Aktualisiert 20.06.2008 14:52

KosovoRücktritt von Schweizer OSZE-Chef wirft Fragen auf

Nach nur einem Jahr als OSZE-Missionschef im Kosovo tritt der Schweizer Botschafter Tim Guldimann von seinem Posten zurück. Ging er zu weit mit seinen Äusserungen zur Unabhängigkeit der ehemaligen serbischen Provinz? Oder war sein Führungsstil das Problem?

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat seinen Vertrag nicht verlängert.

Guldimann werde per Ende September sein Mandat in Pristina aufgeben, bestätigte Jean-Philippe Jeannerat, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Freitag einen Bericht des «Tages-Anzeigers». Die OSZE habe die Stelle bereits ausgeschrieben.

Ob Guldimann seinen Vertrag nicht verlängern wollte, oder ob man von Seiten der OSZE in Wien auf den frühen Abgang des renommierten Schweizer Diplomaten drängte, war von offizieller Seite nicht zu erfahren.

Normale Rotation?

«Sein Vertrag läuft aus. Es handelt sich um eine normale Rotation», sagte OSZE-Sprecher Mikhail Evstafiev einzig auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Über eine Verlängerung des Vertrages wurde laut Guldimanns Sprecherin Elli Flen nie diskutiert.

Im Kosovo wird bereits seit ein paar Tagen über den Rücktritt der Schweizers spekuliert. Er habe wegen pointierter Äusserungen zur Unabhängigkeit und völkerrechtlichen Anerkennung der ehemaligen serbischen Provinz die Unterstützung westlicher Länder verloren, schrieb die serbische Nachrichtenagentur Tanjug.

Kosovarische Zeitungen berichteten dagegen unter Berufung auf OSZE-Kreise, er habe sich durch seinen Führungsstil mit der Leitung der Organisation überworfen. Guldimann übernahm das Mandat im Kosovo in der heiklen Phase kurz vor der einseitigen Unabhängigkeitserklärung der ehemaligen serbischen Provinz.

Er hatte seit Oktober 2007 die Aufgabe, mit fast 1000 Mitarbeitern die Einhaltung der Menschenrechte und die Arbeit von Justiz und Polizei zu beobachten. Sein Vertrag war von Beginn weg auf ein Jahr befristet.

Zukunft ungewiss

Vor seiner Berufung nach Pristina vertrat Guldimann unter anderem die Schweizer Interessen in Teheran und vermittelte für die OSZE im Tschetschenien-Konflikt.

Als Schweizer Botschafter tritt er nach seiner Rückkehr aus dem Kosovo wieder in den Dienst des Aussenministeriums. Welche Aufgabe er dort übernimmt, ist noch unklar.

Diesen Sommer steht eine grössere Rotation unter den Schweizer Botschaftern an. Das EDA werde voraussichtlich im Vorfeld der Botschafterkonferenz vom 25. August neue Ernennungen kommunizieren, kündigte Jeannerat an.

(sda)

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