Aktualisiert 30.06.2016 19:30

Kampagne

Rumänen wollen britische Brexit-Gegner adoptieren

Brexit-Gegner in Grossbritannien müssen den Kopf nicht hängen lassen: Im EU-Land Rumänien sollen europhile Briten adoptiert werden.

von
mlr
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Die Brexit-Gegner haben die Abstimmung verloren, doch viele Briten wollen um jeden Preis in der EU bleiben. Vielleicht gibt es da eine Möglichkeit ...

Die Brexit-Gegner haben die Abstimmung verloren, doch viele Briten wollen um jeden Preis in der EU bleiben. Vielleicht gibt es da eine Möglichkeit ...

epa/Sean Dempsey
..., denn eine Online-Kampagne wirbt dafür, dass Rumänen EU-freundliche Briten adoptieren. «Die guten Menschen, die für einen Verbleib in der EU gestimmt haben und europäische Werte teilen, verdienen es, unsere Verwandten zu sein», schreiben die Macher.

..., denn eine Online-Kampagne wirbt dafür, dass Rumänen EU-freundliche Briten adoptieren. «Die guten Menschen, die für einen Verbleib in der EU gestimmt haben und europäische Werte teilen, verdienen es, unsere Verwandten zu sein», schreiben die Macher.

Screenshot Romaniansadoptremainians.gandul.info
Die Remain-Wähler in Grossbritannien sollen sich jedoch auch untereinander solidarisieren ...

Die Remain-Wähler in Grossbritannien sollen sich jedoch auch untereinander solidarisieren ...

AP/Matt Dunham

Für 48 Prozent der Briten, die vergangene Woche an der Brexit-Abstimmung teilgenommen hatten, fiel das Ergebnis nicht wie gewünscht aus. Doch denen, die gerne in der Europäischen Union (EU) geblieben wären, eröffnet sich ein Ausweg – wenn auch ein ungewöhnlicher: Unter dem Titel «Romanians adopt Remanians» («Rumänen adoptieren europhile Briten») hat die rumänische Zeitung «Gandul» eine Online-Kampagne gestartet, bei der sich Briten von Rumänen adoptieren lassen können.

Auf der Website der Kampagne können sich enttäuschte britische EU-Freunde registrieren lassen, die gerne im EU-Land Rumänien leben möchten. Gleichzeitig sollen sich rumänische Familien anmelden, die bereit sind, einen britischen «Flüchtling» zu adoptieren.

«Neues Leben bei liebevoller Familie»

«Liebe Landsleute», heisst es auf der Seite, «die guten Menschen, die für einen Verbleib in der EU gestimmt haben und europäische Werte teilen, verdienen es, unsere Verwandten zu sein». Jeder solle sich freiwillig melden, um einen Briten zu adoptieren.

Die Briten fordert die Kampagne auf, «Brexit-Befürworter, Gezänk und Wetter» hinter sich zu lassen und «ein neues Leben in einer liebevollen rumänischen Familie» zu beginnen. Über ihren Facebook-Account sollen ausreisewillige Briten dann Kontakt mit Rumänen aufnehmen. Selbst ihre zukünftige rumänische ID können sich die Briten online anschauen.

Ganz ernst zu nehmen dürfte die Aktion nicht sein. Doch auf humorvolle Weise macht die Kampagne nicht nur auf die Nöte EU-freundlicher Briten aufmerksam, sondern auch auf Intoleranz und Übergriffe auf EU-Migranten nach dem Brexit-Votum. Vor allem Polen und andere Osteuropäer hatten in den Tagen nach der Abstimmung Fremdenhass zu spüren bekommen.

Auch den Rumänen sind viele Briten laut «Washington Post» nicht freundlich gesinnt. Nachdem Rumänien 2007 Mitglied der EU wurde, kamen viele Landsleute zum Arbeiten nach Grossbritannien. Zwischen 2014 und 2015 waren Medienberichten zufolge mehr als 152'000 Rumänen als Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich registriert. Trotz positiver Effekte auf die Wirtschaft waren die Zuzügler aus den neuen EU-Ländern nicht überall willkommen.

Dating-App für Remainers

Nicht nur aus Rumänien erfahren britische EU-Befürworter Solidarität – wenn auch oft satirisch verbrämt. Die irische Satire-Nachrichtenseite «Waterford Whispers News» zeigte etwa eine Fotomontage von Tee trinkenden Briten auf einem Flüchtlingsboot und titelte: «Tausende britische Flüchtlinge machen sich auf den gefährlichen Weg durch irische Gewässer».

Doch auch im eigenen Land rücken die europhilen Briten enger zusammen. Die Dating-App «Remainder» will Menschen miteinander verkuppeln, die gegen den Brexit gestimmt haben. Das Ziel der Macher: «Den Remain-Wählern, deren Herz gebrochen wurde, ein wenig Trost spenden.» Was als Witz am Freitag nach der Abstimmung begann, soll mithilfe von Crowdfunding bald Realität werden. «Das Motto der Briten lautet: Ruhig bleiben und weitermachen», sagte einer der Initiatoren, der anonym bleiben wollen, gegenüber NBC. «Das war in den vergangenen Tagen kaum möglich, aber vielleicht brauchen alle einfach mal guten Sex.»

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