Aktualisiert 02.08.2016 05:45

Schweiz-Chef im Interview«Rücksendungen sind bei Zalando sogar erwünscht»

Schweizer behalten nur die Hälfte der bei Zalando bestellten Kleider und Schuhe. Dominik Rief, Schweiz-Chef beim Onlineriesen, findet das nicht tragisch.

von
V. Blank
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Dominik Rief (29) ist Country Manager für die Schweiz und Österreich bei Zalando. Er sei sehr zufrieden damit, wie sich das Schweizer Geschäft seit dem Start 2011 entwickelt habe.

Dominik Rief (29) ist Country Manager für die Schweiz und Österreich bei Zalando. Er sei sehr zufrieden damit, wie sich das Schweizer Geschäft seit dem Start 2011 entwickelt habe.

Zalando wurde innerhalb kurzer Zeit zum grössten Online-Modehändler in Europa.

Zalando wurde innerhalb kurzer Zeit zum grössten Online-Modehändler in Europa.

Keystone/Steffen Schmidt
Allein in der Schweiz soll der Umsatz 2016 laut Schätzungen eine halbe Milliarde Franken betragen.

Allein in der Schweiz soll der Umsatz 2016 laut Schätzungen eine halbe Milliarde Franken betragen.

Keystone/Peter Klaunzer

Herr Rief*, wann haben Sie zum letzten Mal in der Schweiz Kleider gekauft?

Das ist schon ein paar Jahre her: Im Jahr 2011, bevor ich von der Schweiz nach Berlin gezogen bin, wobei ich mich regelmässig vor Ort umschaue.

Wenn Sie kürzlich hier geshoppt hätten, hätten Sie wohl viele Klagen über die Konkurrenz aus dem Onlinehandel gehört. Haben Sie als Zalando-Manager nie ein schlechtes Gewissen, weil Sie den Läden das Geschäft wegnehmen?

Man muss das so sehen: Früher gab es Konkurrenz zwischen den einzelnen stationären Händlern, heute zwischen dem stationären Handel und den Online-Anbietern. Der Wettbewerb ist derselbe.

Zalando ist aber mittlerweile so gross, dass Sie eindeutig am längeren Hebel sitzen.

Klar gibt es durch die zunehmende Digitalisierung Verschiebungen. Die Menschen verbringen immer mehr Zeit online, meistens mit dem Smartphone. Als Händler musste man schon immer da sein, wo die Kunden sind.

Eine Prognose geht davon aus, dass Zalando dieses Jahr in der Schweiz rund 500 Millionen Franken Umsatz macht. Wie realistisch ist diese Schätzung?

Wir weisen unsere Ergebnisse nur für die gesamte Region Deutschland-Österreich-Schweiz aus und können als börsenkotiertes Unternehmen keine Auskunft zum Schweizer Markt allein geben.

Aber Sie sind zufrieden mit dem Geschäftsverlauf in der Schweiz.

Ja, sehr. Die Schweizer Kunden haben seit dem Markteintritt im Jahr 2011 positiv auf unser Angebot reagiert.

Warum kommt Zalando bei Schweizern so gut an?

Wir haben ihnen auf einen Schlag ein enormes Sortiment an Schuhen und Kleidern online verfügbar gemacht. Ich komme selber aus einer Kleinstadt. Dort ist man darauf angewiesen, was die lokalen Geschäfte anbieten. Hat man plötzlich Zugriff auf eine riesige Auswahl internationaler Marken – egal, wo man lebt –, freut einen das natürlich.

Ein grosses Sortiment allein ist aber noch kein Erfolgsgarant. Was macht Zalando besser als andere?

Die Kunden schätzen unser Angebot, weil das Einkaufserlebnis bei Zalando unkompliziert ist. Ausserdem bieten wir absolute Transparenz bei den Preisen. Preisvorteile, die wir im Einkauf oder durch den Wechselkurs erhalten, geben wir sofort an unsere Kunden weiter.

Kunden in der Schweiz zahlen für das gleiche Produkt trotzdem immer noch mehr als beispielsweise jene in Deutschland.

Ja, diese Preisunterschiede gibt es zum Teil nach wie vor, wobei wir sie so gering wie möglich halten. Sie sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass beim Export in die Schweiz Mehrkosten anfallen, beispielsweise am Zoll.

Laut Unternehmensangaben hat jeder fünfte Schweizer schon einmal bei Zalando eingekauft. Wie wollen Sie im hiesigen Markt noch wachsen?

Wir möchten zum Beispiel den Erhalt und die Rücksendung der Pakete noch einfacher gestalten und so neue Kunden gewinnen. Wir arbeiten da eng mit der Schweizerischen Post zusammen. Eine Idee ist, dass der Kunde ein konkretes Lieferzeitfenster auswählen kann. Oder dass der Rückversand noch intuitiver auf unserer Seite abgewickelt werden kann.

Wie viel von der bestellten Ware senden die Schweizer Kunden zurück?

Die Retourenquote kommunizieren wir nur global. Sie beläuft sich auf etwa 50 Prozent und wird in der Schweiz etwa ähnlich hoch sein.

Zalando betont immer, die vielen Retouren seien nicht so schlimm. Aber Freude daran haben Sie sicher auch nicht.

So unverständlich es auf den ersten Blick scheinen mag: Retouren sind bei uns sogar erwünscht. In gewissen Ländern machen wir die Kunden sogar aktiv darauf aufmerksam.

Sind Sie wirklich so selbstlos? Retouren verursachen Ihnen ja Mehraufwand und Kosten.

Ja, aber die Möglichkeit, die Ware kostenlos zu retournieren, war von Anfang an eines unserer Grundprinzipien – wir sprechen hier von Auswahlretouren. Diese sorgen unter anderem dafür, dass bei uns gekauft wird – und für ein positives Kundenerlebnis. Zufriedene Kunden bedeuten letztlich eine höhere Profitabilität.

*Dominik Rief ist Country Manager für die Schweiz und Österreich bei Zalando

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