Aktualisiert 09.05.2018 21:10

Super LeagueRückschlag für GC – Luzern spielt europäisch

Sion gelingt Befreiungsschlag, GC kommt auch mit Thorsten Fink nicht auf Touren. Luzern sichert sich dank einem Last-Minute-Sieg in St. Gallen den dritten Platz. FCZ gewinnt in Thun.

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Hängende Köpfe bei den Grasshoppers: Durch der Niederlage gegen den FC Sion können sie sich noch nicht vom Abstiegskampf verabschieden.

Hängende Köpfe bei den Grasshoppers: Durch der Niederlage gegen den FC Sion können sie sich noch nicht vom Abstiegskampf verabschieden.

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Das Spiel im Letzigrund ist zäh: Beide Mannschaften kämpfen um jeden Zentimeter.

Das Spiel im Letzigrund ist zäh: Beide Mannschaften kämpfen um jeden Zentimeter.

Keystone/Walter Bieri
Aus dem Nichts: Der Walliser Torschütze Matheus Cunha bejubelt zusammen mit Carlitos seinen Treffer zum 1:0.

Aus dem Nichts: Der Walliser Torschütze Matheus Cunha bejubelt zusammen mit Carlitos seinen Treffer zum 1:0.

Keystone/Walter Bieri

«Den Abstand vergrössern und das Ziel Nicht-Abstieg schaffen», gab GC-Trainer Thorsten Fink als Devise für die Partie vor. Die achte Niederlage im 17. und vorletzten Heimspiel der Saison könnte die Grasshoppers nun aber je nach Ausgang des Spiels zwischen Lugano und Lausanne vom Donnerstag wieder in eine sehr unangenehme Lage bringen. Dass es überhaupt zu dieser Situation kommt, haben sich die Zürcher ausschliesslich selber zuzuschreiben. Vor beiden Gegentreffern begingen sie zwei krasse individuelle Fehler - also genau das, was Fink unbedingt verhindert sehen wollte. Vor dem 0:1 (38.) vertändelte Linksverteidiger Souleyman Doumbia den Ball fahrlässig, Anto Grgics schnellen Pass in die Tiefe verwertete Cunha gekonnt mit dem Aussenrist. Und das spielentscheidende 0:2 (62.), erzielt per sehenswertem Innenristschuss durch den eingewechselten Adryan, entstand nach einem Fehlpass von Emil Bergström auf Höhe der Mittellinie und dem folgenden Konter.

Derweil die Grasshoppers die siebte Niederlage aus den letzten zehn Spielen kassierten, scheint Sion das Momentum auf seiner Seite zu haben. Die davor vier Partien sieglosen Walliser holten im Letzigrund das Optimum heraus. Viel mehr offensive Aktionen als die beiden Tore hatte die Mannschaft von Maurizio Jacobacci nicht zu bieten. Die Effizienz und die disziplinierte Arbeit vor dem eigenen Sechzehner reichten, um GC in Schach zu halten und einen Schritt Richtung Ligaerhalt zu machen.

Last-Minute-Sieg für Luzern

Zweimal Pascal Schürpf mit seinen Saisontreffern 9 und 10 und der Deutsche Marvin Schulz mit einem Abstauber in der 89. Minute nach dem fünften Corner gegen die defensiv anfällige St. Galler Abwehr schossen die Treffer für die selbstsicher und geschlossen auftretenden Zentralschweizer. Sie liessen sich im offensiven Schlagabtausch auch vom frühen 0:1-Rückstand durch Runar Sigurjonsson nach einem irregulär verhängten Penalty nicht aus dem Konzept bringen. Die Luzerner überzeugten mit ihrer Laufbereitschaft, ihrem geordneten Spielsystem und dem gefährlicheren und effizienteren Angriff.

Zweimal reüssierte bei St. Gallen der Isländer Sigurjonsson. Doch im Mittelfeld und vor allem in der wenig stabilen Abwehr klafften bei den St. Gallern zu grosse Lücken. Auch der wieder ins Mittelfeld vorgerückte Tranquillo Barnetta konnte wenig Impulse geben und die siebte Niederlage aus den letzten acht Spielen nicht verhindern. Das neu fünftplatzierte St. Gallen bangt nun um einen Europa-League-Platz und wurde von Cupfinalist Zürich in der Tabelle überholt.

Luzern sichert sich Europa-League-Platz

Als Schürpf nach einer Stunde mit einem Abpraller das 2:1 für den FCL erzielte und Trainer Gerardo Seoane zu einem Freudensprung an der Seitenlinie veranlasste, schienen St. Gallens Träume, den 3. Platz zu erreichen, beendet. Doch nicht für Sigurjonsson. Eine Flanke von Marco Aratore wuchtete der Isländer mit einem Dropkick zum 2:2 ein. Schliesslich war es jedoch Schulz, der mit seinem Tor Luzerns Traum vom 3. Rang in der Abschlusstabelle Wirklichkeit werden liess. Falls die Young Boys am 27. Mai den Cupfinal gegen den FC Zürich gewinnen, wären die Luzerner fix für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.

Glücklicher FCZ-Sieg

Die Bilanz von Ludovic Magnin als FCZ-Trainer war vor der Reise ins Berner Oberland alles andere als herausragend gewesen. Nur zwei Siege hatten die Zürcher in elf Spielen gefeiert, einzig die Qualifikation für den Cupfinal sorgte dafür, dass die sportliche Baisse zumindest innerhalb des Vereins keine Diskussionen aufkommen liess.

