09.02.2015 18:16

Swissleaks

Ruiniert HSBC-Affäre Ruf von Schweizer Finanzplatz?

Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung: Wegen der Enthüllungen um HSBC Schweiz macht der Finanzplatz erneut Negativschlagzeilen. Die Bankiervereinigung bleibt gelassen.

von
S. Spaeth
Bei HSBC Schweiz handelt es sich nicht um eine klassische Schweizer Bank. Die Hongkong & Shanghai Banking Corporation ist eine international tätige Grossbank mit Sitz in London.

Bei HSBC Schweiz handelt es sich nicht um eine klassische Schweizer Bank. Die Hongkong & Shanghai Banking Corporation ist eine international tätige Grossbank mit Sitz in London.

Für einmal geht es nicht hauptsächlich um Steuerhinterziehung, weshalb der Schweizer Finanzplatz erneut im Fokus der internationalen Presse steht. Bei den sogenannten «Swissleaks» geht es um Delikte wie Geldwäscherei, Terrorfinanzierung sowie Drogen- oder Waffenhandel, die über den Schweizer Ableger der Grossbank HSBC vonstatten gegangen sein sollen. Basis für «Swissleaks» bilden von einem internationalen Journalistennetzwerk ausgewertete Daten, die der Informatiker Hervé Falciani 2007 bei HSBC gestohlen hatte.

Bei der Schweizerischen Bankiervereinigung gibt man sich angesichts des jüngsten Sturms betont gelassen. «Bei den kolportierten Fällen handelt es sich um Ereignisse, die vor 2007 stattgefunden haben. Der Finanzplatz hat sich seither neu positioniert», sagt Kommunikationschef Thomas Sutter zu 20 Minuten. Die Bankiervereinigung betont, dass man in Steuerfragen seit 2009 alle internationalen Standards einhalte, was international auch anerkannt werde. «Natürlich sind solche Schlagzeilen nie positiv, aber diese Geschichte wird dem Schweizer Finanzplatz nicht nachhaltig schaden», so Sutter und betont, die alten Fälle hätten nichts mit der heutigen Realität zu tun.

Grösste Schweizer Auslandsbank

Bei HSBC Schweiz handelt es sich nicht um eine klassische Schweizer Bank. Die Hongkong & Shanghai Banking Corporation ist eine international tätige Grossbank mit Sitz in London. Ihr hiesiger Ableger ist aber die mit Abstand grösste Schweizer Auslandsbank. 2013 schrieb die Bank laut der Statistik der Auslandsbanken einen Gewinn von 2 Milliarden Franken und beschäftigte rund 1400 Personen

Sind nun die Auslandsbanken die schwarzen Schafe, die das Image des Schweizer Finanzplatzes ramponieren? So stehen etwa mehrere HSBC-Kunden aus Saudi-Arabien unter Verdacht, Osama Bin Laden Geld gespendet zu haben. Weiter soll der Schweizer Ableger von HSBC Konten des Clans von Syriens Diktator Baschar al-Assad beherbergt und Millionenvermögen für Händler von Blutdiamanten im Liberia-Konflikt verwaltet haben

Bei der Bankiervereinigung will man keinen Keil zwischen die beiden Bankengruppen schlagen lassen. «Für die Auslandsbanken gelten die gleichen Gesetze und Bestimmungen wie für alle anderen», betont Sutter. Die über 120 hierzulande tätigen Auslandsbanken beschäftigen knapp 20 Prozent aller Bankmitarbeitenden und tragen 17 Prozent zur Bankenwertschöpfung in der Schweiz bei.

Schweizer Institute sehr vorsichtig

«Auslandsbanken haben nicht generell grössere Probleme mit Geldwäscherei und Terrorfinanzierung als die klassischen Schweizer Banken», sagt Bankenprofessor Hans Geiger zu 20 Minuten. Grosse Auslandsbanken hätten wohl aber andere Kontakte zu politisch exponierten Personen und seien weniger zurückhaltend gewesen, sie oder ihre Firmen als Kunden zu akzeptieren.

Die grossen Schweizer Banken sind laut Geiger schon seit dem Fall um die in der Schweiz gebunkerten Gelder des philippinischen Diktators Marcos äusserst zurückhaltend in der Annahme von Geldern zweifelhafter Herkunft. «Wegen dem Druck der Politik hat schon vor Jahren das grosse Umdenken stattgefunden», so Geiger.

Bankiervereinigung hofft auf besseres Image

Wie gross ist der Schaden für den Schweizer Finanzplatz wegen der HSBC-Affäre? «Den Finanzplatz Schweiz kann fast nichts mehr erschüttern. Das Vertrauen ist längst angeschlagen», sagt Geiger. Für viele Beobachter sei Swissleaks ein weiteres Puzzleteil in einem Bild, das sich über die letzten Jahre gefestigt habe. Namhafte Schweizer Banken wollten sich nicht zu möglichen negativen Auswirkungen auf den Finanzplatz äussern und verwiesen auf die Bankiersvereinigung.

Diese betont, in den letzten Jahren erfolgreich für eine Neupositionierung des Finanzplatzes gekämpft zu haben, beispielsweise für die Einhaltung internationaler Standards in Steuerfragen sowie der Übernahme des automatischen Informationsaustauschs mit dem Ausland. «Diesen Weg gehen wir weiter. Das wird sich mittelfristig auch wieder in einem besseren Image auszahlen», sagt Sutter.

Das sagt HSBC Schweiz

In einer online verbreiteten Stellungnahme schreibt HSBC Schweiz, dass einige Kunden das Bankgeheimnis für undeklarierte Konten ausgenutzt hätten und ihren Steuerverpflichtungen nicht nachgekommen seien. HSBC Schweiz sei verantwortlich für die fehlende Kontrolle dieser Kunden. HSBC erklärte, die Schweizer Tochter sei nach der Übernahme 1999 nicht vollständig integriert gewesen, was unterschiedlich hohe Standards innerhalb des Konzerns ermöglicht habe. In den letzten Jahren habe die Bank in der Schweiz aber eine «radikale Transformation» vollzogen. Konten von Kunden «die nicht den hohen Standards entsprachen», seien geschlossen worden. Die Bank wies aber daraufhin, dass es sich bei der Datengrundlage um gestohlenes Kundendaten handle. Es gebe auch Hinweise, dass diese manipuliert worden sein könnten. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hatte sich in den vergangenen Jahren bereits mehrmals mit dem Schweizer Ableger der HSBC befasst: Sie führte zwei Untersuchungen im Bereich Geldwäscherei sowie zur IT-Sicherheit durch. (sda)

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