Russischer Tennis-Star: Rublew stellte sich gegen den Krieg – trotzdem darf er nicht nach Wimbledon

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Russischer Tennis-StarRublew stellte sich gegen den Krieg – trotzdem darf er nicht nach Wimbledon

Nach dem Entscheid der Wimbledon-Organisatoren, russische und belarussische Tennisprofis vom Grand-Slam-Turnier in London auszuschliessen, schimpft Weltnummer 8 Andrei Rublew über die Sanktionen.

von
Florian Gnägi
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Andrei Rublew kann den Ausschluss russischer und belarussischer Tennisprofis in Wimbledon nicht verstehen.

Andrei Rublew kann den Ausschluss russischer und belarussischer Tennisprofis in Wimbledon nicht verstehen.

Pool via REUTERS
Die Weltnummer 8 stellt in den Raum, dass die russischen Profis sogar bereit wären, auf das komplette Preisgeld in Wimbledon zu verzichten.

Die Weltnummer 8 stellt in den Raum, dass die russischen Profis sogar bereit wären, auf das komplette Preisgeld in Wimbledon zu verzichten.

AFP
US-Open-Champion Daniil Medwedew wird Wimbledon nach dem Ausschluss-Entscheid ebenso verpassen …

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Darum gehts

  • Wegen des Krieges in der Ukraine lassen die Wimbledon-Organisatoren keine russischen Spielerinnen und Spieler antreten.

  • Der russische Tennisstar Andrei Rublew kritisiert den Entscheid heftig.

  • Für ihn sei der Ausschluss diskriminierend.

  • Die WTA soll derweil ihrerseits Sanktionen gegen Wimbledon erwägen.

Ende Februar gingen die Bilder um die Welt, als Andrei Rublew beim Turnier in Dubai ein Kameraobjektiv mit der Botschaft «No War Please» signierte. Der Russe positionierte sich öffentlich gegen Krieg, wird nun aber wie alle anderen russischen und belarussischen Profis vom Grand-Slam-Turnier in Wimbledon ausgeschlossen.

«Die Gründe, die sie uns genannt haben, ergaben keinen Sinn. Sie waren nicht logisch», sagte der Tennisstar am Donnerstag über den Entscheid der Wimbledon-Organisatoren und meint spürbar erzürnt: «Was jetzt passiert, ist eine komplette Diskriminierung gegen uns.»

Am Rande des ATP-Turniers in Belgrad berichtete die Weltnummer 8, dass er und andere betroffene Spieler sich bereits telefonisch mit den Wimbledon-Bossen  ausgetauscht hätten. «Ich habe ihnen erklärt, dass wir wirklich helfen wollen», erzählt Rublew und tönt sogar an, dass er bereit wäre, das gesamte Preisgeld für humanitäre Hilfe für die leidenden Familien im Krieg zu spenden. 

«Sind nicht hier, um über Politik zu sprechen»

Der Russe betont in seinem Statement mehrfach, dass er mit Politik nichts am Hut habe und sich nur aufs Tennis spielen konzentrieren wolle. «Wir sind nicht hier, um über Politik zu sprechen. Am Ende des Tages bin ich Russe und möchte nur zeigen, dass wir gute Menschen sind», so der 24-Jährige.

Beim Turnier in Dubai positionierte sich Andrei Rublew mit einer «No-War-Botschaft» gegen den Krieg.

TSN

Nicht nur Rublew kritisiert den Entscheid des All England Club, auch der belarussische Tennisverband (BTF) zeigt sich erzürnt über den Ausschluss seiner Profis. «Der Tennisverband von Belarus verurteilt die Entscheidung kategorisch», heisst es in einem Statement des BTF und weiter: «Solch destruktive Schritte helfen in keinster Weise, den Konflikt zu lösen, sondern führen nur zu Hass und Intoleranz.» Novak Djokovic betitelte den Ausschluss-Entscheid derweil als «verrückt».

Kurz nach Bekanntgabe des Beschlusses der Wimbledon-Organisatoren hatten sich bereits die ukrainischen Spieler und Spielerinnen Elina Switolina, Marta Kostyuk und Sergiy Stakhovsky auf Social Media zu Wort gemeldet und von den russischen Profis gefordert, sich öffentlich noch stärker gegen den Krieg zu positionieren. 

WTA erwägt Sanktionen gegen Wimbledon

Gemäss einem Bericht der französischen Sportzeitung «L’Equipe» soll die Frauentennis-Organisation WTA nun selbst Sanktionen gegen Wimbledon in Erwägung ziehen. WTA-Boss Steve Simon verurteile zwar die russische Invasion in die Ukraine, verweise aber auf den Fakt, wonach noch nie einem Spieler oder einer Spielerin die Teilnahme an einem Turnier wegen der Handlungen ihrer jeweiligen Regierung verwehrt worden sei.

Als mögliche Sanktion stehe im Raum, dass die WTA die Weltranglistenpunkte in Wimbledon nicht zählen lassen würde. Beim Masters-Turnier in Madrid wollen sich Vertreter der WTA und der Spielerinnen mit den Turnierorganisatoren zusammensetzen und über weitere Schritte diskutieren.

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