Aktualisiert 16.03.2006 07:15

Rücktritt wegen Indio-Protesten in Ecuador

Angesichts ausgeweiteter Proteste von Indios gegen den Beitritt zu einer von den USA gewünschten Freihandelszone ist der ecuadorianische Innenminister Alfredo Castillo zurückgetreten.

Präsident Alfredo Palacio wandte sich kurze Zeit später in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung und mahnte zur Ruhe. Die Demonstrationen seien von «hinterhältigen Politikern initiiert, die unsere Nation zerreissen wollen».

Die am Montag begonnenen Proteste hatten sich vom Hochland bis zu den Ölfeldern im Südosten ausgeweitet, wo die Polizei mit Gewalt gegen Demonstranten vorging, die mehr Investitionen in öffentliche Projekte forderten. Castillo hatte noch am Dienstag davor gewarnt, eine landesweite Protestbewegung könnte zu einem «weiteren Putsch» führen.

Präsident Palacio beriet hinter verschlossenen Türen mit Parlamentspräsident Wilfrido Lucero und dem Präsidenten des Verfassungsgerichts, Jaime Velasco, über die Lage. Die Ecuadorianer müssten die Reihen schliessen, sagte er anschliessend im Fernsehen. Nur so könne die fragile Demokratie ein halbes Jahr vor der Parlamentswahl gesichert werden. Zu dem Freihandelsabkommen äusserte er sich ausweichend. Dies dürfe die Souveränität Ecudors nicht beschneiden.

Zu den Indio-Protesten hatte das Bündnis von Eingeborenen Nationalitäten in Ecuador, aufgerufen. Es hat unter anderem die Regierung aufgefordert, die an das US-Unternehmen Occidental Petroleum erteilte Ölförderlizenz zu widerrufen. Proano sagte dazu, darüber und den Abbruch der Verhandlungen über eine Freihandelszone lohne es sich nicht nachzudenken. «Es sieht so aus, als ob sie an einer Destabilisierung der Demokratie interessiert sind», sagte der Regierungssprecher. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.