Aktualisiert 05.08.2008 08:53

Swiss ReRückversicherer kauft ein

Der Rückversicherer Swiss Re leidet weiter unter der Finanzmarktkrise. Der Gewinn halbierte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahres auf 0,6 Mrd. Franken. Nun will der Konzern die Lebensversicherungssparte der britischen Barclays übernehmen.

Der Kaufpreis betrage 753 Mio. Pfund (rund 1,6 Mrd. Franken), teilte Swiss Re am Dienstag in einem Communiqué mit. Damit erwerbe man einen Bestand von rund 760 000 Lebensversicherungs- und Vorsorgepolicen sowie Rentenversicherungsverträge mit einem Anlagevermögen von fast 6,8 Mrd. Pfund.

Das Portfolio von Barclays sei geschlossen und akzeptiere seit 2001 kein Neugeschäft mehr. Es generiere jedoch immer noch jährliche Prämieneinnahmen von 350 Mio. Pfund. Swiss Re will das Barclays-Portfolio abwickeln. Die Übernahme werde sich positiv auf das Ergebnis auswirken. Sie solle bis Ende Oktober vollzogen sein. 23 Barclays-Mitarbeiter würden übernommen.

Gewinn halbiert

Weniger positiv fiel das Ergebnis des zweiten Quartals aus: Der Reingewinn schrumpfte im Vergleich zur Vorjahresperiode von 1,194 Mrd. auf 564 Mio. Franken. Die Netto-Prämien fielen von 7,955 Mrd. auf 6,114 Mrd. Franken.

Damit hat der grösste Rückversicherer der Welt die Erwartungen der Finanzgemeinde deutlich verfehlt. Analysten hatten im Durchschnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP einen Reingewinn von 673 Mio. Franken und ein Prämienvolumen von 6,6 Mrd. Franken erwartet.

Die strukturierten Kreditausfall-Swaps (CDS) sorgten für einen weiteren, nicht-realisierten Bewertungsverlust von 362 Mio. Franken. Und für den Juli dürfte schätzungsweise ein weiterer Verlust von 163 Mio. Fr. dazukommen, schrieb die Swiss Re. Bereits im ersten Quartal hatten diese Geschäfte dem Rückversicherer ein Minus von 819 Mio. Fr. beschert.

Der Marktwert des strukturierten Portfolios sei von April bis Juni im Vergleich zu Ende März um 7 Prozent auf 2,214 Mrd. Fr. gesunken, sagte Finanzchef Georg Quinn in einer Telefonkonferenz. Davon seien weniger als 500 Mio. Fr. Expositionen im Markt für zweit- und drittklassige US-Hypothekenpapiere (Subprime und Alt A/Alt B).

Operativ sei die Swiss Re gut unterwegs. Das Nichtlebengeschäft laufe grossartig. Das Lebengeschäft gar exzellent, sagte Quinn. An den gesteckten Zielen halte man fest: Der Rückversicherer will mittelfristig den Gewinn je Aktie um 10 Prozent steigern und eine Eigenkapitalrendite von 14 Prozent erzielen.

Aktie unter Druck

Die Aktie des Rückversicherers Swiss Re geriet nach anfänglich positiver Eröffnung unter Druck: Bis gegen 10.10 Uhr notierte das Papier um 0,2 Prozent im Minus auf 65.25 Franken. Derweil stand der Gesamtmarkt (SMI) um 0,6 Prozent höher.

Der Quartalsabschluss sei enttäuschend, urteilte die Bank Sarasin. Der Reingewinn liege unter den sehr breit gestreuten Erwartungen, hiess es bei anderen Banken.

Sehr positiv sei aber, dass sich die Befürchtungen über grosse Bewertungsverluste aus riskanten Finanzmarktgeschäften nicht bewahrheitet hätten, urteilt Analyst Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Die Verluste von 362 Mio. Fr. für das zweite Quartal auf strukturierten Kreditausfall-Swaps (CDS) lägen im Rahmen der Verlusterwartungen von 350 Mio. Franken, die die Swiss Re im Juni angekündigt habe. Das Verlustpotenzial sei bei Gesamtbeständen (CDS und andere gefährdete Investments) von über 60 Mrd. Franken aber weiterhin gross.

(sda)

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