flugzeugtyp Dornier 228 gesichert und diesen mit Ausnahme von Rumpf und Tragflächen rundum erneuern lassen haben.

Doch seit der Aufnahme der Produktion vor zehn Jahren soll der Bestellungseingang nur schleppend verlaufen sein. Zudem habe man mit Qualitätsproblemen und Lieferschwierigkeiten zu kämpfen gehabt.

So wartet zum Beispiel die venezolanische Regierung noch immer auf sieben von 2013 insgesamt zehn bestellten Maschinen, die die indigene Bevölkerung in entlegenen Gebieten des Landes versorgen sollten. Der südamerikanische Staat soll eine Vorauszahlung von rund 52 Millionen Franken geleistet haben, was der Hälfte des Auftragsvolumens entsprach.

Schliessung würde mindestens 100 Mio. Euro kosten

Für das Unternehmen dürfte es nicht nur deshalb schwierig werden, einen Käufer für die deutsche Aviatik-Tochter zu finden. Eine Schliessung der Luftfahrtsparte käme die Ruag laut der NZZ jedoch teuer zu stehen. Gemäss einer betriebsinternen Untersuchung würde dies den Bundesbetrieb 85 Millionen Euro kosten. «Da das Unternehmen seither weitere Verluste angehäuft hat, dürfte dieser Betrag mittlerweile wohl mindestens 100 Millionen Euro betragen», schreibt die Zeitung.

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