Aktualisiert 08.12.2011 12:01

Pixel für den Haushalt

Rüebli rüsten mit Pac Man

Jetzt erobern Games selbst die Küchen: Ein Schweizer hat Bitboard-Schneidbretter mit Pixelmustern aus «Space Invaders» oder «Super Mario» entwickelt und entzückt damit Retro-Liebhaber.

von
Jan Graber

Eigentlich wollte Samuel Raymann nur ein Schneidbrett für die Küche kaufen. Gesehen hatte er eines im Internet, das eine Spielfigur aus «Space Invaders» trug. Der Anbieter sass jedoch in den USA, lieferte nicht ins Ausland und selbst wenn Raymann einen Weg gefunden hätte, sich eines liefern zu lassen, hätte es ihm nichts genützt: Das Brett war bereits ausverkauft.

Vergessen konnte er das spezielle Brett aber nicht. Kurzerhand entschloss er sich, eine Schreinerei zu suchen, um sein eigenes Schneidbrett herstellen zu lassen. Dass damit ein Projekt ins Rollen kam, das bald einen grossen Teil seiner Freizeit fressen würde, konnte er damals noch nicht absehen.

Das Brett entsteht

Raymann hatte seinen Freunden von der Idee erzählt und plötzlich wollten auch sie ein solches Schneidbrett – oft mit einem anderen Pixelmuster drauf. Da der Tüftler sich als Interaction Designer mit Webtechnologien auskannte, baute er Web-Werkzeug, mit dem Interessierte ihr eigenes Küchen-Brett gestalten konnten. Das Eine führte zum Anderen und als ein Freund Raymann schliesslich aufforderte, die Sache gleich richtig anzupacken, entschloss sich der 36-Jährige, daraus ein kleines Business zu machen.

Die Betaphase

Schreinerei um Schreinerei in der halben Schweiz klapperte der Neo-Unternehmer ab, liess sich Testmuster herstellen und wurde schliesslich in seiner Heimatstadt fündig: Die Sozialen Einrichtungen und Dienste der Stadt Zürich konnten eine Lösung bieten, die Schneidbretter mit Pixelmustern richtig zu verleimen und boten ihm die Herstellung zudem zum günstigsten Preis an.

So begannen die Testphasen – zunächst eine «Closed Beta», danach eine «Open Beta», wie Raymann diese nennt. Die Sujets auf den ersten Brettern gestaltete der Interaction Designer selbst – Figuren aus «Space Invaders» zierten das Produkt ebenso wie solche aus «Super Mario», «Snake», «Pong» und weiteren Retrogames. «Ich mag Pixelgrafiken oft fast lieber, als die moderne, geglättete Optik», sagt er.

Start Game

Die ersten Einzelstücke verteilte er unter Freunden, in der zweiten Phase konnten Interessierte eines von rund 100 nun besser gefertigten Testbrettern für 70 Franken erstehen – unter der Bedingung, dass sie Feedback lieferten. Seinen eigenen Prototypen unterzog Raymann den ultimativen Härtetests: Er setzte das Brett unter Wasser und wusch es im Geschirrspüler. Mit Erfolg, das Konzept funktionierte.

Ende Jahr geht die zweite Testphase zu Ende, im Januar 2012 soll der reguläre Verkauf beginnen. Um die Arbeit bewältigen zu können, hat Raymann seinen Brotjob mittlerweile auf 60 Prozent reduziert. Einen definitiven Preis für die Bretter kann Raymann noch nicht nennen. «Er wird zwischen 100 und 150 Franken liegen», sagt er.

Eine Sextilliarde Möglichkeiten

Das Schneidbrett hat ein Raster von 13 auf 10 Klötzen. Dies erlaubt trotz einfachster Grafik 2 hoch 130 Variationen – was über einer Sextilliarde Möglichkeiten entspricht. Oder einer 1 mit 39 Nullen.

Die Bretter sind quadratischen Klötzen aus Ahorn- und Nussbaum-Holz fugenlos geleimt. Das Holz stammt aus der Schweiz.

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