Aktualisiert 26.04.2020 12:04

Rückkehr aus dem Lockdown

«Klimaanlagen haben wir aus den Räumen verbannt»

Auch das unliebsame Bohren und Ziehen geht am Montag wieder los: Die Schweizer Zahnärzte haben für die Wiedereröffnung ihrer Praxen grünes Licht bekommen. Was hat sich in ihrem Arbeitsalltag geändert?

von
Daniela Gigor
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Trotz intensivem Patientenkontakt soll die Ansteckungsgefahr beim Zahnarzt minimiert werden. Die Schweizer Zahnärzte haben dafür ein strenges Konzept erarbeitet.

Trotz intensivem Patientenkontakt soll die Ansteckungsgefahr beim Zahnarzt minimiert werden. Die Schweizer Zahnärzte haben dafür ein strenges Konzept erarbeitet.

zvg
Zahnarzt Bruno Arnold hat die unterschiedlichsten Schutzmassnahmen in seiner Praxis in Willisau LU umgesetzt. Für ihn ist klar: Ein zweiter Lockdown will er ja nicht riskieren.

Zahnarzt Bruno Arnold hat die unterschiedlichsten Schutzmassnahmen in seiner Praxis in Willisau LU umgesetzt. Für ihn ist klar: Ein zweiter Lockdown will er ja nicht riskieren.

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Während man bislang in Arnolds Wartezimmer aneinandergereiht auf den Aufruf warten musste…

Während man bislang in Arnolds Wartezimmer aneinandergereiht auf den Aufruf warten musste…

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Während des bisherigen Lockdowns waren auch die Schweizer Zahnarztpraxen geschlossen. Behandelt wurde ausschliesslich in Notfällen. Für die Wiedereröffnung am Montag stand für die Zahnärzte in den letzten Tagen jetzt auch eine aufwändige Vorbereitung auf dem Arbeitsplan. Damit die Massenmassnahmen in den Praxen so gut wie möglich eingehalten werden können, hat die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO gemeinsam mit der Vereinigung der Kantonszahnärzte ein umfassendes Schutzkonzept erarbeitet.

Zahnarzt Bruno Arnold aus dem luzernischen Willisau hat auf dieser Grundlage nun ein Hygiene-Konzept für seine Praxis kreiert. «Zu den bisherigen Hygienemassnahmen kommen jetzt noch die Pandemievorgaben des Bundes hinzu. Das heisst im Klartext, dass die nötige Distanz bereits im Wartezimmer beginnt», sagt Arnold. «Pro Tag werden auch weniger Patienten behandelt als üblich. Zwischen jedem Patienten wird das Behandlungszimmer zudem konsequent während 15 Minuten gelüftet. Ausserdem werden wir – wie bereits vor der Corona-Pandemiesämtliche Arbeitsinstrumente laufend sterilisieren», sagt Arnold. Auch sind keine Begleitpersonen im Behandlungszimmer mehr erlaubt.

Zeitschriften sind aus dem Wartezimmer verbannt

Im Wartezimmer sind die Plätze zudem auf weniger als die Hälfte reduziert worden. Weiter liegen im Raum auch keine Zeitungen und Illustrierten mehr auf. Durch das Umblättern der Seiten – vielleicht gar mit dem mit Spucke befeuchteten Finger – könnten nämlich sogenannte Schmierinfektionen einfach übertragen werden.

«Klimaanlagen haben wir aus den Räumen verbannt, weil sie Keimschleudern sind», so Arnold weiter. Ganz wichtig sei auch, dass die Zahnärzte jeweils vor der Behandlung eine sogenannte Covid19-Anamnese machen. Der Zahnarzt stellt den Patienten dabei Fragen, um die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Infizierung beurteilen zu können. Zudem wird sowohl beim Patienten wie auch beim gesamten Team stets die Temperatur gemessen.

«Die erste Zeit war ich in einer Schockstarre»

Zahnarzt Arnold will eine erneute Schliessung der Praxis will nicht riskieren: «Als der Bundesrat am 16. März den Lockdown ausrief, war ich wie erschlagen. Erst war ich in einer Schockstarre, gelähmt und energielos», sagt der 59-Jährige. Er habe sich Sorgen um seine 16 Mitarbeitern gemacht. Was passiert, wenn der Lockdown mehrere Monate dauert, fragte er sich da. «Als der Bundesrat jedoch sagte, ‹wir schauen zu Euch›, kam die grosse Erleichterungdiese Worte gaben mir Hoffnung», erzählt Arnold weiter. In seinen Augen hat der Bundesrat in dieser Situation richtig reagiert. Er würde sich jetzt nie anmassen, die Regierung für ihre Unternehmungen zu kritisieren. Und vor allem ist er jetzt froh, dass aus den befürchteten Monaten des Lockdowns «nur» Wochen geworden sind.

Bei der Rückkehr live dabei

Am Montag kommt es – sechs Wochen nach dem Lockdown – zu einer Teilöffnung. Coiffeure, Kosmetikstudios, Massagesalons, Zahnärzte, Tätowieren sowie Garten- und Baucenter dürfen wieder Kunden empfangen. 20 Minuten berichtet mit Sondersendungen live von dieser ersten Rückkehr aus dem Lockdown. Schau rein oder komm gleich selber vorbei. Dies um 9.00, 12.00 und 17.30 Uhr beim Bauhaus in Zürich und im McDonalds in Burgdorf und beim Coiffeur Aerni in Bern.

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