Wahlschlappe: Rücktritt mit nur einem Satz

Aktualisiert

WahlschlappeRücktritt mit nur einem Satz

«Mit sofortiger Wirkung trete ich als Ministerpräsident des Freistaats Thüringen und als Landesvorsitzender der CDU zurück», erklärte Dieter Althaus in einer Pressemitteilung, die nur diesen Satz enthielt.

«Rücktritt ist keine Option», sagte Dieter Althaus noch am Sonntag, obwohl die CDU bei der Landtagswahl in Thüringen unter seiner Führung um zwölf Punkte abgestürzt war und nun auf die SPD angewiesen ist, um an der Regierung bleiben zu können. Doch am Donnerstag war der Druck offensichtlich übermächtig geworden.

In den Wahlkampf zog der 51-Jährige noch als unbestrittene Nummer 1 seiner Partei. Nach dem Skiunfall vom Neujahrstag, bei dem Althaus schwer verletzt wurde und eine Frau ums Leben kam, schien dies lange Wochen zunächst unmöglich. Der thüringische Ministerpräsident war in Österreich gegen die Fahrtrichtung in eine Piste eingebogen.

Althaus erlitt schwere Kopfverletzungen, wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und musste lange pausieren. Erst vor vier Monaten kehrte er in die Politik zurück, woran er nach eigenen Worten nicht einen Moment gezweifelt hatte.

Skiunfall war auch im Wahlkampf Thema

Das Thema Skiunfall liess Althaus nicht mehr los, auch im Wahlkampf nicht. In der heissen Phase gab der Regierungschef in Boulevardzeitungen bereitwillig über sein Befinden, seine Sensibilität und auch über seine Ehe Auskunft. Dies veranlasste Oppositionspolitiker zu harschen Reaktionen.

Politisch setzte Althaus stets auf Kontinuität. Im Wahlkampf warnte er wiederholt vor «rot-roten Experimenten», die Thüringen von dem bisher erfolgreich beschrittenem Weg abbringen könnten. Seinen Hauptgegner sah er in der Linkspartei. In der Bundespartei gilt Althaus als Vertrauter der CDU-Chefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Von der Bundes-CDU kam auch am Mittwoch noch Unterstützung.

Der einstige Lehrer für Mathematik und Physik trat fünf Jahre vor der Wiedervereinigung in die CDU-Blockpartei der DDR ein. 1987 wurde er stellvertretender Direktor und ab Januar 1990 Kreisschulrat des Landkreises Heiligenstadt.

1990 begann eine steile Karriere

Mit der Wahl zum Mitglied des ersten Thüringer Landtags am 14. Oktober 1990 begann für den Vater zweier Töchter eine steile Karriere: Bereits im Februar 1992 machte ihn der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel als sein Ziehvater zum Kultusminister. Von 1993 bis 2000 war Althaus stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, am 4. November 2000 übernahm der «Kronprinz» den Parteivorsitz und am 5. Juni 2003 auch das Ministerpräsidentenamt von Vogel.

Ein Jahr später gewann Althaus erstmals aus eigener Kraft eine Landtagswahl - an die 51 Prozent, die Vogel zuvor erreicht hatte, kam Althaus allerdings mit den erzielten 43 Prozent bei weitem nicht heran.

(dapd)

Deine Meinung