Auch in Thun trat der FCZ alles andere als stilsicher auf. Die Reflexe von Yanick Brecher im Tor und die Kaltblütigkeit von Michael Frey im Angriff entschieden letztlich die Partie aber zugunsten der Gäste. Frey erzielte kurz nach der Pause nach glänzender Vorarbeit der beiden Youngsters Maren Haile-Selassie und Toni Domgjoni seinen 11. Saisontreffer; gegen Thun traf der in Münsingen aufgewachsene Stürmer in fünf Spielen sechs Mal.

Thun verzweifelt an Brecher

Der zweite Matchwinner auf Zürcher Seite war Torhüter Brecher. Der 24-Jährige, der in den vergangenen Wochen auch schon Schwächen gezeigt hatte, lieferte eine herausragende Leistung ab. In der 58. Minute lenkte er den Schuss von Dennis Hediger mit den Fingerspitzen an die Latte, in der Schlussphase liess er sich weder von Dejan Sorgic (84.) noch von Matteo Tosetti (94.), die alleine vor ihm aufgetaucht waren, bezwingen.

Thun verpasste nicht nur, mit einem Sieg in der Tabelle zum FCZ aufzuschliessen und damit im Kampf um Platz 5 ein Wörtchen mitzureden, sondern auch den letzten Schritt zum Klassenerhalt. Auch deshalb sagte Captain Hediger, der am Sonntag in Lausanne gesperrt sein wird: «Ein völlig unnötige Niederlage.»

Grasshoppers - Sion 0:2 (0:1)

5100 Zuschauer. - SR Bieri

Tore: 38. Cunha (Grgic) 0:1. 62. Adryan (Grgic) 0:2.

Grasshoppers: Lindner; Cvetkovic (86. Vitija), Bergström, Rhyner, Doumbia; Sainsbury; Jeffren, Bajrami, Taipi (65. Sukacev), Andersen; Kodro.

Sion: Fickentscher; Maceiras, Bamert, Neitzke, Angha; Kouassi; Kasami, Toma (77. Mveng), Grgic, Carlitos (46. Adryan); Cunha (90. Mboyo).

Bemerkungen: Grasshoppers ohne Basic, Lavanchy, Lika (alle verletzt) und Djuricin (gesperrt), Sion ohne Cümart, Dimarco, Kukeli, Mitrjuschkin, Zock (alle verletzt) und Lenjani (gesperrt). 24. Kopfball von Kodro an die Latte. 92. Fickentscher lenkt Schuss von Vitija an den Pfosten. Super-League-Debüt von Sadik Vitija (19).

Verwarnungen: 56. Kasami (Foul). 63. Adryan (Unsportlichkeit). 68. Sainsbury (Foul).

St. Gallen - Luzern 2:3 (1:1)

14'026 Zuschauer. - SR Klossner

Tore: 17. Sigurjonsson (Handspenalty) 1:0. 37. Schürpf (Schneuwly) 1:1. 60. Schürpf 1:2. 63. Sigurjonsson (Aratore) 2:2. 88. Schulz (Schneuwly) 2:3.

St. Gallen: Stojanovic; Gasser, Hefti, Musavu-King (76. Haggui), Wittwer; Tschernegg; Tafer (68. Kukuruzovic), Barnetta, Sigurjonsson, Aratore (68. Buess); Ben Khalifa.

Luzern: Omlin; Grether, Knezevic, Schulz, Lustenberger (75. Sidler); Voca, Custodio; Schneuwly, Gvilia, Schürpf (72. Vargas); Demhasaj (84. Rodriguez).

Bemerkungen: St. Gallen ohne Aleksic, Toko (beide gesperrt), Ajeti, Koch, Lüchinger, Muheim, van der Werff und Wiss, Luzern ohne Cirkovic, Juric, Lucas und Schwegler (alle verletzt).

Verwarnungen: 17. Grether (Reklamieren). 45. Hefti (Foul). 48. Voca (Foul). 90. Gvilia (Foul). 96. Omlin (Unsportlichkeit).

Thun - Zürich 0:1 (0:0)

6026 Zuschauer. - SR Tschudi.

Tor: 50. Frey (Domgjoni) 0:1.

Thun: Faivre; Glarner, Gelmi, Sutter (79. Huser), Facchinetti; Tosetti, Hediger, Lauper, Karlen; Sorgic, Spielmann (66. Hunziker).

Zürich: Brecher; Rüegg, Thelander, Kryeziu, Brunner; Palsson; Winter (88. Sarr), Domgjoni, Marchesano (64. Aliu), Rohner (22. Haile-Selassie); Frey.

Bemerkungen: Thun ohne Alessandrini, Bürgy, Costanzo, Ferreira, Kablan, Nikolic, Rodrigues (alle verletzt), Zürich ohne Alesevic, Bangura, Kempter, Maouche, Nef, Schättin, Schönbächler (alle verletzt), Pa Modou, Rodriguez (beide gesperrt). 58. Lattenschuss Hediger.

Verwarnungen: 54. Hediger (Foul). 56. Marchesano (Foul). 79. Palsson (Foul). 85. Brecher (Unsportlichkeit). 87. Kryeziu (Unsportlichkeit). 94. Huser (Foul).

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