Rheineck SG: Ruinierte Zähne – nach 22 Behandlungen
Aktualisiert

Rheineck SGRuinierte Zähne – nach 22 Behandlungen

Paolo Jäger hat für seine Zähne rund 20'000 Franken ausgegeben. Nach 22 Behandlungen ist jetzt aber alles schlimmer als vorher. Ein Gutachten gibt dem Zahnarzt die Schuld.

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Paulo Jäger erhebt Vorwürfe gegen das Zahnarzt Zentrum in Rheineck.

Paulo Jäger erhebt Vorwürfe gegen das Zahnarzt Zentrum in Rheineck.

«Eigentlich wollte ich nur eine Sanierung, weil meine Lücke so gestört hat», sagt Paolo Jäger zu TVO. «Aber jetzt habe ich einen Schaden von x-tausend Franken.»

Jäger hatte am Sonntag einen Beitrag über das Zahnarzt Zentrum Rheineck (ZZR) und dessen tiefen Taxpunktwert von 1.90 Franken auf TVO gesehen. Mit diesem Taxwert wäre das ZZR die billigste Praxis in der ganzen Deutschschweiz. Laut Angaben des ZZR leidet die Qualität nicht unter diesen tiefen Preisen.

«Falsch», sagt Jäger. Für 22 Behandlungen hat er 20'000 Franken ausgegeben. Jetzt sei aber alles schlimmer als vorher. Für Jäger ist klar: Der Zahnarzt hat gepfuscht. «Ich als Patient bin nur ein Laie und wenn mir der Zahnarzt etwas erzählt, dann glaube ich das», so Jäger. «Es ist traurig, wenn man dich ausnimmt und Sachen repariert, die gar nicht nötig wären.»

Gutachten bestätigt Fehlbehandlung

Jäger meldete sich beim Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen. Mehrere Punkte in einem zahnmedizinischen Gutachten bestätigen die Pfuscherei. «Zusammenfassend ist die Behandlungsphilosophie von Dr. (…) wohl am besten so zu charakterisieren, dass an erster Stelle das Umsatzdenken, dann das Reparieren von Zähnen und erst am Schluss oder auch gar nicht das ärztliche Denken vorherrscht», so das Gutachten.

Als das Zahnarzt Zentrum Rheineck mit diesen Vorwürfen konfrontiert wird, räumt es Fehler ein. «Es war ein Fall, der nicht sehr glücklich verlaufen ist», sagt ein verantwortlicher Mediziner des ZZR Rheineck. «Gewisse Sachen waren im Endergebnis nicht so, wie sie sein sollten.» Der Patient sei von ihnen darauf hingewiesen worden, dass diese Fehlbehandlung korrigiert werden müsste.

Zudem arbeite der erwähnte Zahnarzt heute nicht mehr im ZZR. Die Praxisgemeinschaft betont ausserdem, dass man die Philosophie überhaupt nicht teile – im Gegenteil.

Der Kanton soll genauer hinschauen

Jäger hat sich ebenfalls bei der Schweizer Stiftung für Patientenschutz (SPO) gemeldet. Er ist nicht der einzige. Laut SPO-Präsidentin Margrith Kessler gibt es mehrere Streitfälle im Zahnarzt Zentrum Rheineck. «Wenn wir immer wieder Klagen über diese Klinik erhalten, dann stimmt irgendetwas nicht», so Kessler. «Man müsste es mindestens mal kontrollieren gehen.»

Laut dem ZZR sind Fälle wie jener von Paolo Jäger Einzelfälle unter tausenden. Trotzdem fordert Kessler, dass der Kanton St.Gallen genauer hinschaut. Für Jäger ist die ganze Geschichte eine Lehre. Beim Zahnarzt sparen werde er nicht mehr: «Ich bezahle künftig lieber ein paar Franken mehr», so Jäger.

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