Abzock-Falle: Rückruf nach Tunesien kostet 499 Franken
Aktualisiert

Abzock-FalleRückruf nach Tunesien kostet 499 Franken

Für höchstens eine halbe Minute hat eine Sunrise-Kundin eine Nummer aus Tunesien zurückgerufen. Auf ihrer Rechnung wird hingegen ein Gespräch von 5 Stunden verrechnet.

von
S. Spaeth
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Teure Rechnung: Die Sunrise-Kundin hat auf eine Mobilfunknummer in Tunesien zurückgerufen. Die Kundin sagt, sie habe das Gespräch nach 30 Sekunden wieder beendet.

Teure Rechnung: Die Sunrise-Kundin hat auf eine Mobilfunknummer in Tunesien zurückgerufen. Die Kundin sagt, sie habe das Gespräch nach 30 Sekunden wieder beendet.

Yannick Debakongo
Laut Sunrise hat die Verbindung aber tatsächlich über fünf Stunden gedauert, wie Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold sagt. Es handle sich also nicht um spezielle Kosten der ausländischen Ping-Call-Nummer. Es sei der Standardtarif von 1.60 Franken pro Minute verrechnet worden.

Laut Sunrise hat die Verbindung aber tatsächlich über fünf Stunden gedauert, wie Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold sagt. Es handle sich also nicht um spezielle Kosten der ausländischen Ping-Call-Nummer. Es sei der Standardtarif von 1.60 Franken pro Minute verrechnet worden.

Keystone/Christian Beutler
Viele Schweizer erhalten derzeit mysteriöse Anrufe aus dem Ausland. Die Masche: Ping Calls. Das Ziel der Betrüger aus Afrika ist, einen Rückruf zu erzwingen.

Viele Schweizer erhalten derzeit mysteriöse Anrufe aus dem Ausland. Die Masche: Ping Calls. Das Ziel der Betrüger aus Afrika ist, einen Rückruf zu erzwingen.

20 Minuten

Eine Welle rätselhafter Anrufe aus Tunesien erreicht derzeit Schweizer Handybesitzer. Wer zurückruft, kann schon mal massiv zur Kasse gebeten werden. 20 Minuten ist in den Besitz einer Rechnung von Sunrise-Kundin R. K.* gelangt, bei der ein Ping Call eine bedeutende Rolle spielt. Der 71-jährigen R. K. wurden für einen Rückruf nach Afrika 499 Franken und 20 Rappen verrechnet.

Auf der Rechnung ist als gewählte Nummer der Anschluss 0021 698 06 15 42 geführt – eine tunesische Mobilfunknummer. Als Anrufdauer weist Sunrise 5 Stunden, 11 Minuten und 55 Sekunden aus. Verrechnet wurde der Tarif für die Ländergruppe 4, der 1.60 Rappen pro Minute beträgt. Zu 20 Minuten sagt die betroffene Kundin: «Der Anruf hat höchstens 30 Sekunden gedauert. Als ich gemerkt habe, dass es sich um ein Callcenter handelt, habe ich aufgelegt.» K. erhält normalerweise eine Rechnung von 90 Franken im Monat – für Mobilfunk, Festnetz und Internet.

«Die Verbindung ist nicht getrennt worden»

Verärgert über die hohe Rechnung für den Monat September, hat sich die Zürcherin an Sunrise gewendet. «Ich war enorm wütend», so K. Das Personal habe versprochen, der Sache auf den Grund zu gehen. Zwei Tage später habe sie den erlösenden Anruf von Sunrise erhalten. «Die Firma teilte mir mit, dass die Rechnung storniert werde.»

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Sunrise, der Kundin die rund 500 Franken für den Anruf nach Tunesien zu erlassen. Die Verbindung habe aber laut den internen Aufzeichnungen tatsächlich über fünf Stunden betragen, sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold. Es handle sich also nicht um spezielle Kosten der ausländischen Ping-Call-Nummer, die eine normale Mobilfunknummer ist. Es sei der Standardtarif (1.60/Min.) verrechnet worden Im Fall von K. sei die Verbindung nicht getrennt worden.

Das kann laut Ziebold ein Software-Fehler beim Handy oder ein anderes Problem auf dem Kundentelefon oder eine Fehlmanipulation sein. «Wir zeigen uns in solchen Fällen kulant, wenn die Angaben des Kunden stimmig sind – beispielsweise, wenn nie sehr lange Gespräche ins entsprechende Land getätigt werden», sagt Ziebold.

Verbindung möglichst lange aufrecht erhalten

Laut Comparis-Telecomexperte Jean-Claude Frick kommt es ab und zu vor, dass sich Kunden wegen Gesprächen beschweren, die sie so gar nicht geführt haben wollen. «Das hängt aber oft auch mit Benutzerfehlern zusammen», so Frick. Besonders störend ist laut dem Experten im konkreten Fall, dass am Anfang ein Ping Call steht mit dem Versuch, einen möglichst langen Rückruf zu provozieren. «Hätte auf der anderen Seite nicht ein Callcenter, sondern ein richtiger Mensch gestanden, hätte dieser nach kurzer Zeit selber aufgelegt», so Frick. Schweizer Mobilfunkkunden sind laut dem Comparis-Experten vor Ping Calls noch immer mangelhaft geschützt, weil bisher die Filterfunktion fehlt.

«Es lohnt sich, jede Rechnung genau zu überprüfen. Es können sich Kosten einschleichen, die man sonst gar nicht bemerkt, sofern die Beträge eher klein sind», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Besonders ärgerlich ist laut SKS, dass die Schweizer Telecomfirmen bei den Werbefiltern nicht vorwärtsmachen. «Es ist mir ein Rätsel, weshalb das so lange dauert», sagt Stalder.

Werbefilter lassen auf sich warten

Swisscom will den schon vor Monaten angekündigten Filter für Mobile-Kunden bis Ende Jahr aufschalten. Bei Sunrise heisst es, man evaluiere eine Filterfunktion. Wann eine Einführung erfolgen könne, hänge aber auch vom Parlament ab. Wer die tunesische Rufnummer 0021 698 06 15 42 derzeit anruft, bekommt lediglich auf Arabisch und in Französisch zu hören, dass der Anschluss nicht in Betrieb sei.

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