Rüstungsindustrie: RUAG wird ziviler

Aktualisiert

RüstungsindustrieRUAG wird ziviler

Der Rüstungs- und Technologiekonzern RUAG hat 2012 weiter ins zivile Geschäft und ins Ausland expandiert. Der Bund erhält vom Gewinn 20 Millionen Franken.

Ruag Space in Zürich stellt Nutzlastverkleidungen für Raketen her.

Ruag Space in Zürich stellt Nutzlastverkleidungen für Raketen her.

Der Rüstungs- und Technologiekonzern RUAG hat 2012 weiter ins zivile Geschäft und ins Ausland expandiert. Der Reingewinn ist aber wegen Belastungen aus der verkauften Oberflächenbearbeitung in Altdorf um 16,9 Prozent auf 81 Mio. Fr. gesunken.

Die RUAG musste Abschreiber von 12 Mio. Fr. und einen operativen Verlust von 6 Mio. Fr. auf das Geschäft verbuchen, welches per 1. September 2012 mit allen gut 100 Angestellten von der deutschen Impreglon übernommen worden ist. Ohne diese Belastungen wäre der Konzerngewinn um 2 Mio. Fr. gestiegen. Als Alleineigentümerin erhält die Eidgenossenschaft unverändert 20 Mio. Fr. vom Gewinn.

Grossprojekte ausgelaufen

Verwaltungsratspräsident und -delegierter Konrad Peter zeigte sich an der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag in Zürich mit den Jahresresultaten zufrieden, insbesondere weil mit RUAG Technology auch noch die fünfte Division profitabel geworden ist. Hier hätten sich Produktivitätsfortschritte vor allem im Flugzeugstrukturbau in Emmen LU und im bayerischen Oberpfaffenhofen ausgewirkt.

Gesunken ist der Gewinn in der Rüstungs-Division RUAG Defence, da Grossprojekte wie die Werterhaltung der Leopard-Panzer oder von Geniepanzern ausgelaufen sind. In Thun wurden deshalb rund 50 von 950 Stellen abgebaut. Gruppenweit bleib der Personalbestand unverändert bei 7739 Mitarbeitenden.

Zwei Übernahmen

Denn die RUAG expandierte auch: Sie übernahm die Rüstungskommunikation der Ascom im März und stärkte kurz vor Weihnachten den Flugzeugunterhalt mit dem Kauf der australischen Rosebank.

Die Übernahme der Ascom-Sparte erhöhte den Umsatz um 1,1 Prozent. Insgesamt nahmen die Verkaufserlöse um 1,6 Prozent auf 1,741 Mrd. Fr. zu. Der Anteil des zivilen Geschäfts stieg von 48 auf 50 Prozent und der Ausland-Anteil von 53 auf 56 Prozent.

Mit der Expansion will die RUAG dem rückläufigen Auftragsvolumen der Schweizer Armee begegnen. Diese Strategie solle ermöglichen, dass die RUAG den Grundauftrag der Ausrüstung und Wartung der technischen Systeme der Schweizer Armee weiterhin effizient erfüllen könne, sagte Peter.

Breite Palette

Als Beispiele für Erfolge im Raumfahrtgeschäft nannte er die gelieferten Nutzlastverkleidungen für die Atlas-V-Rakete der Mars-Mission und für die neue europäische Trägerrakete Vega sowie hochpräzise GPS-Empfänger für den NASA-Satelliten ICE-Sat-2 zur Vermessung der globalen Eismassen.

In der Luftfahrt will die RUAG etwa bei den Kabinenausstattungen für Geschäftsflieger und Helikopter sowie bei Komplettlackierungen expandieren. Das Unternehmen ist auch an der Entwicklung des neuen A320 beteiligt, liefert Rümpfe und Flügel für das Pilatus-Trainingsflugzeug PC-21 und stösst im Geschäft mit Kommunikationsprodukten für Sicherheitskräfte vor.

Bleifreie Patrone

Hoffnungen setzt das Unternehmen in die entwickelte bleifreie Büchsenpatrone für die Jagd und in unbemannte Landfahrzeuge für Armeen. Ein Grossauftrag ist die Generalüberholung von Super-Puma-Helikoptern der Schweizer Armee. Trotzdem ist der gesamte Auftragseingang um 6,3 Prozent auf 1,612 Mrd. Fr. gesunken.

Geleitet wird das operative Geschäft ab 1. April, wie bereits bekannt gegeben, vom neuen CEO Urs Breitmeier. Konrad Peter konzentriert sich auf das Verwaltungsratspräsidium. Noch nicht unter Dach ist der geplante Verkauf der Metallbearbeitung in Altdorf. Es gebe aber Interessenten, sagte Peter. (sda)

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