Toyota & Co.: Rückrufe werden stark zunehmen
Aktualisiert

Toyota & Co.Rückrufe werden stark zunehmen

Toyota, die wichtigste Automarke der Welt, muss wieder Millionen von Wagen zurückrufen. Damit ist der japanische Autobauer aber nicht allein: Die Rückrufe werden sich in Zukunft häufen.

von
S. Sturzenegger

Toyota ist die wichtigste und grösste Automarke der Welt. Im kürzlich publizierten Report «Best Global Brands 2012» wurde Toyota erneut als wertvollste Automobilmarke der Welt ausgezeichnet. Und mit 4,97 Millionen verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr liegen die Japaner wieder klar vor dem US-Rivalen General Motors.

Jetzt muss der japanische Autobauer einmal mehr einen Dämpfer hinnehmen: Weltweit werden 7,4 Millionen Kleinwagen in die Werkstätten zurückgerufen. Es bestehe Brandgefahr durch einen elektrischen Fensterheber (siehe Box).

Lenkung – Bremsen – Gaspedal

Erst Anfang August mussten 1,5 Millionen der japanischen Autos zurückgerufen werden. Damals handelte es sich um ein Problem mit der Lenkung. Auch im Juni 2011 hatten die Japaner mehr als 100 000 Exemplare ihres Hybrid-Vorzeigemodells Prius zurückbeordert, weil die Lenkung teilweise ausfiel, zeitgleich gab es beim Kleinstwagen iQ Probleme mit dem Bremszylinder.

Beim Thema Rückrufaktionen ist jedoch Schadenfreude gegenüber Toyota fehl am Platz, wie Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer sagt: «Die Rückrufe werden in Zukunft in der Autobranche massiv zunehmen.»

Gleiche Bauteile

Grund dafür seien Bauteile, die von verschiedenen Konkurrenten wie Toyota, General Motors, VW oder Ford eingebaut würden. «Erhöhte Sicherheitsanforderungen an die Autos sowie die Anfälligkeit von Elektro-Komponenten lassen die Rückrufe in die Höhe schiessen», erklärt Dudenhöffer.

Aus der aktuellen Rückrufaktion bei Toyota würden dem japanischen Autokonzern aber kaum Imageprobleme entstehen, ist der Auto-Professor aus Düsseldorf überzeugt. «Mit den grossen Vertuschungen wie im Jahr 2010 sind diese Fehler nicht mehr vergleichbar.»

Toyota-Debakel 2010

Wir erinnern uns: Damals musste Toyota wegen klemmender Gaspedale und fehlerhafter Bremsen insgesamt mehr als zwölf Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Die Verkäufe brachen daraufhin massiv ein. Es stellte sich heraus, dass das Unternehmen bereits seit 2008 Kenntnis von den Problemen hatte.

«Klar wird es die Toyota-Fahrer auch diesmal nicht freuen», räumt Dudenhöffer ein. Doch der Konzern gehe «offensiv» vor und kommuniziere klar. «Die Toyota-Besitzer werden Verständnis dafür haben», glaubt er.

Rund 500 Mio. Euro Schaden

Was den finanziellen Schaden angeht, rechnet der Auto-Professor aus Düsseldorf mit «pauschal 500 Millionen Euro». Dieser Betrag sei bei der Höhe des Toyota-Gewinnes – rund 3 Milliarden Euro im ersten Quartal – nicht relevant. Viel mehr dürfte für Toyota die aktuelle Insel-Krise mit China ins Gewicht fallen, wie der «Spiegel» schreibt.

RAV4 muss das Fensterheber-Schmiermittel ausgewechselt werden. Diese könnten sonst klemmen oder blockieren. Philipp Rhomberg, Geschäftsführer von Toyota Schweiz hält Brandgefahr aber für unwahrscheinlich.

Betroffen sind Modelle aus den Jahrgängen 2006 bis 2010. Diese entsprechen laut Rhomberg 6 Prozent der in der Schweiz zugelassenen Fabrikate des japanischen Autobauers. Insgesamt rollen hierzulande 300 000 Toyotas auf den Strassen. (sda)

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