Rumsfeld: Stippvisite im Folterknast Abu Ghraib
Aktualisiert

Rumsfeld: Stippvisite im Folterknast Abu Ghraib

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist gestern überraschend in den Irak gereist, um sich persönlich ein Bild von den Haftbedingungen zu machen. Derweil zieht die Folter-Affäre immer weitere Kreise.

Rumsfeld flog in einem Helikopter von Bagdad zum Gefängnis Abu Ghraib, wo US-Soldaten irakische Gefangene misshandelt hatten. Während des halbstündigen Besuches liess sich der Pentagon-Chef in einem gepanzerten Bus

herumfahren. Anschliessend sagte er in Bagdad in einer Rede vor Soldaten: «Ich bin stolz auf euch. Die meisten von euch machen einen grossartigen Job.»

In Washington zeigten sich US-Parlamentarier schockiert über die rund 1600 neuen Folterfotos und -videos, die sie am Mittwochabend zu Gesicht bekommen hatten. Der republikanische Senator Sam Brownback berichtete von «grausamen Szenen mit Leichen». Laut der «New York Post» hatte Folter-Magd Lynndie England auf einem Video mit anderen Soldaten Sex – vor den Augen der Gefangenen. Das Bildmaterial soll vorerst nicht veröffentlicht werden.

Die US-Regierung ist inzwischen an allen Fronten mit Foltervorwürfen konfrontiert: Auch in Afghanistan, Guantánamo und beim CIA sollen brutale Verhörmethoden angewandt werden. Geheimdienstagenten hätten etwa einen Bin-Laden-Vertrauten unter Wasser gedrückt, um ihn zum Reden zu bringen. (sda)

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